Freitag, 31. Mai 2013

BG: Am Abend

Am Abend
nach einem Lied aus meiner Jugend
(zuerst veröffentlicht unter buchgesichter.de am 12.04.2010) 
 
"Am Abend, manchmal, sind die Felder so still,
als wäre da nie ein Wind gewesen...",


Leise singt sie die ersten Zeilen. Verhalten klingen die Saiten der Gitarre des Freundes an ihrer Seite, während beide aus den Höhen bei Radebeul in das Elbtal sehen. Verträumt und ganz sacht, aber sehr klar erreicht ihre Stimme seine Ohren.


"... Ganz leise klingt ein Lied und wenn du willst,
kann ich Gedichte in den Wolken lesen..."


Die Sterne werden deutlicher am Firmament. Alle Last fällt langsam von ihm ab. So neben ihr zu sitzen, ganz dicht und der samtigen Stimme zu lauschen... Schwarzes Haar umsäumt ihr Gesicht, so nah war er den braunen Augen noch nie. Nun nimmt er mit Staunen das Glänzen der Iris war, als sie ihm lächelnd und weiter singend das Gesicht zuwendet.


"... An jenem Abend aber werd ich wissen,
dass Ruhe über unser Land sich breitet.
Und dass du, ob du fern bist oder nah,
nie von mir gehst und was am Tag geschah:
war nicht vergebens."


Sie schweigt, schaut ihn an, während er ein kleines Stück der Melodie pfeift. Wie kann es denn sein, dass nach so vielen Jahren nun dieses Gefühl in ihr aufsteigt, wenn sie in seine blauen Augen schaut? Das bisher wahrgenommene Grün ist hier oben in der Stille so blau wie die Kornblumen, die sie mit ihrer Hand erreichen kann. Pflücken? Nein, diese Blau möchte sie nun auf andere Weise fangen.


"Am Abend, manchmal, wenn die Wiesen schweigen,
als ob da nie ein Tag hindurchgegangen wär.
Wenn sich am Himmel erste Sterne zeigen,
dann bin ich müde und mein Herz ist leer."


'Nein', möchte er rufen, 'was singst du denn', doch er kennt natürlich den Text. Waren wir jemals zusammen allein? Wie von selbst suchten wir gemeinsam diesen Weg auf die Höhen über den Weinbergen. Doch erst hier oben weiß er wirklich, dass es wirklich wahr sein kann und dass er ihr nach dem Lied sagen wird: Ich liebe dich.


"... und dass du, ob du fern bist oder nah,
nie von mir gehst und was am Tag geschah:
war nicht ver..."


Der letzte Ton der Saite verklingt im Wind... 

 
*
(Der Liedtext stammt von einem Freund, er ist - der Text - mehr als dreißig Jahre alt.)


© KaratekaDD; 31.05.2013

Welskopf-Henrich, L.: Jan und Jutta

Jan und Jutta
Meine Rezension zu Liselotte Welskopf Henrichs gleichnamigen Roman
(zuerst veröffentlicht unter buchgesichter.de am 11.09.2011)

Es wundert mich nicht, dass dieses Buch (JAN UND JUTTA) in unserer Datenbank hier nicht enthalten ist. Es gibt wohl kaum einen Verlag, der diese Geschichte wohl verlegen würde. Es sei denn im Rahmen einer Gesamtausgabe der Liselotte WELSKOPF-HENRICH.
Doch halt, man sollte bei solchen Behauptungen erst einmal etwas gründlicher recherchieren: Der BS-Verlag hat JAN UND JUTTA (ISBN: 978-3-89954-001-7) doch aufgelegt. Der Verlag befindet sich in Rostock.


Worin sollte diese Gesamtausgabe bestehen? Nur der Romane, die sie beileibe nicht zum Zeitvertreib schrieb, oder das wissenschaftliche Werk der Nationalökonomin und Professorin für Alte Geschichte?

Bekannt geworden ist sie mit den SÖHNEN DER GROSSEN BÄRIN und dem BLUT DES ADLERS. Doch dazu hab ich ja hier [Bei den buchgesichtern] schon einiges geschrieben. 

 
Wer das Buch des Erik LORENZ gelesen hat, der weiß, dass die im Statistischen Reichsamt als Referentin arbeitende Welskopf-Henrich in den Jahren 1944-1945 ihren späteren Ehemann, den Kommunisten Rudolf WELSKOPF versteckte, der aus einer Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen geflohen war. Schon Monate vorher hatte das "Fräulein Doktor" mit Lebensmittelpaketen Häftlinge unterstützt.

Hier erzählt Liselotte Welskopf-Henrich ihre eigene Geschichte, die des Zimmerers JAN und der Referentin JUTTA erzählt. JAN arbeitet in der Landwirtschaft, erst als Knecht bei den Bauern. Als Zehnjähriger beginnt er dieses Leben. Doch er will ein Handwerk lernen. Zimmerer, bei einem alten "Krauter": für vier Jahre, mit Essen frei und 10 Reichsmark im JAHR! Er trifft organisierte und nichtorganisierte Arbeiter, so tritt er später in die SPD und danach in die KPD. Er ist im Widerstand aktiv und wird verhaften. Zuchthaus, Gefängnis und wohl nicht nur wegen eines Fluchtversuches in das Konzentrationslager (KL) Sachsenhausen verbracht.

JUTTA verträgt nicht, dass sie einer jüdischen Familie nicht helfen kann, als sie deportiert wird. Jahrelang hat die Mutter in dem Geschäft der Familie eingekauft. Und jetzt können sie keinen bei sich unter bringen. JUTTA beginnt darauf mit kleinsten Gaben und dann vor allem Essen Häftlinge in Berlin zu unterstützen. Mutter und Tante sind vor den Bombenangriffe nach Bayern geflüchtet. Das studierte Mädchen lernt Dinge kennen, die ihr in ihrer bürgerlichen Welt bisher völlig unbekannt waren.

Eines Tages kann der "Briefpartner" fliehen. Er muss fliehen, weil die SS auf der Suche nach der Gruppe ist, die z.B. über einen Radioempfänger verfügt und im Kreis der Häftlinge Nachrichten nicht nur der deutschen Sender verbreitet. Den notwendigen Schlosseranzug hat Jutta besorgt. Es ist das Jahr 1944. Knapp zwei Jahre noch…


Der Stil der Autorin ist schnörkellos. Die Träume eines ungewöhnlichen jungen Mädchens gibt sie natürlich wortreich wieder, sind es doch ihre eigenen. Den Weg des geradlinigen Jans zu beschreiben, scheint ihr leichter gefallen zu sein. Natürlich möchte die Wissenschaftlerin, als die sie jetzt an der Humboldt Universität arbeitet, auch etwas mitgeben. So wird die Überzeugung der Kommunisten, die Überzeugung Jans, natürlich weiter gegeben. Dazu muss schon mal ein Zitat herhalten und was eignet sich für eine Nationalökonomin besser dafür, als der Zusammenhang zwischen Produktionsverhältnissen und Produktivkräften?


Lese ich das heute, dass von den sich in den PV entwickelnden PK und die Änderung der PV, wenn die Entwicklung der PK nicht mehr weiter geht, dann komme ich nicht umhin zu sagen: Der hatte recht, der alte Marx. Zumindest oft, zumindest manchmal. Und ganz sicher für das 19. Jahrhundert.


Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist es irgendwie seltsam, wieder mal einen Roman zu lesen, der als typisch in der DDR gelten kann. Man müsste, würde es sich hier nicht um eine autobiografische Geschichte handeln, sagen, der oftmals dargestellte "alleinige" Kampf gegen den Nationalsozialismus wäre nur von den Kommunisten geführt wurden. Aber wie gesagt, hier geht es um eine Liebesgeschichte und diese JUTTA war nun wirklich keine Kommunistin, die wurde sie erst später. Und als solche unterstützte sie in Mißkredit geratene Studenten genauso, wie sie nur karrieresüchtige Akademiker bekämpfte.

Und als solche schrieb sie auch die schönsten Bücher meiner Kindheit. Nun, einige davon, die wichtigsten denke ich. Und vor allem darum habe ich letzte Woche im Antiquariat den Roman JAN UND JUTTA mit genommen.


Zu guter Letzt: Es wundert mich ein wenig, dass ich diesen Roman gar nicht kannte. Aber nun, nach der Lektüre der Biografie der Liselotte WELSKOPF-HENRICH musste es schon mal sein. 


zur Autorenseite
Deutsche Nationalbibliothek
  

©KaratekaDD

Lorenz, Erik: Liselotte Welskopf - Henrich und die Indianer

Eine faszinierende Frau
Meine Rezension zu Erik Lorenz´ Sachbuch
Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer
(zuerst veröffentlicht unter buchgesichter.de am 22.01.2011)

Sie muss eine faszinierende Frau gewesen sein: Elisabeth Charlotte Henrich (1901 -1979), Althistorikerin und Schriftstellerin. Ich denke, vielen Lesern, zumindest in den östlichen Ländern der Bundesrepublik war sie „nur“ wegen ihrer „Indianerbücher“ bekannt.

Als Tochter eines Rechtsanwaltes in München machte sie 1921 ihr Abitur in Berlin und studierte dann Ökonomie, Alte Geschichte und Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt Universität). Ab 1928 bis 1945 arbeitete sie im statistischen Reichsamt und war im Widerstand engagiert. Hierbei lernte sie Rudolf Welskopf, ihren späteren Ehemann kennen.

Schon als Kind beschäftige sie sich mir den indianischen Völkern insbesondere Nordamerikas. In einem Aufsatz schrieb sie, dass schon ihre Mutter sie aufforderte, den LEDERSTRUMPF zu lesen, dies wäre ein wertvolles Buch.

Nach dem Krieg habilitierte sie mit Arbeiten über das antike Griechenland und wurde auch international eine angesehene Wissenschaftlerin. Als Liselotte Welskopf-Henrich arbeitete sie als erfolgreiche Autorin und schrieb eine Reihe von Romanen auch autobiografischen Charakters.




Quelle
Ihr Hauptaugenmerk galt den nordamerikanischen Prärieindianern und unter diesen den Oglala-Lakota. Bereits 1951 wurde der Roman DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN verlegt, der später erweitert wurde um die Kinder- und Jugendgeschichte des Hauptprotagonisten Harka.

Nachdem die Autorin selbst die Pine Ridge Reservation besucht hatte, schrieb sie eine Fortsetzung, die einhundert Jahre später handelt. DAS BLUT DES ADLERS.

Aber über diese beiden Werke habe ich schon umfassend geschrieben. Der junge Autor Erik LORENZ legt nun hier ein biografisches-bibliografisches Buch vor, in dem er die Wissenschaftlerin und Schriftstellerin gleichermaßen würdigt. Dem Leser erschließt sich der Hintergrund für die Indianergeschichten neuerer Art, welche sich wohltuend von den Romanen Karl Mays oder auch verschiedenen Westernfilmen abheben. Er oder sie lernt aber auch die Wissenschaftlerin kennen, deren Kenntnisse über das alte Griechenland in verschiednen internationalen Werken verarbeitet wurden.

Das Buch wird sich vor allem dem Leser als sehr kurzweilig darstellen, der die Werke der Schriftstellerin kennt. Aber, lest die Geschichten und Rezensionen zu den genannten Büchern und vielleicht ist dann auch dieses Buch für euch interessant.

► Liselotte Welskopf Henrich in der wikipedia
► Liselotte Welskopf-Henrich bei Litterae-Artesque (Autorenseite)

DNB / Palisander Verlag / Chemnitz 2010 / ISBN: 978-3-938305-14-0 / 256 S.


©KaratekaDD (aktualisiert 25.06.2016)




Lamb, Wally: Früh am Morgen beginnt die Nacht


Eine Rezension von

TinSoldier


Früh am Morgen beginnt die Nacht

Roman von Wally Lamb

(zuerst veröffentlich von TinSoldier bei Buchgesichter.de)



Früh am Morgen beginnt die Nacht. Der Morgen. Harte Kontraste. Grelles Morgenlicht vor dem Fenster. Das anhaltende Gefühl, etwas ist aus den Fugen geraten. Antriebslos, unendliche fade Müdigkeit. Grau die beherrschende Farbe. 
Das Leben: Schal, wie die erste Zigarette am Morgen, Übelkeit erregend wie der Geruch kalter Asche, widerlich wie der pelzige, schale Geschmack kalten Nikotins auf der Zunge. Ziellosigkeit. Überdruss. Muskelverspannung und grauer Kopfschmerz. Die Zeit: Zähflüssig triefend wie Teer, tropft dickflüssig und lange Fäden ziehend dahin. 
Gedanken zäh wie Motoröl im Winter. Depression. Angst sitzt lauernd in allen Winkeln, bereit sich auf dich zu stürzen. Ein neuer Tag, doch: Schon früh am Morgen beginnt die Nacht! Der deutsche Titel des Buches des amerikanischen Autors Wally Lamb gibt mit 6 Worten die perfekte Beschreibung dessen, was ein Mensch in einer Lebenskrise empfinden mag. 
Machte der Buchtitel mich bereits neugierig, so war mir nach dem Lesen der Inhaltsangabe sofort klar: Dieses Buch wollte ich lesen und besitzen. Folglich bestellte ich die Neuerscheinung und machte mich sofort nach Lieferung an die Lektüre. 

Das war 1999.

Depression. Kennst du das Gefühl, es kostet dich unendlich viel Kraft, einen Arm zu bewegen, einen Fuß zu heben, den nächsten Schritt zu tun? Kennst Du das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Du verbrauchst alle Deine Kraft, um den Tag zu überstehen? Kennst Du das Gefühl, wenn Du am Ende des Tages die Tür hinter Dir schließt und Du schaffst es gerade noch bis zum Sofa? Ein Gefühl, wie wenn Dir jemand den Stöpsel herausgezogen hat, dass alle Luft aus Dir entweicht und nichts bleibt als eine schlaffe Hülle? Ich wünsche dir, du kennst es nicht!
Ausgebrannt hockst du da, mit tränenden Augen, leerem Kopf. Depression. Das Gefühl endloser Leere, grenzenloser Ohnmacht. 
Innere Taubheit. Die Seele trägt Scheuklappen. Manche beginnen zu trinken, nehmen Medikamente. Ich las. 
Eines Nachmittags nahm ich wahllos ein Buch aus dem Regal und begann zu lesen. Willi Heinrich: Das geduldige Fleisch. Wie passend. Ich las es in einem Zug durch. Stunden später klappte ich es nach der letzten Seite zu und war erschöpft, aber zufrieden. Also nahm ich das nächst Buch und las, bis mir die Augen zufielen: In stolzer Trauer. Von da ab las ich in jeder Minute, wochenlang, monatelang. Ich las und las und las und vergaß. 
Auf dem Höhepunkt meiner Lesetherapie las ich "Früh am Morgen beginnt die Nacht". Ich las es mit brennenden Augen bis tief in die Nacht und weiter am nächsten Tag. Ich las es morgens beim Frühstück und nachmittags beim Kaffee. Ich las und las, wie ein Ertrinkender. Und war tief beeindruckt. Beeindruckt von der Geschichte, die von einer tiefen Bruderliebe handelt und von einem schlechten Elternhaus, von Verständnis und Vergebung, von Mitleid und Menschlichkeit. Von der Angst, wahnsinnig zu werden. Von der Spurensuche im Leben eines Vorfahren. Eine wunderbare Geschichte, wunderbar erzählt in einer schönen Sprache von einem, der es offenbar versteht, Geschichten zu erzählen. Am Ende des Buches wich die innere Taubheit einem Gefühl der Zuversicht. Ist es nicht schön, dass Bücher so etwas bewirken können? 

Früh am Morgen beginnt die Nacht. Die anrührende und spannende Geschichte zweier ungleicher Brüder. Eines jener Bücher, die es Dir am Ende unmöglich machen, sofort etwas anderes zu lesen, weil Du glaubst, nichts vergleichbar Gutes mehr zu finden.

Früh am Morgen beginnt die Nacht
von Wally Lamb
Verlag: RM Buch und Medien (1999)
Deutsche Nationalbibliothek

© TinSoldier

Donnerstag, 30. Mai 2013

BG: Kamera obskur - Eine fantastische Geschichte



Kamera obskur 

Eine fantastische Geschichte

von TinSoldier 
(zuerst veröffentlich bei Buchgesichter.de am 06.02.2012)


Der Fotograf hatte keine Chance.

Sie hatte ihn gefunden:
Eines schönen Tages war sie da und versprühte sogleich ihre unwiderstehlichen Reize. Sie war eine reife Schönheit, die dem Fotografen schöne Augen machte und ihn sogleich mit kühler Berechnung betörte, ihn gleichsam mit der fast lasziv zu nennenden Nacktheit ihres eleganten Körpers zu verführen trachtete und ihm damit Ruhe und Schlaf raubte. Drei Tage und schlaflose Nächte hatte er Widerstand geleistet, drei nicht enden wollende Tage lang hatte er sie mit wachsendem Begehren, ja mit Gier in den Augen betrachtet und mit Blicken verschlungen. Am vierten Tag endlich schmolz seine Widerstandskraft dahin wie Butter in der heißen Pfanne und er ergab sich ihren verruchten Reizen. Seither waren sie unzertrennlich und in exzessiver Leidenschaft verbunden. 

S i e war eine echte Hasselblad:

Rollfilmkamera. Mittelformat. 6 x 6. Wechseloptik.

Die war für einen Fotografen aus Leidenschaft in etwa so etwas wie ein guter alter Mercedes SSK für einen Automobil-Enthusiasten. Unbezahlbar. Kostbar. Heilig!

Sein Herz klopfte, als der Fotohändler sie aus dem Schaufenster nahm.
Die Hasselblad war ein exklusives Meisterstück der Fotomechanik, durch und durch solide gebaut, von einmaliger Präzision, mit schwerer, kühler Haptik, angenehm zu berühren: ein Prachtstück eben, eine Schönheit mit schlichter Eleganz, die eine fast schon erotische Anziehung auf den Liebhaber ausübte. 
Wenn er mit ihr arbeitete, war es ihm dabei fast, als verbringe er Zeit mit einer Geliebten, und das Geräusch des Verschlussvorhangs sowie das leise „Plop“ des Spiegels klang in seinen Ohren so verlockend wie die rauchig-verrufene Stimme eines Weibes, die ihm lasziv verbotene Dinge zuflüsterte. 

Die schlank-kompakte Hasselblad dankte ihm seine Begeisterung mit brillanten Aufnahmen, deren Reiz eine fast beängstigende Lebendigkeit war. Porträtaufnahmen wirkten so, als wollte die abgelichtete Person jeden Moment aus dem Foto herabsteigen und dem Betrachter lächelnd die Hände reichen.
Unmerklich geriet er mehr und mehr in den Bann der Hasselblad, die er fast wie ein denkendes, fühlendes Wesen behandelte, ja die ihn mehr und mehr faszinierte. Was dem Beobachter wie eine heftige Passion erschien, geriet in Wirklichkeit immer mehr zu einer Sucht, die er kaum noch zu kontrollieren in der Lage war. 

Der Fotograf hatte in seinem Leben bereits viele Momente und Motive auf Zelluloid gebannt, aber niemals zuvor auf die gleiche Art wie mit der Hasselblad. Mit ihr war die Arbeit auf bisher nicht erlebte Art intensiv, ja fast intim zu nennen und er entwickelte zunehmend eine Vorliebe dafür, Menschen mit und ohne ihr Wissen zu fotografieren, was durchaus einer bestimmten Form von Voyeurismus gleichkam. Er schalt sich einen Narren und konnte sich dennoch nicht des dunklen Gefühls erwehren, die Hasselblad habe auf eine unbegreifliche Art Macht über ihn und seine Motive!
Schleichend hatte sie sich tief in sein Bewusstsein gegraben, sich seiner Gedanken bemächtigt und beherrschte ihn schließlich völlig, ohne dass er sich seiner Abhängigkeit bewusst gewesen wäre. 
Je intensiver er sich der Hasselblad widmete, desto verblüffender waren die Abbildungen in ihrer Lebensechtheit und vitalen Präsenz. Und als wäre dies an sich nicht schon merkwürdig genug, erschien es ihm so, als verlören die abgelichteten Personen im Original in genau jenem Maße an Ausstrahlung, wie ihre Lichtbilder sie gewannen, so als entzöge die Hasselblad ihnen auf rätselhafte Weise mit jedem Foto ein Quantum Vitalität, um diese auf den Film zu bannen. All dies nahm er mit Schaudern wahr, schrieb es aber letztlich seinem überhitzten Gemüt und seiner fast unnatürlich heftig zu nennenden Passion zu. 

Seit einiger Zeit litt er zudem unter einem ständig wiederkehrenden Albtraum, in dem sich die Hasselblad während eines Fototermins mit einem weiblichen Modell in eine schlanke Frau mit roten Lippen, grünen Katzenaugen und langen schwarzen Haaren verwandelte, die ihn lächelnd ansah, bevor sie mit raubtierhaften Bewegungen und animalischem Fauchen das junge Modell ansprang und sich mit spitzen Zähnen in deren Hals verbiss. Mit scharfen Krallen zerriss sie die Halsschlagader ihres Opfers, sodass das Blut stoßweise im Takt des Herzschlages in einer roten Fontäne aus der Wunde spritzte. Gierig trank die furchtbare Hasselbladfrau das Blut ihres Opfers, das diesem Angriff hilflos ausgeliefert war. Bereits nach kurzer Zeit erlahmte die Gegenwehr des Mädchens, das, geschwächt durch den Blutverlust, nur grotesk mit den Armen ruderte, als wolle sie ein unsichtbares Orchester dirigieren. Doch auch diese Bewegungen wurden schwächer und schwächer, erlahmten schließlich völlig, während der rote Geysir aus ihrer Halsschlagader sich in einen schwach pulsierenden Schwall verwandelte, der schließlich auch versiegte.
Der leblose, schlaffe Körper entglitt dem festen Griff der Angreiferin und sank mit einem dumpfen Laut zu Boden. Dort lag das tote Modell halb auf dem Rücken in ihrem eigenen Blut und starrte ihn mit gebrochenen Augen an, während die Hasselbladfrau sich ihm blutbesudelt und mit grotesk verzerrter Fratze, die nichts Schönes mehr an sich hatte, zuwandte. Sie glitt lautlos auf ihn zu, und mit einem Augurenlächeln berührte sie ihn mit blutverschmierten Krallen am Kopf, um ein blutiges "H" auf seine Stirn zu zeichnen. 
An dieser Stelle seines furchtbaren Traums erwachte er regelmäßig schweißgebadet und mit dumpfen Kopfschmerzen, um erst nach einigen Sekunden verwirrt zu registrieren, dass er das alles nur geträumt hatte. 
Doch heute zwang ihn plötzlich aufsteigende Übelkeit aus dem Bett. Er eilte ins Bad und erbrach sich würgend in die Toilette. Er betätigte die Klospülung, als seine Magenkrämpfe nach einiger Zeit nachließen, und richtete sich langsam auf. Dabei fiel sein Blick wie zufällig auf den Toilettenspiegel an der Wand und er verharrte in seiner Bewegung. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sekundenlang in den Spiegel. Erneut überkam ihn Übelkeit. 

Auf seiner Stirn prangte, verschmiert aber deutlich erkennbar, ein blutiges "H"!

Die Ereignisse hatten den Fotografen in einen Zustand nervöser Gereiztheit versetzt, und die fast unerträgliche Sommerhitze der letzten Wochen tat das ihre dazu. Über der ganzen Stadt lagen seit Tagen schweißtreibende Hitzegrade, und selbst die Nächte brachten keine nennenswerte Abkühlung mehr. Seit jenem Morgen nach seinem Albtraum plagte ihn zudem die Angst, langsam aber sicher den Verstand zu verlieren. Die Hasselblad hatte er seither nicht mehr angerührt. 
Zu seiner Erleichterung ließen aber seine nächtlichen Albträume schon bald nach und verschwanden schließlich völlig. Was blieb, war eine nach und nach verblassende Erinnerung, und mit der Zeit fragte er sich ernsthaft, ob er das alles jemals wirklich erlebt oder ob ihm seine übersteigerte Fantasie nicht etwa einen Streich gespielt hatte. Die aufgestaute Schwüle der letzten Tage entlud sich endlich in einem gewaltigen Gewitter, das sich mit auffrischenden Winden und einer tiefschwarzen Front ankündigte. Das Vorspiel zu diesem Naturereignis bestand aus einer gewaltigen Böenwalze, die über die Stadt hinwegfegte und unter heftigem Gegrummel und fernem Donnergrollen des heranziehenden Gewitters die aufgestauten schwül-warmen Luftmassen über der Stadt fortblies. Nach dem Durchzug der Böenfront war die Luft plötzlich für atemlose Sekunden ohne Bewegung und es war, als verharre alles lautlos im Auge des Orkans. Dann war die Gewitterfront schwarz-dräuend heran: Unter heftigen Blitzen und Donnerschlägen prasselten in kürzester Zeit ungeheure Wassermassen auf die Stadt nieder und es dauerte nicht lang, da war zwischen den heftigen Donnerschlägen das Heulen der Sirenen von Ambulanzen und Rettungsfahrzeugen zu hören. 
Nach dem Abzug des Gewitters atmete die ganze Stadt auf und mit ihr der Fotograf, dabei alle Beklemmung der vergangenen Tage vergessend. 
Hätte er geahnt, dass die Choreografie des Unwetters dem Ablauf der bisherigen und künftigen Ereignisse in verblüffender Genauigkeit entsprach, er wäre nicht so sorglos gewesen! 


Alles schien gut. 
Der Mensch ist Weltmeister im Vergessen und Verdrängen unangenehmer Erinnerungen. So hatte unser Fotograf bald das Gefühl, als habe das Unwetter alle seine düsteren Gedanken fortgeblasen, und im heiteren Licht der Sommertage betrachtet, erschienen ihm seine Albträume nur noch wie Produkte seiner überreizten Fantasie, die sich ebenso wie die sommerliche Schwüle schließlich in einer heftigen Reaktion entladen hatte. 
So lebte er für kurze Zeit ohne Besorgnisse, was seiner Kreativität Flügel verlieh, und arbeitete oft täglich mit mehreren jungen Studentinnen, die für ein geringes Honorar vor seiner Hasselblad posierten. Am Abend zuvor hatte er eine Fotosession mit Viola, einer jungen Kunststudentin, absolviert und als er an diesem Morgen aus der Dunkelkammer trat, hielt er die frischen Abzüge der Fotos jener Session in den Händen. Er setzte sich an den Schreibtisch, zündete sich eine Zigarette an, inhalierte tief und breitete die Fotos vor sich aus. Die Fotos zeigten das Modell in verschiedenen Posen. Zufrieden mit dem Ergebnis inhalierte er erneut genussvoll und war im Begriff, sich entspannt zurückzulehnen, als er es sah: Auf einem der Fotos, es zeigte das Modell vor einem Spiegel, befand sich inmitten der Spiegelfläche eine Verunreinigung, ein unscharfer, an den Rändern verlaufener Fleck. Etwas war wohl beim Entwickeln schief gelaufen und hatte den Abzug verdorben. Er nahm das Foto in die Hand und betrachtete es genauer. Einen Moment lang saß er unbeweglich, während sich von seiner Zigarette der Rauch zur Decke kräuselte. Er fühlte, wie sich langsam seine Nackenhaare sträubten und ein Schauer durchlief seinen Körper. Das Grauen kam über ihn mit der Erkenntnis, w a s er auf dem Foto sah: 
Aus dem Spiegel im Hintergrund grinste ihm, schemenhaft und undeutlich, aber dennoch eindeutig erkennbar, das maskenhaft bleiche Gesicht der schwarzhaarigen Hasselbladfrau entgegen … 

Die Erscheinung auf dem Foto war höchst rätselhaft und beunruhigte ihn tief. Sofort nach seiner Entdeckung hatte er mit zitternden Händen mehrere Kontrollabzüge hergestellt, aber das Ergebnis war immer das Gleiche: Obwohl auf dem Negativ selbst mit einer Lupe nicht das Geringste erkennbar war, erschien auf jedem Abzug das geisterhafte Abbild jener unheimlichen Frau. 
Es war unheimlich und unerklärlich und er grübelte noch, was es zu bedeuten haben mochte, als ihn das Schrillen der Türglocke hochschrecken ließ. Hastig kramte er die Fotoabzüge vom Tisch und ging widerwillig zur Tür, um den Besucher einzulassen. Draußen stand Marie, ein angehendes Fotomodell, die Bewerbungsfotos für Modellagenturen bei ihm bestellt hatte. Er hatte diesen Fototermin völlig vergessen und konnte nun, obgleich er ihn jetzt am liebsten abgesagt hätte, nicht kneifen. Also arbeitete er für die nächsten 3 Stunden mit Marie in seinem kleinen Atelier und vergaß dabei fast die rätselhaften Ereignisse. Nachdem Marie sich verabschiedet hatte und mit ihrem gelben Cabrio davongebraust war, begab er sich sofort in seine Dunkelkammer, um die Filme und Fotos zu entwickeln. Danach schaltete mit heißem Kopf die Beleuchtung ein, um die Bilder im grellen Licht der nackten 100 Watt Birne, die von der Decke baumelte, zu betrachten. Mit zitternden Händen steckte er sich schließlich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich zurück und blies den Rauch mit einem Zischen der Erleichterung aus seiner Lunge: 
Auf keinem der Fotos war eine Anomalie zu sehen! 



Der nächste Tag begann nach einer traumlosen Nacht harmlos und friedlich. Geneigt, die rätselhaften Ereignisse aus seinen Gedanken zu verdrängen, schlurfte er mit wirrem Haar und im Morgenmantel gähnend zur Tür, um die Tageszeitung aus dem Briefkasten zu holen.
Mit einer Tasse schwarzen Kaffees und einer Zigarette setzte er sich an den Tisch und schlug die Zeitung auf, um wie jeden Morgen zunächst den Lokalteil zu lesen. Er hob die Tasse mit dem dampfenden Gebräu an die Lippen, als sein Blick auf den Artikel fiel, und verbrannte sich den Mund an dem heißen Getränk. Aber was er las, ließ ihn den Schmerz nicht spüren: 

"Kunststudentin tot aufgefunden" stand da in dicken Lettern.

Und:

„Die Kunststudentin Viola F. wurde heute tot in ihrem Appartement aufgefunden. Die junge Frau lag nackt in ihrer Badewanne und ist offenbar verblutet. Die Polizei ermittelt derzeit, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Ein Abschiedsbrief wurde nach Angaben der Polizei bisher nicht gefunden. Rätsel gibt der Polizei ferner der Umstand auf, dass jemand mit dem Blut der Toten ein großes "H …" auf die Badezimmerkacheln geschmiert hat."

Unfähig sich zu rühren, saß er für lange Minuten da und starrte mit brennenden Augen auf die Zeitung, während die Buchstaben vor seinen Augen zu tanzen begannen.
Als er hinter sich ein Geräusch hörte, das ihm wohlbekannt war, fuhr er mit einem Schrei herum und stieß dabei die Kaffeetasse vom Tisch. 
Da lag die Hasselblad noch, wo er sie gestern Abend abgelegt hatte und blinzelte mit dem starren Auge des auf ihn gerichteten Objektivs zu ihm herüber. Ungläubig starrte er zurück. Es war unmöglich, aber was er gehört hatte, waren das wohlbekannte Geräusch des Kameraverschlusses und das leise „Plop“ des Spiegels. Es gab keinen Zweifel: Die Hasselblad hatte soeben ein Foto von ihm gemacht! 



Beunruhigt durch das Geschehene wählte er mit bösen Vorahnungen und zitternden Fingern wiederholt Maries Nummer, aber es nahm niemand ab. So jagte er wenig später auf seiner Moto Guzzi durch die Stadt auf dem Weg zu ihrer Wohnung.
Kurz vor dem Ziel atmete er erleichtert auf, als ihm das gelbe Cabriolet mit der blonden Marie am Steuer entgegenkam. Er reduzierte seine Geschwindigkeit und wendete sein Motorrad. Erleichtert fuhr er auf der mehrspurigen Straße schließlich neben ihr. Marie saß aufrecht hinter dem Steuer und starrte mit abwesendem Blick geradeaus. Sie reagierte weder auf sein Hupen noch auf sein Winken. Mit Entsetzen sah er, dass die Verkehrsampel voraus Rot zeigte, was Marie aber nicht zu bemerken schien. Verzweifelt hupend versuchte er, sie zum Bremsen zu bewegen. Marie schien ihn schließlich zu hören und drehte zögernd ihren Kopf. Mit abwesendem Lächeln und leerem Blick sah sie ihn an und mit Schaudern nahm er wahr, dass sie mit unverminderter Geschwindigkeit weiter fuhr. Er schrie vor Verzweiflung, während das gelbe Cabrio wie in einer Zeitlupenaufnahme ungebremst unter den Anhänger eines Sattelschleppers raste, der von rechts kommend die Kreuzung passierte. Verzweifelt und wie in Trance musste er zusehen, wie Marie starb: 
Ihr Kopf wurde sauber vom Rumpf getrennt, während der Sattelschlepper mit riesigen Zwillingsreifen das Vorderteil ihres Wagens zermalmte. Mit kreischenden Bremsen rutschte das riesige Fahrzeug wie ein gestrandeter Wal weiter, knickte schließlich ein und kam erst weit hinter der Kreuzung mit qualmenden Reifen zum Stehen. 
Das, was der Koloss von dem gelben Cabriolet übrig gelassen hatte, war zur Seite geschleudert worden und lag nun inmitten zermalmter Fahrzeugteile und Glassplitter mit plärrender Hupe mitten auf der Kreuzung, während das Kühlwasser auslief und eine blutrote Fontäne im Takt des Herzschlags aus dem Torso auf dem Fahrersitz den gelben Lack des Autowracks bespritzte. 
Der Fotograf taumelte einige Schritte in Richtung des Unfallwracks, bevor seine Beine ihm den Dienst versagten und er schluchzend auf seine Knie fiel. Er kroch auf allen Vieren, während Tränen über seine Wangen liefen. Sein Verstand versuchte, das Chaos zu erfassen, und er starrte mit Grauen die Aufschrift auf der Plane des Sattelschleppers an. Sein Entsetzen brach sich in einem irren Lachen Bahn, als er die Worte las, die dort standen: 

"Spedition Hasselblad –

mit uns sind sie dem Himmel näher, als sie denken!"



Die Fähigkeit eines Menschen, seelische Verletzungen zu ertragen ist begrenzt, weshalb die menschliche Psyche zum Selbstschutz zur Verdrängung belastender Erinnerungen neigt. Der quälende Gedanke, Schuld an dem grausamen Tod der jungen Frauen zu tragen, blockierte diesen Schutzmechanismus bei unserem Fotografen, weshalb seine Seele Schaden nahm. Eine Fotokamera hatte er seither nicht mehr angerührt, sondern widmete seine ganze Zuneigung ausschließlich einer zierlichen, blondmähnigen jungen Frau mit sanften, braunen Augen, welche ihm seit einiger Zeit sehr zugetan war. Leonie bewohnte ganz in seiner Nähe eine kleine Wohnung und hatte es sich unglücklicherweise in den Kopf gesetzt, ihn von seiner Psychose zu heilen, indem sie ihn dazu bringen wollte, sie mit der Hasselblad zu fotografieren. Mit aller ihr zur Verfügung stehenden weiblichen Überredungskunst überwand sie seinen Widerstand und er gab ihrem Drängen schließlich nach. Von Stund an veränderte sich Leonie, wurde einsilbig und redete schließlich gar nicht mehr. Tag für Tag saß sie bewegungslos in ihrem Sessel am Fenster, den Blick starr nach draußen gerichtet. Der Fotograf aber hatte jeden Bezug zur Realität verloren. Sein Verstand weigerte sich schlichtweg, das Offensichtliche zu erkennen.
Im gleichen Maße, wie er zunehmend geistig und körperlich verwahrloste, kümmerte er sich rührend um Leonie. Täglich saß er bei ihr, kämmte ihr langes Blondhaar und hielt ihre Hand, während er stundenlang zu ihr redete, bis er vor Erschöpfung an ihrer Seite einschlief. Leonie aber saß weiter stets nur stumm und unbeweglich und zeigte keine Regung. So ging es über Monate, bis er schließlich eines Tages aus seiner Lethargie erwachte, sich mit tränenden Augen erhob und Leonie zärtlich über das Haar strich. Dann ging er wortlos ins Bad, wo er sorgfältig die Tür hinter sich verschloss. 



Einige Tage später fand man in der Wohnung in einem verstaubten Sessel die mumifizierte Leiche einer jungen Frau und im Bad den erhängten Leichnam des Fotografen.
Die Hasselblad aber wartete schon bald darauf im Schaufenster des Fotohändlers auf einen neuen Liebhaber. 


Finis


© TinSoldier