Donnerstag, 31. Juli 2014

BlogPost Nr. 20: Zusammenfassung der Beiträge im Juli 2014


Auch im Juli haben wir wieder so einige Zeilen zusammengeschrieben - wie immer ein bunter Mix...

Es war mal wieder ein DRESDEN - Beitrag fällig. Da bot sich doch die biografische Erzählung DIE STEINERENE GLOCKE von Otto WALCHA über den Erbauer der Dresdner Frauenkirche, den Ratszimmermeister George Bähr an, die KaratekaDD vor Monaten bereits erworben hat, weil er am sogenannten Frauenkirchen-Shop nie vorbeigehen kann.

Der Autor bewies im Jahre 1955 eine große Weitsicht, denn genau 50 Jahre später prägte die Steinerne Glocke wieder den Dresdner Neumarkt.



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Gegen das Vergessen ist eines der Labels unseres Blogs. Passend hierzu las zuerst die Anne das Buch HANAS KOFFER von Karen Levine, das als besondere Wanderbuchauktion quer durch Deutschland unterwegs ist. Losgeschickt hat es der Arndt Stroscher von AstroLibrium, der sich das Motto Gegen das Vergessen zu seiner Herzensangelegenheit gemacht hat...

Kindgerecht geschrieben, oft fast sachlich - und doch berührend. Ein Buch, das ein ungelebtes Leben ehrt und aus der Vergessenheit holt.


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SPIEGELWELTEN heißt die neueste Episode aus der Reihe der Kindergeschichten von Anne.
Kinder haben einfach ihre ganz eigene Logik...



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Wer einen Blog betreibt, probiert immer auch mal wieder etwas Neues aus. Da Uwe und Anne LÖWENZAHN & HIMMELSCHLÜSSEL beide im Rahmen einer Leserunde lesen durften, haben wir überlegt, dass wir die Buchbesprechung dann ja auch gemeinsam gestalten könnten. Es hat großen Spaß gemacht, und wir sind gespannt, was das Autorenduo Christina Hollinde und Gerd Schilddorfer dazu sagen werden...

Das Potenzial zu einer gelungenen Reihe um das Gut Piepdieck ist jedenfalls erkennbar, auch wenn die Frage des Humors stets eine individuelle ist...


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Sumpfige Ansichten werden von KaratekaDD präsentiert. Fotos aus Neustrelitz. An einem Sonntagmorgen. Mit Licht und Schatten und Farben. viel Spaß beim Anschauen.

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Ein kulturelles Erlebnis der besonderen Art hat KaratekaDD sodann noch anzubieten, denn er besuchte auf dem Weißen Hirsch in Dresden, auf dem Konzertplatz hinter dem Parkhotel an der Heide ein Programm des sogenannten Zwingertrios: DIE RETTER DER TAFELRUNDE. Sehr schöner Abend mit kabbarettistischen Einlagen, Musik und viel Klamauk.



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Bei KaratekaDD kommt es manchmal vor, dass ihn ein Film oder ein anderer Beitrag im Fernsehen inspiriert, einen neuen Blogartikel zu verfassen. So geschehen, nachdem er den hochkarätig besetzten Polanski-Film DER GOTT DES GEMETZELS gesehen hat. Der basiert auf einem Bühnenstück der französischen Autorin Yasmina REZA. Über ein weiteres Bühnenstück namens KUNST hatte ich schon mal bei den Buchgesichtern geschrieben. Hier war nun die Gelegenheit für eine Zusammenfassung.


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Am 24. Juli 2014 kommt KaratekaDD endlich einer langen Verpflichtung nach und rezensiert  DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN von John OKUTE SICA. Das hat er vor Monaten als Rezensionsexemplar vom Palisanderverlag erhalten. Ein indianischer Schriftsteller schreibt über ein Volk. In diesem Buch sind viele Dinge enthalten, die Liselotte Welskopf-Henrich in ihrer Pentalogie DAS BLUT DES ADLERS verarbeitet hat. 


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Dieses Büchlein besticht durch seine Aufmachung - ein Schmuckstück im Regal. Ob der Inhalt von JOSEPH & CLARA. EINE LIEBESGESCHICHTE von Régis de sá Moreira genauso überzeugen konnte? Leider nicht.
Die kompromisslose Konsequenz, in die 'el camino del amor' - 'der Weg der Liebe' - schließlich führt, erscheint aus den Figuren heraus logisch, für mich jedoch traurig und verstörend - so das Fazit von Anne...





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Als der Autor selbst anfragte, ob sie nicht Lust hätte, das Buch in einer Leserunde mitzulesen, zögerte Anne zunächst. Erotische Literatur ist kein typisches Genre, was sie häufig liest. Aber die Neugierde siegte. LUST & LIEBE, DANN KAM DAS LEBEN von Peter Nimsch zog schließlich bei ihr ein.
Es dauerte etwas, bis das Buch gelesen war, da zwischendurch immer mal Pausen angesagt waren. Doch schließlich war es geschafft, und das letzte Drittel konnte sie für das Buch einnehmen. Die Lektüre war ein wenig ein Wechselbad der Gefühle. Aber in jedem Fall mal etwas Anderes!


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Auch Klassiker können begeistern. Heinirch Heine mit seinem Werk DEUTSCHLAND. EIN WINTERMÄRCHEN zeigt eindrucksvoll, dass selbst ein Versepos heute noch Spaß machen kann zu lesen...

Für Anne gab es jedenfalls die Erkenntnis, dass Klassiker womöglich nicht umsonst Klassiker geworden sind...



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Die tödliche Distanz reicht viel weiter als die Entfernung von der nördlichsten Spitze des Reserve Naturelle de I´le du Rohrschollen bis zur Passarelle Mimram. Das sind nämlich rund 1700 m, die der Attentäter zu überwinden hat um die amerikanische Präsidentin umzubringen. Ob die Kriminalkommissarin Linda Pieroth das mit ihren Freunden verhindern kann, erzählt Jochen Frech im eBook - Mehrteiler TÖDLICHE DISTANZ



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Unsere NEUERWERBUNGEN IM JULI präsentiert die BlogPost Nr. 19. Anne hat wieder ordentlich zugeschlagen, Uwe sorgte gemäßigt wie immer für Nachschub - und Rudi hat es gar geschafft, einen Monat lang kein einziges Buch zu kaufen. So klappt es dann auch mit dem SuB-Abbau!







Vielleicht ist ja was für euch dabei!

Anne & Uwe & Rudolf

Mittwoch, 30. Juli 2014

BlogPost Nr 19: Neuerwerbungen im Juli 2014




Der Juli ist fast vorbei und es ist an der Zeit, mal wieder unsere Neuerwerbungen vorzustellen.

KaratkaDD hat bisher drei Bücher erworben. Das erste war die e-Book
Fortsetzungsreihe TÖDLICHE DISTANZ von Jochen FRECH. In sieben Teilen geht es spannend um ein Attenat auf die neu gewählte US-Präsidentin, welches ausgerechnet an der Europabrücke über den Rhein bei Kehl  stattfinden soll.
Eine Rezension hab ich schon mal ► hier veröffentlicht.

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Letzte Woche habe ich mal wieder das Antiquariat aufgesucht. Zwei Bücher fielen mir dabei in die Hand: Das erste ist DIALOG MIT MEINEM URENKEL, ein Buch des Wirtschaftswissenschaftlers Jürgen KUCZYNSKI, welches in den frühen achtziger Jahren als sehr offenes uns kritisches Buch in der DDR erschien. Es ist noch nicht raus, ob ich das nun auch rezensieren werde, hier aber erst mal der Link zum ► Autoren. Gewisse Dinge muss man halt vervollständigen, wenn sie im Bücherregal fehlen. In diesem Fall seltsamerweise.

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Sehr gefreut habe ich mich über eine Ausgabe von George CATLINS DIE INDIANER NORDAMERIKAS. Von ► Catlin war in den Beiträgen über ►Liselotte Welskopf-Henrich und ihre Roman DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN und DAS BLUT DES ADLERS schon mehrfach die Rede. Er hat unzählige Bilder gemalt und damit den Ureinwohnern Nordamerikas zu einer gewissen Unsterblichkeit verholfen, wenn ich das mal so sagen darf.

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 Es kam doch noch ein Buch dazu. Warum da AstroLibrium draufsteht auf dem Bild? Weil ich die Empfehlung durt gefunden habe. Ein Comic, neudeutsch Graphic Novel, über die sogenannten Birthright - Reisen jugendlicher Juden aus aller Herren Länder, die eingeladen werden, Israel zu besuchen. Davon hatte ich auch schon mal gehört. Der erste Eindruck ist nicht schlecht, erinnerungen an die eigene Studienreise im Jahr 2009 werden wach. Sarah GLIDDEN hat ihre Erfahrungen aufgezeichent und aufgeschrieben. Daraus entstand dieses Buch:
ISRAEL VERSTEHEN IN 60 TAGEN ODER WENIGER.



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Anne Parden  

Natürlich vergeht auch bei mir kein Monat ohne Neuerwerbungen. Diesmal konnte ich bei Rebuy nicht widerstehen, da sie einige meiner Wunschtitel zu einem erschwinglichen Preis auf Lager hatten...



ANIMA MUNDI von Susanna Tamaro
Einer chinesischen Tradition zufolge ist das menschliche Leben in drei Phasen gegliedert. Feuer, Erde, Wind: die Zeit des Wachsens, die Zeit der Verführbarkeit durch äußeren Schein und die Zeit der vertieften Einsicht ins eigene Selbst und das Wesen der Dinge. Die Geschichte einer schwierigen Kindheit, einer Freundschaft und der Suche nach innerem Einklang mit der Welt.
  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 6., Aufl. (Mai 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257231202
  • ISBN-13: 978-3257231205
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LUISITO von Susanna Tamaro
Die pensionierte Lehrerin Anselma findet an einem Sommerabend einen ausgesetzten Papagei neben ihrer Mülltonne. Sie trägt ihn in ihre Wohnung und tauft ihn spontan »Luisito«. Das Tier ist eine willkommene Abwechslung in Anselmas Alltag, und seine Vitalität und Fröhlichkeit färben schon bald auf sie ab. Außerdem weckt der Vogel Erinnerungen in ihr – vor allem an ihre Schulfreundin Luisita, deren Neugier, aber auch mutige Unangepasstheit sie stets bewunderte. Anselma erkennt, dass sie in den letzten Jahren mehr »funktioniert« als gelebt hat; sie beschließt, einen Neuanfang zu wagen. Ein berührendes Märchen über das, was wirklich zählt: Die Wahrhaftigkeit der Gefühle, die Kraft der Poesie und die Suche nach einem erfüllten Leben.
  • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag (10. November 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570010503
  • ISBN-13: 978-3570010501
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TOBIAS UND DER ENGEL von Susanna Tamaro
Bei Martina daheim gibt es ständig Ärger - es krachen die Türen, und zwischen den Eltern fliegen die Fetzen. Bis es Martina zu bunt wird: Sie haut von zu Hause ab, macht sich auf den Weg und findet - ähnlich wie Tobias - ihren Schutzengel.
  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag, Zürich; Auflage: 3., Aufl. (Oktober 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257062540
  • ISBN-13: 978-3257062540
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EMMA von Maria Barbal
Emma lebt in Barcelona. Sie hat einen Mann, eine Tochter, einen Job. Ein sorgloses Leben in geregelten Verhältnissen. Doch eines Tages bricht Emma aus. Lässt alle Angepasstheit, alle Enttäuschungen und Routine hinter sich und wagt einen radikalen Neuanfang — auf der Straße. Und neben aller Demütigung und Armut findet sie dort wieder, was sie verloren glaubte: Liebe, Würde und das zarte Gefühl des Glücks.

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DIE ZEHNTE GABE von Jane Johnson
Ein geheimnisvoller Text, eine rätselhafte Entführung, eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Von der Gegenwart ins Cornwall und Marokko des 17. Jahrhunderts: der Roman zweier mutiger Frauen, deren Schicksale sich über die Jahrhunderte hinweg berühren.
  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Page & Turner; Auflage: 1.Auflage (18. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442203252
  • ISBN-13: 978-3442203253

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DAS GRÖSSERE WUNDER von Thomas Glavinic
Jonas ist Tourist in einer Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während des qualvollen Aufstiegs hängt er seinen Erinnerungen nach. An seine wilde Kindheit, an das grausame Schicksal seines Bruders Mike, an seine endlosen Reisen nach Havanna, Tokio, Jerusalem und Oslo. Und schließlich an die magische Begegnung mit Marie, seiner großen Liebe, die sein ganzes Leben verändert. Thomas Glavinics neuer Roman ist eine Expedition ins Ungewisse – ein unvergleichliches Buch, packend und verstörend zugleich, von einer leidenschaftlichen Energie und enormen Suggestivkraft. Und ein Buch der Liebe.
  • Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 10 (26. August 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446243321
  • ISBN-13: 978-3446243323

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LIEBESLEBEN von Alice Munro
Das neue Buch der Nobelpreisträgerin Alice Munro!

Niemand erzählt eindringlicher davon, wie es wäre, ein neues Leben zu beginnen, als die große kanadische Autorin Alice Munro.
»Dir diesen Brief schreiben ist wie einen Zettel in eine Flasche stecken und hoffen, er wird Japan erreichen«, schreibt Greta in der ersten Erzählung und schickt diese Zeilen an Harris, den Zeitungsreporter, der sie nach einer Party fast geküsst hätte. Aber eben nur fast.
Auf wenigen Seiten kondensiert Alice Munro die geheimen Träume ihrer Figuren. Vierzehn neue brillante Erzählungen, die mit einem furiosen Finale enden: vier Geschichten, in denen sie so persönlich wie nie (»die ersten und die letzten Dinge, die ich über mein Leben zu sagen habe«) von sich selbst erzählt.
  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: S. FISCHER; Auflage: 4 (3. Dezember 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100488326
  • ISBN-13: 978-3100488329

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 Und weiter geht´s - schließlich muss sich ja auch das Porto lohnen bei Buchbestellungen... ;)

SINFONIE DES HIMMELS von Chris Fabry
Nach den Maßstäben dieser Welt scheint Billy Allman nicht gerade auf der Gewinnerseite des Lebens zu stehen. Sein Traum von einer Musikkarriere ist gescheitert. Und sein Radiosender erreicht nur ein kleines Publikum. Doch nach göttlichen Maßstäben entfaltet sich ein ganz anderes Bild. Es ist der Engel Malachi, vor dessen Augen Billys Leben überfließt von Mut, Würde, Liebe und dem Wunsch, Gott in allen Belangen zu vertrauen. Ein poetischer Roman, der zeigt, wie die schönen und schmerzhaften Momente zur großen Sinfonie unseres Lebens werden. Und eine Erinnerung daran, wie behutsam Gott mit zerbrochenen Herzen umgeht.
  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Gerth Medien; Auflage: 1., Aufl. (3. Januar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865917488
  • ISBN-13: 978-3865917485

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ICH UND DIE MENSCHEN von Matt Haig
In einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?
  • Broschiert: 352 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. April 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423260149
  • ISBN-13: 978-3423260145

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DIE BIBLIOTHEK BEI NACHT von Alberto Manguel
Alberto Manguel, dessen »Eine Geschichte des Lesens« ein internationaler Bestseller wurde, erzählt in seinem neuen Buch von seiner eigenen Bibliothek. Aber jedes Buch, das er in die Hand nimmt, entführt ihn in eine andere Bibliothek und so weitet sich sein Buch zu einer Geschichte der Bibliotheken – zwischen Alexandria und Babel liegt die Bibliothek Aby Warburgs, deren Anordnung den Atlas seiner Gedanken wiederspiegeln sollte, die geheime Bibliothek aus zerlesenen Bänden, die heimlich in einer KZ-Baracke kursierten, die Bibliothek der zensierten, offiziellen, verbotenen, vergessenen Bücher.
  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (9. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359615944X
  • ISBN-13: 978-3596159444

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DIE TAGEBÜCHER VON ADAM UND EVA von Mark Twain
Liebe auf den ersten Blick war es weiß Gott nicht - so lässt sich der Beginn der Romanze zwischen Adam und Eva beschreiben, wenn wir uns nicht auf die Genesis, sondern auf die Tagebücher berufen, die Mark Twain (1835-1910) seinen biblischen Protagonisten in die Federn diktierte. Mit ebenso humor- wie liebevoller Nachsicht verhandelt der weltberühmte amerikanische Autor hier die keineswegs paradiesischen Unzulänglichkeiten der Geschlechter am Beispiel des ersten Traumpaars der Geschichte. Dass die beiden schließlich doch noch zueinanderfinden, ist ein seltenes Glück für die Menschheit - und für den Leser!


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Eingelöst für Punkte bei 'Was liest du?' habe ich das folgende Buch:
DIE ACHSE MEINER WELT von Dani Atkins
Rachel ist jung, beliebt, verliebt und wird in wenigen Wochen ihr Traumstudium beginnen. Perfekt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der ihr alles nimmt. Sie verliert den besten Freund, ihre Zuversicht und die Balance. Jahre später wird ihre Welt zum zweiten Mal auf den Kopf gestellt. Denn als sie nach einem schweren Sturz im Krankenhaus erwacht, ist ihr Leben plötzlich so, wie sie es sich immer erhofft hat. Die damalige Tragödie hat es anscheinend nie gegeben. Ihr bester Freund lebt und ist an ihrer Seite. Wie kann das sein? Und wie fühlt sich Rachel in ihrem neuen Leben – mit dem Wissen über all das, was zuvor geschah? Lassen Sie sich von einer Liebesgeschichte verwirren, die mit nichts vergleichbar ist.
  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. August 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426515393
  • ISBN-13: 978-3426515396

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TinSoldier

Der Rudi hat im Juli tatsächlich keinen Bücherzuwachs zu vermelden. So kann der Abbau der Stapel ungelesener Bücher natürlich viel besser voranschreiten...

Dienstag, 29. Juli 2014

Frech, Jochen: Tödliche Distanz...

Quelle: Verlag

... oder Sieben Episoden bis zum Attentat


Es gibt doch immer wieder erstaunliche Versuche auf dem Buchmarkt. Zum Beispiel beim E-Book. Ein Jochen FRECH hat da gleich einen Mehrteiler angeboten. Wenn der geneigte Leser aber denkt, es handele sich hier um eine Reihe mit Bänden von mehreren 100 Seiten, dann hat sich der Leser oder die Leserin sich geirrt.

Die Episode 1 gab es schon mal gratis. TÖDLICHE DISTANZ – DIE VERSCHWÖRUNG. Teil 1 der E-Book-Reihe. Einhundert63 Seiten.

Wir lernen eine Gruppe von Milliardären kennen, welche sich „Wahre Freunde von Amerika“ nennen. Und einen Elitesoldaten des britischen Special Air Service (SAS) auf einem illegalen Kampfeinsatz in Kuwait / Irak im Jahre 1991.
Erstere versuchen, das PHANTOM, den meistgesuchten Profikiller der Welt zu erreichen und mit einem Auftrag zu versehen. Es geht gegen die neugewählte Präsidentin der Vereinigten Staaten.
Und dann ist da noch Linda Pieroth, eine Kriminaloberkommissarin, die immer tiefer in den sich entwickelnden Schlamassel reintauchen muss. Wobei sie von ihrem Freund Max unterstützt wird.

Zur ersten Episode lässt sich noch sagen, dass der Autor, eine ehemaliger SEK – Beamter, der heute in der Einsatzplanung einer Polizeidirektion beschäftigt ist, auch folgendes Buch gelesen haben muss, nämlich BRAVO TWO ZERO von ►Andy McNab, (► Film) welcher einen ähnlichen Einsatz im Golfkrieg I erlebte und ebenfalls in Gefangenschaft geriet.

Auf jeden Fall ist die erste Episode schon mal so spannend, dass ich mich gezwungen fühlte, Episode 2 und 3 für jeweils 2,99 € in der Onlinebuchhandlung, die ich meist benutze, zu erwerben und auf meinen Reader herunter zu laden. Also, sechs mal 2,99 sind fast 18 €uronen, für ein E-Book ist das ganz schön fett, finde ich, aber die Geschäftsidee scheint zu klappen. Zumindest bei mir.

Was nun brachte Episode 2? Die brachte was sie im Titel versprach, einen KOLLATERALSCHADEN. Das heißt bekanntlich, es müssen ein paar Leute über die Klinge springen. Vor allem deshalb, weil der Killer namens Virgil DURANT (nein, der ist nicht mit Andreas FRANZ´  Julia liiert) für einen Distanzschuss ein besonderes Waffensystem bracht, mit dem er mindestens 2000m weit genauestens schießen kann. Mit einer irrsinnigen Munition übrigens, die zufällig der bereits genannten, zurzeit suspendierten Polizistin währen eines Arbeitseinsatzes auf einem Sportschießstand (!) auffällt. Episode 2 hat übrigens 140 Seiten, falls diese Information jemanden interessiert.

Auch Episode 3 hat es in sich. Allerdings fängt der Profikiller an, Fehler zu machen. Dies ist ungewöhnlich, denn bisher ist er wie gesagt ein Phantom. Seine Fährte, DIE FÄHRTE DES WOLFS nimmt Linda Pieroth auf.
In Episode 4 geht es um eine GEFÄHRLICHE BEDROHUNG, denn die „Wahren Freunde Amerikas“ haben sich wohl gehörig überschätzt. Inzwischen spielt auch der israelische MOSSAD mit. Und der Killer weiß plötzlich, dass ihm da eine deutsche Polizistin immer mehr auf die Pelle rückt.
DIE GEHEIME ALLIANZ, so heißt Episode 5. Die Geschichte wird blutiger, Killer und Verfolger rücken sich näher. Ständig droht ein „blutiges Schachmatt“…

Morpho peleides (wikipedia)
Virgil Durant hat ein Beweisstück liegen lassen bzw. verloren. Es ist DER BLAUE SCHMETTERLING. So hat der Autor die sechste Episode benannt. Der exotische Falter weist auf französisch – Guayana hin. Das ermittelt KOK´in Linda Pieroth, immer noch suspendiert auf eigene Faust in der Schweiz. Dort hat sie auch herausbekommen, was für ein Waffensystem zum Munitionsfund gehört.
Ein G20 Gipfel steht bevor. KEHL ist der Schauplatz und die Brücke über den Rhein. Wie weit kann man einen solchen exponierten Platz schützen gegen einen Schützen, der 2500 m überbrücken will? Doch Lisa muss weiter auf eigene Faust handeln.

Quelle: Internet
Zwangläufig heiß Episode 7 DAS ATTENTAT. Wieviele Fehler macht Virgil Durant alias Liam noch? Kann Linda Pieroth, unterstützt vom Computergenie Max, dessen Kommunikationsexperten Thierry und dem israelischen „Schläfer“ Aaron Roth den Attentäter stoppen? Ist Kehl und die ► Passerelle Mimram die letzte Station?



Quelle: wikipedia


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Interessant: Zu Beginn jeder Episode wird vor einem CIA – Untersuchungsausschuss, welcher in Straßburg (?) tagt, eine Person zum Hergang des Attentats befragt. Vierundzwanzig Monate nach dem Attentat ist Linda Pieroth geladen. Man bewundert sie, denn ohne sie wäre die weltweit (?) beliebte Jillian „Kiki“ Blair nur noch eine tote Expräsidentin der USA gewesen.
Dadurch verrät der Autor durchaus immer ein Stück der Handlung im Voraus, aber dies tut der Spannung keinen Abbruch, eher ist das Gegenteil der Fall.

Zwei Dinge haben mir nicht gefallen: Der Attentäter, in dem man schnell den britischen SAS – Mann vom Anfang erkennt, macht zu viele Fehler. Außerdem hat er einen psychischen Knacks. Er steigert sich viel zu sehr in diesen seinen letzten (?) Auftrag hinein, dies hat er vorher noch nie gemacht. Allerdings haben die Gefangenschaft und die Folterungen im Irak wohl doch Spuren hinterlassen. Vermutlich war aber genau dies die Absicht des Autors, der Showdown betrifft auch das Leben des Attentäters selbst.

Jochen Frech hat auch in einer anderen Hinsicht etwas über die Strenge geschlagen. Die Suspendierung der Kriminaloberkommissarin Pieroth beruht auf ihrem Schusswaffeneinsatz „gegen“ eine Schreckschusspistole zu Beginn des Romans, die sie nicht als solche erkannte. Jeder Polizist weiß, dass dies nahezu unmöglich ist und daher ist auch die staatsanwaltschaftliche Überprüfung in den seltensten Fällen so langwierig. Die Unterstützung der eigenen Kollegen ist im Roman unter aller Kanone und auch dies kann ich mir in dem hier geschilderten Extrem nicht so richtig vorstellen.

Was hat mir gefallen? Spannend war´s, kurzweilig, ein Techno-Thriller könnte man sagen. Viel Technik, Waffentechnik, Kommunikationstechnik, Ballistik und und und…
Linda Pieroth zieht am Ende die Uniform aus und gibt Dienstwaffe und Dienstmarke ab. Aha, keine Fortsetzung. Vermutlich jedenfalls.
Es hat sich aber voll gelohnt.

Zum Schluss versuchen wir das Szenarium mal nachzuvollziehen: Das Attentat am Rhein:

Quelle: Internet + Googlemap (bearbeitet)


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Quelle - Verlag
Jochen Frech
Jochen Frech, geboren 1967, war fünf Jahre lang Angehöriger eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei und stand mit internationalen Anti-Terror-Spezialisten, Soldaten des britischen Special Air Service und Angehörigen des israelischen Geheimdienstes Mossad in Kontakt. Nach einem anschließenden Studium an der Polizeihochschule war er als Fachlehrer und Leiter der Sportbildungsstätte der Polizei des Landes Baden-Württemberg tätig; heute arbeitet er in der Führungsgruppe einer Bereitschaftspolizeidirektion und widmet sich, wann immer es ihm sein Dienst erlaubt, dem Schreiben von Kriminalromanen und Thrillern.
Aha, daher die Detailkenntnis in manchen Dingen…

So äußert sich die Verlegerin Beate Kuckerts über Jochen Frech: ► hier 

Eine Leserunde ist bei ► Lovelybooks angekündigt.

Hier gibt es eine ► Webseite nur für dieses Buch. Dort findet die interessierte Leserin / der interessierte Leser auch eine Interview-Video mit Jochen Frech und einen Buchtrailer.

dot books / München 2014 / ISBN: 978-3-95520-056-5 / 995 Seiten (Gesamt) / DNB

© KaratekaDD



Sonntag, 27. Juli 2014

Heine, Heinrich: Deutschland. Ein Wintermärchen


Heine war davon überzeugt, daß er mit seinem "Werkchen" Deutschland. Ein Wintermärchen etwas verfaßt hatte, das "mehr Furore machen wird, als die populärste Broschüre, und das dennoch den bleibenden Wert einer klassischen Dichtung haben wird". Recht hatte er. Mit seinem Versepos sollte er zwar in kürzester Zeit die gesamte empörte Presse gegen sich haben, aber auch heute noch ist es aus unseren Bücherschränken nicht wegzudenken.
Was hier zunächst als genauer Reisebericht über eine Reise daherkommt, die Heine im Jahre 1843 von Paris über Aachen und Köln nach Hamburg führte, entpuppt sich auf den zweiten Blick als eine bissige politische Satire. Heine prangert u.a. die politische Rückständigkeit an, die das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutschland kennzeichnete; die drastischen Zensurpraktiken, mit denen die freie Meinungsäußerung verhindert wurde; sowie die Willkür des Polizeistaats Preußen unter der Herrschaft von Friedrich Wilhelm IV.
Es verwunderte niemanden, daß Heines Werk sofort nach dem Erscheinen verboten wurde. Was ihm als besonders negativ vorgeworfen wurde, war nicht nur der brisante Inhalt, sondern vielmehr die Verbindung von Form und Inhalt. Der Dichter hatte hier nämlich eine Variation der Vagantenstrophe verwendet, durch die die Strophen eine besondere Leichtigkeit erhielten und die zusammen mit der saloppen Sprache den Kritikern und Bewahrern der politischen Zustände geradezu wie schallendes Hohngelächter anmuteten.


  • Taschenbuch
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (1000)
  • ASIN: B00HLR1OJG






Reisebilder und kritische Dichtung...




Auszug aus dem Werk Heines


Da ich Heinrich Heines Klassiker "Deutschland. Ein Wintermärchen" noch gar nicht kannte, aber bereits in Erfahrung gebracht hatte, dass es zum Verständnis des Werkes gut wäre, über bestimmte historische, politische, religiöse, mythologische und literarische Kenntnisse der damaligen Zeit zu verfügen, beschloss ich, mir nicht nur den Text als solchen zu besorgen, sondern gleich ein Buch, in dem auch Erläuterungen und Kommentare dazu abgedruckt sind.
Ich entschied mich letztlich für das Werk aus der Reihe "Suhrkamp BasisBibliothek".

Nach der Lektüre des Buches nun die Frage: wie kann man es bewerten? Wonach sich dabei richten?
Bei den Kommentaren war mir wichtig, dass sie leicht verständlich, strukturiert und informativ gleichzeitig waren. Dabei nicht zu lang, also nicht ermüdend. Mir hat das in diesem Buch wirklich gut gefallen. Kurz und prägnant waren die Erläuterungen sowie äußerst hilfreich, um das Werk Heines in einen angemessenen Gesamtrahmen einordnen zu können.

Wie aber kann man nun einen "Klassiker" bewerten? Die Form - es handelt sich bei dem Werk um ein Versepos - ist sicher nicht mehr zeitgemäß, genauso wenig die Sprache. Erstmals erschien "Deutschland. Ein Wintermärchen" im Jahr 1844.
Doch obwohl das Versepos für mich teilweise anstrengend zu lesen war, gerade auch durch die unterbrechenden Texterläuterungen, ohne die ein Verständnis jedoch erschwert oder sogar unmöglich wäre, fand ich es sehr beeindruckend. Mit dem nun vorhandenen Hintergrundwissen um die damaligen politischen und gesellschaftlichen Umsände ist das Werk m.E. nicht hoch genug einzuschätzen...

Nach 12 Jahren Emigrantentums in Paris erfasst Heine das Heimweh, und er tritt eine Reise quer durch Deutschland an bis in seine Heimatstadt Hamburg. Beim Wintermärchen handelt es sich jedoch nicht nur um in Verse gebrachte Reisebilder.
Das Werk ist vielmehr in erster Linie eine Satire auf die Missstände der damaligen deutschen Gegenwart, eine kritische Dichtung, die den vorherrschenden politischen Zuständen sozusagen den Spiegel vorhielt. Dabei war es nicht einfach, das Werk an der scharfen Zensur vorbei so zu erhalten, dass es seinen Charakter nicht verlor...

Auch wenn Heine in einem anderen Jahrhundert (-tausend) lebte als wir heute, war es für mich tatsächlich ein Vergnügen, die Verse zu lesen. An manchen Stellen musste ich richtig schmunzeln, weil ich mir die Reaktionen der politischen wie kirchlichen Obrigkeit auf derartige "Frechheiten" gut vorstellen konnte.

Insgesamt komme ich trotz anstrengender Lektüre also zu einer sehr guten Bewertung - sowie zu der dämmernden Erkenntnis, dass Klassiker wohl nicht umsonst Klassiker geworden sind...


© Parden








Christian Johann Heinrich Heine (* 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf, Herzogtum Berg; † 17. Februar 1856 in Paris) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts.
Heine gilt als „letzter Dichter der Romantik“ und zugleich als deren Überwinder. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so häufig übersetzt und vertont. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde er immer wieder angefeindet und ausgegrenzt. Diese Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen wechselvolle Rezeptionsgeschichte.


Quelle Text und Bild

Samstag, 26. Juli 2014

Nimsch, Peter: Lust & Liebe, dann kam das Leben


Werber Paul freut sich auf heißen Sex mit Anja auf dem Tigerfell, steht aber im dunklen Flur auf den Resten seiner Habe und findet den abgebrochenen Hals seiner Lieblingsgitarre in sein Bein gebohrt. Anja hat ihn rausgeworfen und statt Abschießen ist Umziehen angesagt, wie schon öfters in seinem Leben. Kumpel Fred bringt ihn mit seinem Großraum-Taxi in seine neue Bleibe auf der Leipziger Karli, die sich leider als Baustelle entpuppt. Aber was solls: eine Nacht auf einem Sandhaufen mit Omas Spiegel daneben und vor allem mit Anjas Gesicht darauf hat schließlich auch was...
Transe Claudis Pool, der so groß ist, dass er auch heftigere Badezusätze aushält, ohne dass das Wasser umkippt, Multitasking-Blumengießen und nicht zuletzt Streetlady66 im Netz, lassen Paul den Trennungsschmerz schnell vergessen und ihn weiterhin von der großen Liebe träumen. Klein-Paul allerdings will endlich wieder richtig beschäftigt werden...

Eine vorab-Leseprobe im Netz dieses schwarzhumorigen, erotisch gefärbten Milieuromans aus der Leipziger Südvorstadt bekam schon über fünfzig begeisterte Rezensionen...

 
  • Broschiert: 620 Seiten
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag; Auflage: 1 (25. Februar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954887312
  • ISBN-13: 978-3954887316





Gibt es die große Liebe?



© Peter Nimsch


Alles beginnt mit einer ziemlichen Katastrophe. Werbetexter Paul freut sich darauf, nach Hause zu kommen und stellt sich schon herrliche erotische Szenen mit seiner Freundin vor - als er plötzlich vor verschlossener Haustür steht. Seine Klamotten stehen auf dem Flur, seine Freundin vertreibt sich die Zeit hörbar mit aufregenden erotischen Spielchen - doch nicht mit ihm! Wieder einmal steht Paul vor den Scherben seines Lebens, doch wozu sind Freunde da? Taxifahrer Fred holt ihn mit Sack und Pack ab und bringt ihn zu einer kleinen, vollkommen heruntergekommenen Wohnung auf der bekannten Leipziger Straße, der Karli. Hier tobt das Leben, und so findet sich Paul schnell mit seiner neuen Situation ab - zumal sein früheres Stammlokal gleich um die Ecke liegt. Paul richtet seine neue Wohnung nach und nach mit Hilfe seiner Freunde eher unkonventionell her, doch schließlich ist er mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Alles ist bereit, um schließlich auch weibliches Publikum in seine Wohnhöhle einzuladen - und diesem Lebensziel widmet sich Paul mit seinem besten Stück 'Klein-Paul' auch gerne und ausschweifend...

Zwei Jahre seines Lebens begleitet der Leser den schrägen Helden Paul in diesem weitestgehend chronologisch aufgebauten Buch. Allerlei Witziges passiert ihm einfach, er trifft auf sehr besondere Menschen und vieles in seinem Leben verändert sich allmählich. Paul beginnt, sein Leben selbst mehr in die Hand zu nehmen. Eines aber bleibt als Hauptantriebsmotor seines Lebens bestehen: Sex, Sex, Sex.
Zwar ist die Geschichte flüssig zu lesen, zu schmunzeln gibt es auch so einiges - aber die doch sehr einseitige und nimmermüde Betonung der schönsten Nebensache der Welt ließ das Ganze für mich allmählich doch eher zu einem Einheitsbrei verkommen. Es gab Längen, und ca. 200 Seiten weniger Sexdominanz hätte dem Buch m.E. gut getan. Zudem waren die Liebesszenen auf eine Art geschildert, die mich persönlich leider nicht sonderlich ansprachen, so dass sich das Lesen zeitweise gar zäh gestaltete...

Selbst 'Klein-Paul' erkennt im Laufe der Zeit: "Irgendwann wird auch der schärfste Pornofilm langweilig, vor allem wenn er zur Pflichtveranstaltung wird" (S.362). Zwischendurch fürchtete ich in der Leserunde gar um 'Klein-Paul', denn alles schien für den kleinen Helden fast schon auf ein Burnout-Syndrom hinauszulaufen...

Doch eines Tages schlägt auch bei Paul der Blitz ein. Er ist verliebt! Diana heißt die Angebetete, und beide können nach anfänglichem Zögern ihr Glück nicht fassen: "...ich habe langsam Angst vor so viel Glück." (S. 475).
Diana erfüllt alles, was Paul mit einer Traumfrau verbindet, und Paul scheint bei allen Erfahrungen und allem Schrägen in seinem Leben derjenige zu sein, der Diana glücklich machen kann.  Diana, die noch verrückter ist, als er selbst, wie Paul immer wieder feststellen kann, und die ihn jeden Tag aufs Neue zu überraschen vermag. Beide schwören sich, alles dafür zu tun, damit ihr Glück auf ewig hält...

Das letzte Drittel des Buches mit der Geschichte um Paul und Diana riss das ganze für mich wieder heraus aus dem Einheitsbrei der erotischen Dauereskapaden. Endlich entwickelte sich die Erzählung so, dass mir die Charaktere näher kamen. Paul, dem das Leben einfach passiert, dem es schwerfällt, Entscheidungen zu treffen, der meist einfach nur furchtbar lieb ist. Und Diana, eine Frau mit einer bewegten Vergangenheit und verrückten spontanen Einfällen, immer wieder von Eifersucht geplagt.
Doch bald schon wird das Glück auf die Probe gestellt, es kommt zu einer ernsthaften Krise, in der sich die Beziehung bewähren muss. Wenn sie kann.

Schreiben kann er, der Peter Nimsch, und so berührten mich manche Szenen gerade im letzten Drittel des Buches unerwartet. Vieles in der Geschichte ist eng verwoben mit der eigenen Lebensgeschichte des Autors. Manches wurde hinzugedichtet. Aber bei manchen Szenen dachte ich: sollten diese auch nur ansatzweise autobiografische Züge tragen, kann ich nur sagen: Hut ab. Nicht zuletzt vor der Offenheit, mit der hier mit bestimmten Themen umgegangen wird, die in unserer Gesellschaft eher noch tabuisiert werden.
Das Ende - gefiel mir nicht so ganz, passte aber doch gut, so dass ich das Buch schließlich nicht unzufrieden schloss...

"Das Leben ist nicht planbar." (S. 610)

Ein Buch, das mich nicht eindeutig begeistert hat, mich aber im letzten Drittel für sich einnehmen konnte. Ein Held, der keiner ist, der aber gerade darum um so liebenswerter erscheint. Eine Geschichte, die mich unerwartet berührte, als ich gar nicht mehr damit rechnete. In jedem Fall einmal ein ganz anderes Buch!
Hin- und hergerissen war ich in der Bewertung. Als es sich in den ersten zwei Dritteln phasenweise wirklich zog und ich das Thema Sex nicht mehr lesen mochte, schwankte ich sogar zwischen zwei und drei Punkten. Aber die Entwicklung im letzten Drittel korrigierte es schließlich sogar auf vier Punkte.

Der Autor verriet in der Leserunde noch, dass es noch ein zweites Buch mit Paul geben wird. Ich bin wirklich neugierig darauf zu erfahren, wie sein Leben weitergehen wird. Und ja, ich mag den Paul nun. Irgendwie.


© Parden



 ***



Zu diesem Buch kam ich, nachdem Peter Nimsch mich bei LovelyBooks fragte, ob ich nicht Lust hätte, an einer Leserunde zu dem Buch teilzunehmen. Ich danke dem Autor und dem Verlag also ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses ungewöhnliche Buch kennenlernen zu dürfen.







Peter Nimsch
1978 Lehre und Arbeit als Schriftzetzer, Umzug nach Leipzig 1980 Studium an der Technischen Hochschule Leipzig (Dipl.Ing. für Polygrafie / Drucktechnik) 1984 Assistent an der Technischen Hochschule Leipzig (Vorlesungen und Seminare für angewandte Mathematik) 1988 Künstlerischer Leiter Verlag Bibliographisches Institut Leipzig 1991 Gründung eigener Werbeagentur (pi-Leipzig), Geschätsf+hrer (Kreativchef, Texter und Grafiker, viele bekannte Marken, bundesweit, »Vater« der 1997 mit dem Silber Effie prämierten Kampagne für das Köstritzer Schwarzbier „Das Schwarze mit der blonden Seele”) seit 2004 Werbeagentur „Sekt & Selter“ GbR, Geschäftsführer Kreativer, Texter, Songschreiber und Grafiker seit 2010 Sänger im Gospelchor „open up wide” der Thomaskirche zu Leipzig (Freizeit) wohne und arbeite in Leipzig seit zwei Jahren glücklich verheitratet, nach elfjährigem, ebenso glücklichen Zusammenleben 2 erwachsene Töchter.

Quelle Text und Bild

Freitag, 25. Juli 2014

De Sá Moreira, Régis: Joseph & Clara


Die einfachste Sache der Welt: Joseph liebt Clara. Clara liebt Joseph. Doch dann ist da noch das Leben … Eine ungewöhnliche, melancholische und warmherzige Liebesgeschichte.

Was tat die Rose, nachdem der kleine Prinz sie verließ? Auf diese Frage hat Joseph eine Antwort: Sie hat gewartet. Tag und Nacht. So wie er auf Clara wartet und alles tut, um nicht mehr diese unerträgliche Leere zu spüren, die geliebte Menschen in uns hinterlassen, wenn sie gehen. Nur seine Liebe kann er nicht in Worte fassen. Denn genügen Worte, um wahre Gefühle zu äußern?
Clara kann weder mit noch ohne Joseph leben, doch sie träumt davon, jede Sekunde mit ihm zu verbringen. Nun erinnert sie sich an ihre gemeinsamen Momente. An den ersten Kuss. An den Tag, als sie oben auf dem Turm den Sonnenuntergang bewunderten. An die Einzigartigkeit des Lebens mit ihm …


Aber Joseph kann seine endlose Liebe mit der Endlichkeit des Lebens nicht vereinbaren, und so schenkt er sich und Clara die Möglichkeit einer Ewigkeit, die nur für wahre Liebende in Frage kommt.




  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Übersetzung: Sonja Finck
  • Verlag: Droemer HC (21. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426197464
  • ISBN-13: 978-3426197462







Verstörend in seiner kompromisslosen Konsequenz...




Der Weg der Liebe - El camino del amor     -       © Parden


Die einfachste Sache der Welt: Joseph liebt Clara. Clara liebt Joseph. Doch dann ist da noch das Leben...
Was tun, wenn die Frau, die man liebt, eines Tages geht, obwohl sie einen liebt - oder ausgerechnet deswegen? Was tun, wenn Worte nicht genügen, um wahre Gefühle zum Ausdruck zu bringen? Was tun, wenn eine endlose Liebe sich mit der Endlichkeit des Lebens nicht vereinbaren lässt?

Was macht eigentlich die Blume die ganze Zeit? (S. 137)

"Der kleine Prinz" - darauf bezieht sich diese Frage - verlässt eines Tages seinen kleinen Planeten, nachdem er von seiner Rose enttäuscht ist. Aber was ist mit der Blume? Sie bleibt ganz allein zurück, ein Jahr lang, und man erfährt nicht mit einem Wort, wie es ihr dabei ergeht. Leidet sie, bereut sie, verändert sie sich, entwickelt sie sich weiter?

Diese Fragen stellt sich  Joseph, der ebenfalls alleine zurückblieb, nachdem Clara, die er liebt, die ihn liebt, ihn einfach verlassen hat. Er leidet fürchterlich, von Woche zu Woche schlimmer, weiß nicht, ob sie je wiederkehrt, kann sie nicht vergessen, will sie nicht vergessen:

"Ich lebe lieber ohne sie, aber in dem Wissen, dass es sie gibt, dass irgendwo jemand wie sie existiert, als ganz ohne sie." (S. 49)

Diese Verlassenheit trotz der großen Liebe, die die beiden verbindet, bildet den Schwerpunkt der Geschichte. Dabei wechselt in den einzelnen Passagen immer wieder die Perspektive, so dass nicht nur Clara und Joseph selbst zu Wort kommen, sondern auch Josephs Bruder und dessen Frau.
Der Schreibstil ist wenig lebendig, Gedanken, Gefühle, Dialoge bestimmen das Gefüge, durchwoben von einer für mich eher verkopften Poesie.

"Ihre Abwesenheit hinterließ unweigerlich ein Loch in seinem Bauch, das nur durch Essen gefüllt werden konnte, das er nur ertrug, wenn er aß. Seltsamerweise nahm er nicht zu. Es war, als ernährte er seine Einsamkeit und nicht seinen Körper." (S. 60)

Die kompromisslose Konsequenz, in die 'el camino del amor' - 'der Weg der Liebe' - schließlich führt, erscheint aus den Figuren heraus logisch, für mich jedoch traurig und verstörend. Dazu hat mich die gleichzeitig distanzierte Darstellung des Geschehens wenig berühren können, so dass die große Liebe für mich als eher abstraktes Gebilde aufflammte und beleuchtet wurde, was ich schade fand.

Die Aufmachung des Buches hingegen ist wirklich bezaubernd. Ein wunderschön gestaltetes Hardcover-Büchlein mit geprägtem Einband in ansprechendem Druck, blutrotem Vorsatzpapier und schönem Satz, das sich als kleines Geschenk wirklich gut eignet und im Regal ein Schmuckstück ist.

Insgesamt konnte das Büchlein leider nicht halten, was es zu versprechen schien.


© Parden






Régis de sá Moreira
Régis de Sá Moreira, Sohn einer Französin und eines Brasilianers, ist 1973 geboren. Er wuchs in Frankreich auf und lebt zur Zeit in Paris, wo er als freiberuflicher Autor arbeitet. "Joseph & Clara. Eine Liebesgeschichte" ist nach "Das geheime Leben der Bücher" sein zweites Buch in deutscher Sprache.




Donnerstag, 24. Juli 2014

Okute Sica, John: Das Wunder vom Little Bighorn


Immer wenn ich in den letzten Monaten an JOHN OKUTE SICA dachte, fiel mir natürlich ein, dass ich nun endlich einmal dieses Buch rezensieren müsste. Fast gleichzeitig kamen mir auch zwei Figuren in den Sinn: Da ist zum einen natürlich Inya - he - yukan der Alte, oder Harry Okute aus ► DAS BLUT DES ADLERS [1], und dann der junge Lakota GEORGE aus ►INTO THE WEST.

Ein wenig ähneln sich die Geschichten der Jungen GERORGE und JOHN. GEORGE wurde auf Geheiß seines Großvaters auf die CARLISLE INDUSTRIAL SCHOOL gesendet. Mit anderen Indianerkindern sollte er nach dem Willen des Schulleiters zum Amerikaner „assimiliert“ werden und seine Kultur und Gebräuche vergessen. GEORGE lernt das Stellmacherhandwerk und Lesen und Schreiben, seine Lehrerin schenkt ihm zum Abschied eine Schreibmaschine. Diese „Indianergeschichte“ ist sehr anschaulich in der 5. Episode WISSEN IST MACHT der Miniserie beschrieben.

John OKUTE SICA wurde 1890 geboren, also im Jahr des Massakers der US-Armee an den Lakota - Indianern am ►WOUNDED KNEE, einem Ort in der Lakota – Reservation PINE RIDGE. OKUTE SICA bedeutet so viel wie „Schwer zu treffen“, der indianische Name von John lautet WOONKA-PI-SNI, was so viel wie „Wurde nicht niedergeschossen“ ausdrückt. Vielleicht war das ein Hinweis auf das Verbrechen da am „Verwundeten Knie“. Auch John besuchte eine solche INDUSTRIAL SCHOOL, lernte das Zimmermannshandwerk und natürlich Lesen und Schreiben. Ausgestattet mit diesen Kenntnissen wurde er Schriftsteller: Er schrieb die Geschichten seines Volkes auf. Anfang des 20. Jahrhunderts hat dies natürlich Seltenheitswert.

Es mag unüblich sein, dass man die Rezension eines Buches mit der Geschichte des Autors beginnt, über den noch manches zu sagen sein wird. An dieser Stelle muss ich nun gleich noch  auf zwei weitere Autoren eingehen: Auf ► Liselotte Welskopf-Henrich und Dr. Frank Elstner [2]. Verbunden sind diese beiden auf eine gewisse Art und Weise durch diesen alten Lakota – Indianer, welcher im Jahre 1963 starb. Wenige Monate vorher durfte die Althistorikerin und Professorin an der Humboldt – Universität Berlin, Liselotte Welskopf-Henrich, den Alten kennen lernen.

„Ich saß - in voller Einsamkeit und Abgeschiedenheit - bei dem Ältesten und Häuptling John Okute. Er stand am Ende seines Lebens; langsam sprach er und wog jedes Wort. Die Männer, unter denen er aufgewachsen war, hatten Ta-shunka-witko und Tatanka-yotanka noch gekannt. Er hat es von klein auf geliebt, den Alten zuzuhören und aus der Geschichte und den Mythen der Dakota alles zu erfahren, was er nur erforschen konnte. Daher trug er als Kind schon den Spitznamen »Alter Mann«. Er wußte viel, und sein gan­zes Denken und Leben gehörte den Dakota. Ich lauschte auf das, was er mir zu erzählen hatte, während ringsumher der Wind um Bäume und Gräser strich und der Himmel sich blau über der immer noch einsamen weiten Prärie wölbte. 

Biografie
John Okute war freier Rancher gewesen, bis er sich in seinem Alter zurückzog. Seine Blockhütte stand zwischen Wiesen, Busch und Wald. Weit konnte er über das einsame Land schauen. Er freute sich an Kindern und Enkeln, die gesund heranwuchsen und in deren Ranchhaus ich zu Gast sein durfte. Wenige Monate, nachdem ich bei ihm gesessen und auf seine Worte gelauscht, seine Niederschriften gelesen hatte, ist er gestorben, verehrt und betrauert von allen India­nern, die ihn gekannt haben.

Die Witwe John Okutes gab mir das Manuskript, in dem er aufgezeichnet hat, was ihm wichtig und überliefernswert erschien.“
[3]


So schrieb sie in einem Aufsatz [4], welcher dem hier zu besprechendem Buch voran gestellt ist. Welskopf - Henrich hatte durchaus vor, das Manuskript zu veröffentlichen, jedoch fand sie dafür wohl keinen Verleger. Den Aufsatz verwendete Dr. Frank Elstner als Vorwort für dieses Buch. Natürlich, was sonst, könnte man sagen. Denn der Palisanderverlag hatte im Jahr 2009 das Werk DAS BLUT DES ADLERS der im Jahre 1979 verstorbenen Schriftstellerin neu aufgelegt. [5]

Durch diverse Artikel und Internetrecherche kannte ich diesen Text der Autorin, aber erst durch die umfangreichen Anhänge der einzelnen „Adler-Bücher“ wurde ich richtig auf John OKUTE SICA aufmerksam, dem Welskopf-Henrich in der Figur des Harry Okute in ihren Romanen ein Denkmal setzte.

* * *
Dr. Elstner, der das Buch nicht nur heraus gab sondern auch übersetzte, geht in der Einleitung zu diesem Buch auf die Geschichte der Lakota ein und erklärt dem geneigten Leser, in welchem Umfeld der schreibende Indianer aufwuchs. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die kleine Gruppe von Lakota, die nach der Flucht in Richtung Kanada in den Wood Mountains blieb und dort sesshaft wurde, denn unter diesen war der Vater des John Okute. [6] Elstner erzählt die Lebensgeschichte des Autors und erläutert anschließend, wie es in Wood Mountain heute aussieht. [7] Im Jahre 2008 gaben die Nachfahren des John OKUTE SICA ihr Einverständnis für dieses Buch. [8]  Dr. Rudolf Welskopf, der Sohn Liselotte Welskopf-Henrichs, übergab das Typoskript der Erzählungen des indianischen Autors dem Palisanderverlag. [9] Und so schließt sich ein sehr spannender und informativer Kreis.

* * *
Das Buch hat vier Abschnitte oder Kapitel. Im ersten Kapitel, DIE WELT DER ALTEN LAKOTA, erzählt Okute Sica von der heiligen Pfeife, den Tänzen der Indianer, der Bedeutung der Büffel als ihrer Lebensgrundlage, der Bedeutung der Federkrone und wie die Lakota Bildernachrichten schrieben.

Die Hauptgeschichte aber handelt von MAIDEN CHIEF. Mit diesem Text, so Frank Elstner in der Einleitung, hat der Autor wohl den ersten Kurzroman der Sioux geschaffen. Die Geschichte handelt von einer jungen Frau, die sich in einen Krieger verliebt und diesem dann auf einen Kriegszug folgt. Die Geschichte zeigt sehr schön auf, welche kriegerische Züge kleine Trupps von Kriegern unternahmen und auch, dass diese sehr lange andauern konnten und sie ihre Stammesgruppe bei der Rückkehr erst suchen mussten. Auch gab es Gruppen, die mehr tausend Angehörige aufwiesen. [10] Eine Ansammlung solcher Größenordnung hatte ich höchstens am Little Bighorn vermutet, kurz vor der bekannten Schlacht im Jahr 1876.


Buchseite 199
Der Sieg der Sioux – Indianer am Fluss des Kleinen Dickhornschafes war der letzte große Sieg. Im Stil einer Reportage könnte man sagen, schildert der Autor diesen Kampf zwischen den vereinigten Stämmen unter Tatanka-yotanka und Tashunka-witko und der 7th. Cavallry unter George Armstrong CUSTER. Ein Sieg, der den Untergang des freien Prärie –Indianers endgültig einleitete. Interessant dabei ist, dass Okute Sica die Geschichte eines bei den Indianern lebenden Negers AZÉ mit aufgenommen hat. Dies war vielleicht selten, aber auch Welskopf-Henrich hat eine solche ►Episode in Gestalt von Vater (Fremde Muschel) und Sohn (Tschapa Kraushaar) in DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN verarbeitet. [11]

Im Bericht erklärt er auch, dass er die Aussagen mehrerer beteiligter Krieger verwendet hat. Den Ausgang der Schlacht bezeichnet er als DAS WUNDER VOM LITTLE BIGHORN, weil die Sioux, hauptsächlich mit Pfeil und Bogen und wenigen Gewehren gegen hochgerüstete reguläre Armeeeinheiten antraten und gewannen. [12]

Okute Sica äußert sich auch in Anmerkungen zu seinen Texten:

„Anmerkung

Die Geschichte von Samsons Sieg über die Philister wurde in der Bibel überliefert. Die Sioux besaßen keine Schrift. Somit gibt es keine schriftliche Überlieferung ihrer Siege und Niederlagen. Wir, ihre Nachkommen, kennen nur noch Bruchstücke der Tradition. Tatsächlich sind wir modernen Sioux bloß ein Schatten unserer Vorfahren. Wir haben sogar die schönsten Tugenden unserer einst so stolzen Rasse verloren, wie Aufrichtigkeit, Freigebigkeit, Tapferkeit und Gottesfurcht. - Ich selbst habe Sioux kennengelernt, die die Geschichte ihres Volkes falsch überliefert haben, um auf diese Weise zu Geld zu kommen...“
[13]

Der Hinweis auf die Bibel mag verblüffen, aber Okute Sica war Christ und in der Lage, die mit indianischem Glauben und indianischen Traditionen in Einklang zu bringen. [14] Auch an diesen Zeilen kann man den Einfluss auf den Roman DAS BLUT DES ADLERS erkennen.


Quelle
Wiederum sehr interessant sind die Ausführungen zu Tashunka-witko, bekannt auch unter dem Namen Crazy Horse. Okute Sica hat den Häuptling beschrieben. Er soll nie Farben oder Federn getragen haben. Okute Sica beschreibt ihn als Krieger, Kämpfer, Häuptling und dass der Ermordete an einem geheimen Ort begraben wurde. Ebenso erwähnt er das 1948 begonnene Monument. [15] Dieses ist noch immer nicht fertig, für den Bau werden weitere 10 Jahre veranschlagt.



Im Abschnitt NEUE ZEITEN erzählt der Autor auch von einer Frau namens Ité-ská-wí. Liselotte Welskopf-Henrich verwendete dien Namen dieser Frau im fünften Band des Zyklus DAS BLUT DES ADLERS, ►Das Helle Gesicht. Diese Frau wurde einmal sehr krank. Der Medizinmann, der sie heilte, verlangte von ihrem Mann, dass er dessen Liebstes als Lohn für die Heilung mitnehmen wolle. Dies versprach der Krieger. Dies war eine Prüfung, denn der Geheimnismann hatte dies nicht vor. Ité-ská-wí kam übrigens von den Wood Mountains in die Pine-Ridge-Reservation zurück. [16]

Die Geschichte HANTA erzählt von einer Hündin und auch davon, dass die Feindschaft zwischen den Stämmen der Prärieindianer auch im späten 19. Jahrhundert und auch in den Wood Mountains immer noch gegenwärtig war.

Okute Sica erzählt anschließend vom Ende Sitting Bulls aus der Sicht der Sioux und darüber, dass die Ermordung Tatanka – yotankas nichts mit der Geistertanzbewegung im Jahr 1890 zu tun hatte sondern damit, sondern weil der Geheimnismann „nicht müde [wurde], den Raub des Indianerlands in den Black Hills durch die Weißen anzuprangern. Das war der Grund, aus dem man nach einem Vorwand suchte, sich seiner zu entledigen.“  [17]

In welche Gegensätze die ehemaligen Büffeljäger nun gekommen sind, erzählt sehr anschaulich die Geschichte EIN INDIANER IN NEW YORK. In dieser kommt eine Indianerband aus der Carlisle Indian School, von der schon die Rede war, um die Jahrhundertwende nach New York. Die Angehörigen waren in genau diese Schulen gepresste Kinder. Im Laufe der Reise stoßen die Indianer auf Slumbewohner, die in ihrem Elend auf sie schon fast wie Tote wirken. Wieder zurück an der Schule sprechen sie über ihre Erlebnisse.

Erstaunlich dabei die Ansprache des Lehrers an die Jungs:

»Jungs, als die Schulleitung diese Reise in den Osten für euch plante, tat sie das nicht, um euch zu beeindrucken oder wegen des Geldes. Sie sollte hauptsächlich aus erzieherischen Gründen stattfinden. Wir wollten, daß ihr Jungs die Welt kennenlernt und die Lebensweise, mit der die Indianer es in Zukunft zu tun haben werden. Wir, die Schulleitung, verlangen nicht, daß ihr Indianer unsere Ideale, unseren Glauben und unsere Lebensweise übernehmt. Man hat uns eingestellt, damit wir euch die englische Sprache beibringen, damit ihr sie sprechen und schreiben lernt. Ihr selbst müßt entscheiden, ob ihr alles andere akzeptiert oder ablehnt.

Eines Tages werdet ihr erfahren, daß das, was zählt, nicht die Welle ist, sondern der Sog. Ihr werdet verstehen, daß diese Welt eine Welt des Menschen ist — unglaublich zerbrechlich, wie Big Embers sagte. Die Welt eurer Völker beruht auf dem Großen Geist. Doch wenn fromme Leute damit prahlen und wenn das Böse darin Fuß faßt, dann wird sie wie die Welt der Weißen sein. Ich persönlich glaube, daß die Amerikanisierung, die vollständige Amerikanisierung der Indianer, wenn sie denn möglich ist, Jahrtausende brauchen wird. Aber wenn diese Zeit gekommen ist, werden nur noch sehr wenige Vollblutindianer übrig sein.«
[18]

Eine solche Haltung ist wohl eher selten gewesen unter dem Lehrpersonal der Indian Schools, damals natürlich und auch achtzig Jahre später ebenso. Aber es wird wohl auch Lehrer gegeben haben, die eine solche Einstellung aufwiesen. Dies hier aus der Feder eines Indianers zu lesen, der dies aus eigenem Erleben schildert, gibt dem natürlich eine besondere Authentizität. [19]

Auch schließt sich hier für mich der Kreis, welchen ich mit Hinweis auf die Gemeinsamkeiten einer fiktiven Filmfigur und des Autor von DAS WUNDER AM LITTLE BIGHORN, begonnen habe.

AMBER MOON heißt der letzte Abschnitt des Buches und er beinhaltet die ursprüngliche Geschichte von MAIDEN CHIEF. Frank Elstner führte in der Einleitung aus, dass Okute Sica hier einen Kunstgriff anwandte, indem er eine ältere Geschichte in die Zeit seiner Eltern und Großeltern holte um deren Leben in der Endzeit ihres Volkes besser beschreiben zu können. [20]



Lebewohl
Leb wohl, Amerika, Land der Geheimnisse,
Land der eingeborenen Menschen.
Unwissend, unschuldig und frei lebte ich in dir, liebte ich
und gab mich Spielen hin...
Ich fürchte mich vor dem Abschied, obgleich ich weiß,
daß wir uns in der Welt des Geistes wiedersehen werden,
für immer.
Die Zeit der Lakota ist zu Ende...

Mit meinem Amerika bin ich gestorben, 
und ich hinterließ keine Spuren.
Wie der Büffel bin ich entschwunden.
ich bin in ein anderes Land der Geheimnisse gegangen.
Dort lebe ich mit meinem Gott, für immer. [21]
 
* * *
Das Buch ist auch sehr schön gestaltet. ► Carl Bodmer, der benannte Indianermaler des 19. Jahrhunderts lieferte die Vorlage "Totengerüste eines Sioux-Chefs" für den Schutzumschlag, während die Zeichnung auf der Rückseite von John Okute Sica selber stammt. Die Gestaltung des Schutzumschlages übernahm Anja Elstner. Sehr schön sind auch die Zeichnungen im Buch selber, sie stammen von Margaux Allard, einer Enkeltochter des Autors.

* * * 

Herr Dr. Frank Elstner vom ► Palisander - Verlag hat mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wie schon die Bände zu DAS BLUT DES ADLERS. Die erneute Beschäftigung mit den Helden einer meiner Lieblingsschriftstellerinnen nach einer „Abstinenz“ von ungefähr 25 Jahren ergab einen viel tieferen Einstieg in die Materie. Dieser Bücherblog gab mir die Möglichkeit, diese Werke nicht einfach nur zu rezensieren, sondern mit den Mitteln des Internets ausführlicher vorzustellen. Dieser Beitrag hier wird wohl nicht der letzte gewesen sein.

Der Palisander - Verlag hat mit seinen "Indianerbüchern" eine besonders fein ausgewählte Reihe herausgebracht. Persönliches Interesse des Mitinhabers Dr. Frank Elstner, eigene Reisen an die Schauplätze in Nordamerika, nicht zuletzt die eigene Übersetzerleistung und sicher auch die Freundschaft zu Dr. Rudolph Welskopf ( ► Interview) sind der Grund für die Veröffentlichung ausgewählter "Indianerliteratur". Hier wäre noch zu erwähnen das ► Buch  DIE LIEDER DER ALTEN DAKOTA von der Musikethnologin Frances Densmore, welche Anfang des 20. Jahrhunderts in der Standing Rock Reservation Leben, Kultur und nicht zuletzt die Musik der Lakota studieren konnte.


Zu wünschen wäre, dass der Verlag damit nicht aufhört und persönlich würde ich
mir wünschen, dass DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN zur Erweiterung des Verlagsangebotes beitragen könnten.


DNB / Palisander Verlag / Chemnitz 2009 / ISBN: 978-3-938305-10-2 / 353 Seiten


© KaratekaDD
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[1] Siehe Liselotte WELSKOPF-HENRICH: DAS BLUT DES ADLERS; Palisander Verlag; Chemnitz 2009  
[2] Mitinhaber des Palisander Verlags Chemnitz  
[3] Siehe OKUTE SICA, John (JOS): DAS WUNDER VOM LITTLE BIG HORN, Palisander Verlag, Chemnitz 2009, Seite 11

[4] Der Text des Vorworts wurde dem Aufsatz »Bei den Dakota in den Wood­mountains« (Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissen­schaften, Nachlaß Liselotte Welskopf-Henrich, Nr. 152) entnommen und um einige Passagen aus der Einleitung Liselotte Welskopf-Henrichs zu ihrer Über­tragung der Erzählung John Okute Sicas »Der Mann mildem Namen Mato-wa-wo-yuspa, der Bär der zupackt« (im vorliegenden Buch »Der Mann, den sie Seizing Bear nannten«), ergänzt, die sich in ihrem Nachlaß befindet. IN: OKUTE SICA, a.a.O  

[5] Die Werke der Liselotte Welskopf-Henrich sind in diesem Blog bereits umfangreich „bearbeitet“ wurden.  

[6] Eine ähnliche Geschichte erzählt LWH in ► ÜBER DEN MISSOURI, 5. Band aus DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN. Die Geschichte muss ihr vor dem Kennenlernen des alten Indianers bereits bekannt gewesen sein.  
[7] In DAS BLUT DES ADLERS erzählt LWH, wie ihre Romanhelden immer wieder zu Verwandten in die Waldberge fahren.
[8] Siehe JOS: Das Wunder…, Seite 21  
[9] vgl. Ebenda, Seite 23 sowie http://litterae-artesque.blogspot.de/2013/07/welskopf-henrich-l-licht-uber-weien.html  

[10] Ein Grund dafür, dass die großen Stammesgruppen nicht in Kanada (im Exil) bleiben konnten war, dass sich diese Massen an Indianern nicht herkömmlich, also durch Jagd ernähren ließen und auch nicht so viel Land für Ackerbau und Viehzucht vorhanden war. Siehe dazu Einleitung von Dr. Elstner IN OKUTE SICA, Das Wunder…  

[11] Der ehemalige Negersklave Fremde Muschel wird vom Geheimnismann bei den Watschitschun (Geister = weiße Männer) frei gekauft mit einem Goldkorn. Dessen Sohn wird Jugendfreund von Harka dem Häuptlingssohn und auch als Erwachsene ist Tschapa, der schlaue „kraushaarige“ Bieber Berater und Freund des Häuptlings der Bärensöhne. In: LWH: DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN  

[12] Das der Lieutenant Colonel Custer, der aus den Zeiten des Bürgerkriegs den Titel des Brevet Brigadier Generals weiter tragen durfte, durch eine überhebliche Falscheinschätzung der Lage seine Truppen in den Tod führte, wird durch Okute Sica nicht betrachtet. Zu empfehlen ist hier neben diverser Literatur wieder INTO THE WEST, Episode 5: Wissen ist Macht. Hier wird der Kampf anschaulich und wohl historisch genau wiedergegeben.  

[13] Siehe JOS: Das Wunder…, Seite 221  
[14] Vgl. ELSTNER, Frank: Der Mann der Harry Okute war In: LWH:  LICHT ÜBER WEISSEN FELSEN, Palisander, Chemnitz 2009, Seite 441 ff  
[15] vgl. JOS: Das Wunder…, Seite 222 ff; weitere Informationen zum Bildhauer und zum Monument selbst bietet diese Webseite: http://johngun.de/index.php/history/7-crazy-horse-memorial.html

[16] Diese Geschichte verarbeitete Welskopf-Henrich im Roman Der Siebenstufige Berg (Band 4 aus DAS BLUT DES ADLERS. Hugh Wasescha Mahan verzichtet auf Magasapa-win, die durch seinen Freund und Rivalen geheilt wird. Auch dies ist allerdings nur eine Prüfung des Geheimnismannes. IN LWH: DER SIEBENSTUFIGE BERG, Palisander, Chemnitz 2009  

[17] Siehe JOS: Das Wunder…, Seite 256  
[18] Ebenda, Seite 283  

[19] In der Episode WISSEN IST MACHT aus der US-Miniserie INTO THE WEST übernimmt diese Rolle ein junges weißes Lehrerehepaar, die filmische Darstellung wird durch die Darstellung Okute Sicas umso glaubwürdiger. Ebenso sei auf das Thema Schule und Schulinternat in DAS BLUT DES ADLERS verwiesen. Hier besucht eine junge Malerin aus der Pine Ridge Reservation eine Kunstschule für Indianer.  

[20] Vgl. JOS: Das Wunder…. Seite 22
[21] Ebenda, Seite 353