Montag, 10. Juni 2013

Bennett, Alan: Die Souveräne Leserin

Oder...
Wir lesen auch unglaublich souverän. 
Das "beweisen" die folgenden Beiträge von Parden und KaratekaDD, welche unter buchgesichter.de bereits schon mal veröffentlicht wurden. (Parden am 04.07.2009, KaratekaDD am 29.12.2010)

(Die Dame zuerst:)
"Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Fantasie freizusetzen..." 


 ...diesen Satz ruft die Queen empört aus, nachdem man ihre Lektüre, die sie auf dem Weg zur Parlamentseröffnung heimlich in der Kutsche las und zwischen den Polstern versteckte, versehentlich für eine Bombe hielt.
Dies ist nur einer von vielen ironisch-heiteren Höhepunkten in einer beißend-komischen Liebeserklärung an das Lesen.
Alan Bennett hat sich "Die souveräne Leserin" ausgedacht und beglückt die Leser mit einer Hommage an das Buch.




 

Die englische Königin, wie wir sie alle zu kennen glauben:
Diszipliniert, freundlich und gewandt im SmallTalk über alle unverfänglichen Themen dieser Erde, versagt sie sich persönliche Vorlieben und Hobbies, um niemanden auszuschließen.
Eines Nachmittags folgt sie ihren verwöhnten Hunden in einen bislang nur sehr selten besuchten Teil ihres Schlosses und entdeckt einen altersschwachen Bus, der als mobile Bibliothek ihre Bediensteten mit Lektüre versorgt. Mit der ihr zur zweiten Haut gewordenen Höflichkeit verlässt sie diesen Bus erst wieder, nachdem sie sich ein Buch ausgesucht hat. Dabei berät sie ein Küchenjunge, der sich bestens in der Literatur auskennt. Als die Queen eine Woche später das Buch zurückbringt, ist auch Norman wieder da und empfiehlt ihr weitere Lektüre. 


Elizabeth lässt sich auf das Abenteuer ein und findet Gefallen an den Texten, die Norman für sie aussucht und wird zu einer eifrigen und kritischen Leserin.

Doch das bringt für den in Konventionen erstarrten Hof Komplikationen mit sich. Nicht nur, dass die Queen plötzlich nur noch mit einem Auge repräsentiert (das andere benötigt sie für ihre Lektüre) und sich nachlässiger kleidet. Sie verwickelt nun auch alle Gesprächspartner in manchmal arg peinliche Gespräche über die Literatur. Diese Veränderungen lassen den Hofstaat sogar glauben, die Queen zeige Anzeichen einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung...


"Die souveräne Leserin", erschienen in der wunderschönen "Salto"-Reihe des Wagenbach Verlages, ist eine echte Leseperle.
Hier kommen Literaturliebhaber in den Genuss einer heiter-spritzigen Betrachtung über die Sprengkraft der Literatur und in ein Kabinettstückchen typisch englischen Humors.
Ein Volltreffer! 


© Parden


Im Parlament mal was vorlesen...


oh, schlecht lesbar, verzeiht!
"Eine der wiederkehrenden Pflichten der Queen war die Eröffnung des Parlaments, und bisher hatte sie diese aufgabe nie besonders lästig gefunden, sondern sogar genossen: An einem klaren Herbstmorgen die Mall entlang kutschiert zu werden war auch nach fünfzig Jahren eine Freude. Nun nicht mehr. Ihr graute vor den zwei Stunden, die das Procedere in Anspruch nahm, auch wenn sie glücklicherweise in der Karosse fuhren... und sie ihr Buch mitnehmen konnte..."
 

Zumindest wird sie die Haltestelle nicht verpassen. 

Schaut mal auf das Bild, die beiden sitzen genauso da, als wenn Majestät in der Kutsche nur gelesen hatte und der Herzog sauer war, weil ihm der Arm vom Winken weh tat. Ist ja nicht mehr der Jüngste.
Die einzige Gelegenheit, bei der ihre Majestät England, Schottland, Nordirland und dem Commonwealth, ach was, der ganzen Welt, was vorlesen kann. Aber der Text...


Wann habe ich das letzte Mal ein Buch in einem Rutsch gelesen? Gestern oder heute? Ich glaub es war gestern und heute. Ging nicht anders, aber bei 115 Seiten auch kein riesiger Akt. Und gelacht hab ich.


Allerdings stand in und zwischen den Zeilen auch etwas, was mich nachdenklich machte: Nämlich, dass dauerndes Lesen nachlässig macht gegenüber anderen Dingen, auch den eigenen Pflichten. Oder Freunden. Ja, glaubts, den KaratekaDD liest einfach zu viel. Man könnte ja auch mal telefonieren mit Hinz und Kunz, na ja, und mit D..., zum Beispiel.


Man ist ja kein Monarch, der zum Beispiel nicht staubsaugen muss. In England wäre das noch schwieriger, denn dort lesen überhaupt nur zwei Menschen: Die Queen und ihr beförderter Küchenjunge. Steht in dem schmalen Bändchen.

Dummerweise kennt der "belesene" KaratekaDD nicht einen einzigen der im Buch genannten Schriftsteller. Äh, doch, Swift. Wegen Gulliver. Aber sonst keinen. Jetzt kennt er zwar Alan Bennett, aber der wird in dem Buch gar nicht genannt, der steht auf dem Deckel.
Heist das jetzt, er muss was nachholen? Sonst kann er sich ja gar nicht mit Elisa unterhalten, wenn er sie mal trifft, oder sie ihn. Und er gibt doch so gerne an...


Man klicke mal auf das Bild. Der Blogger da hat auch einen schönen Text geschrieben.

DNB / Verlag Klaus Wagenbach, Berlin / 10. Auflage 2008 / ISBN: 978-3-8031-1254-5 / 115. Seiten

© KaratekaDD

Kommentare:

  1. War eine meiner ersten, sprich ungeübteren Rezensionen. Heute sähe die wohl anders aus... :)

    Aber eine nette Zusammenstellung ist das hier geworden...

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    1. Vielleicht können wir uns ja so gegenseitig ein wenig anstacheln.

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