Sonntag, 17. Dezember 2017

Kang, Han: Menschenwerk


Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert? Han Kang beschreibt in ihrem neuen Roman, wie dehnbar die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit sind. Ein höchst mutiges Buch und ein brennender Aufruf gegen jede Art von Gewalt.

(Klappentext Aufbau Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (15. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung:  Ki-Hyang Lee
  • ISBN-10: 3351036833
  • ISBN-13: 978-3351036836
  • Originaltitel: Sonyeoni onda










WAS IST MENSCHLICHKEIT UND WIE LÄSST SIE SICH BEWAHREN?


Gwangju-Aufstand: Soldaten feuern in die flüchtenden Demonstranten

In ihrem neuen Roman führt die südkoreanische Schriftstellerin ("Die Vegetarierin") den Leser zurück in die jüngere Vergangenheit Koreas. Im Jahr 1980 kam es in der Stadt Gwangju zu friedlichen Studentenprotesten gegen die Militärdiktatur. Diese Proteste wurden von der Militärregierung mit einem brutalen Massaker zerschlagen: der damalige südkoreanische Militärmachthaber Chun Doo-Hwan ließ seine Truppen wahllos in die Menge schießen. Als sich in den darauf folgenden Tagen die Bevölkerung der Stadt mit den Studenten solidarisierte, wurde die Mehrzahl der Demonstranten ermordet.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der der 15-jährige Schüler Dong Ho, der mit einem gleichaltrigen Freund in einen Demonstrationszug gerät, wobei dieser erschossen wird. Dong Ho hilft später, die Getöteten zu bergen und in eine Schule zu bringen, wo sie von Verwandten identifiziert werden können. Schließlich stirbt auch Dong Ho, als die Soldaten die Schule stürmen. In Rückblicken wird von den Überlebenden des Massakers berichtet, von den Erlebnissen während der brutalen Ereignisse, aber auch von den Folgejahren. Traumatisierungen durch Haft und Folter, soziale Entfremdung und Einsamkeit, Depression und Schuldgefühle ziehen sich durch die Generationen. Eine Dokumentation der Gewalt und der Unmöglichkeit, normal weiterzuleben.

 
"Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin."

 
In jedem Kapitel kommen andere Menschen zu Wort, die dieses Massaker miterlebten. Jeder Zeitzeuge erzählt seine Geschichte - sachlich oft im Stil, die Sätze meist kurz gehalten. Hinzu kommt, dass die Erzählenden oft mit jemandem sprechen, den sie als 'Du' bezeichnen: einem Toten, einem Überlebenden, einem Vermissten. Dadurch schafft Han Kang für den Leser eine Distanz zum Geschehen, die durch die akribische und detaillierte Art der Schilderung der Gewalttaten und ihrer Folgen jedoch aufgeweicht wird. Hier wird die existenzielle Gewalterfahrung auf eine derart eindringliche Weise vermittelt, dass man meint, unmittelbar am Schauplatz unmenschlichen Geschehens, nahezu Augenzeuge der Vorgänge zu sein. Die einzelnen Geschichten greifen zunehmend ineinander und verdichten sich zu einem Ganzen, das den Leser an den Rand des Erträglichen führt. Doch Han Kang schafft auch sinnliche, stille, poetische und zeitweise surreale Bilder wie beispielsweise den Monolog einer Seele, die sich vergeblich bemüht, sich von ihrem verwesenden Körper auf einem Leichenhaufen zu lösen.

Der Epilog verrät, dass die Autorin selbst aus Gwangju stammt, und dass  ihre Eltern vor dem Umzug nach Seoul ihr Haus an die Familie von Dong Ho verkauft haben. Der Hauptcharakter des Buches ist also eine reale Figur, die zum Auslöser für den Roman wurde. Dabei schaut Han Kang in ihrem Resümee nicht nur nach Südkorea, sondern auch über den Tellerrand, und auch dem Leser dürfte klar sein, dass derlei Geschehnisse in der Weltgeschichte kein Einzelfall sind. Insofern gewinnt der Titel 'Menschenwerk' tatsächlich eine übergreifende Bedeutung.

Insgesamt ist dieser Roman ein Werk von ungeheurer atmosphärischer Dichte, das einen gnadenlosen Blick auf das Wesen 'Mensch' gewährt. Er verdeutlicht, dass der Mensch sowohl zu der ihm innewohnenden Gutherzigkeit als auch zu der ihm ebenso innewohnenden Gewaltbereitschaft getrieben werden kann und bietet damit auch eine nahezu philosophische Auseinandersetzung mit der Frage nach dem 'Menschsein' und der 'Menschlichkeit'.

Wieder einmal ein beeindruckender Roman der Südkoreanerin!

© Parden












Der Aufbau Verlag schreibt über die Autorin:

Han Kang wurde in Gwangju, Südkorea, geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihr literarisches Schreiben wurde sie mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, den Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul.

übernommen vom Aufbau Verlag


Freitag, 15. Dezember 2017

Heimann, Ralf & Homering-Elsner, Jörg: Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst


Wer den Lokalteil seiner Zeitung liest, erfährt oft die unglaublichsten Geschichten: Es gibt einen Tag der offenen Tür im Gefängnis, ein Beinamputierter ist wieder auf freiem Fuß, der Schwerhörigkeits-Vortrag wird wiederholt und die Polizei findet eine Leiche auf dem Friedhof. Was klingt wie Meldungen aus Absurdistan, hat so tatsächlich in der Zeitung gestanden. Ralf Heimann und Jörg Homering- Elsner sammeln lustige »Perlen des Lokaljournalismus« aus ganz Deutschland und haben schon über 170.000 Facebook-Fans. In diesem durchgängig vierfarbig illustrierten Buch werden die komischsten Ausrutscher und verunglückten Schlagzeilen versammelt – ein Buch zum pausenlosen Kopfschütteln und Lachen, das nicht nur Zeitungsleser amüsiert!

(Klappentext Verlagsgruppe Random House)

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (8. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453603621
  • ISBN-13: 978-3453603622











PERLEN DES LOKALJOURNALISMUS...



Seit Jahren schon sammeln die Autoren kuriose Zeitungsartikel. Immer wenn sie dachten, jetzt kann eigentlich nichts Neues mehr kommen, wurden sie eines Besseren belehrt. Dieses Buch lebt von Fehlern, und Fehler sind menschlich. Menschlich ist aber auch die Schadenfreude, und was liegt also näher, als sich über dieses Panoptikum an kuriosen Zeitungsmeldungen herrlich zu amüsieren. Meinen Humor hat diese Sammlung jedenfalls getroffen!

Verblüffende Ereignisse ('Drei Tote sterben bei Schießerei in Belgien' oder 'SuS 2 schlägt Rodde 1:1') sorgen hier ebenso für Heiterkeit wie unglückliche Formulierungen ('Hohe Duchfallquote bei Köchen' oder 'Kondomautomat mit Ständer geklaut'). An der Allgemeinbildung mancher Journalisten muss ebenso gezweifelt werden ('Johann Wolfgang von Goethe (...) Amerikanischer Schauspieler') wie an der Fähigkeit zur sachlichen Berichterstattung ('Der Partie kommt keinerlei Bedeutung zu und sie ist überflüssig wie ein Kropf'). Rechenkünste gehören auch nicht gerade zur Stärke mancher Schreiberlinge ('Ein möglicher Käufer des Flughafens (...) muss eine hohe zweistellige Summe auf den Tisch legen'). Und manchen Journalisten sei gar Nachhilfe in Grammatik ('Österreich frierte in der Früh bei nur 3 Grad') oder in Rechtschreibung ('Kleine Gespenster spucken im Kino') anempfohlen.

Sehr unterhaltsam sind die gefundenen Artikel mit Oxymora oder Paradoxien wie 'Veganes Sommerfest im Schlachthof', 'Obdachloser lag zwei Jahre tot in seiner Wohnung' oder 'Viele EHEC-Tote werden nicht mehr ganz gesund'. Manche Beiträge können es nur durch das Sommerloch in die Zeitung geschafft haben: 'Unfall: Zwei Frauen fallen vom Stuhl' oder 'Schirm gefunden (...) kann beim Ortsbürgermeister abgeholt werden'. Aber ein ganz besonderes Vergnügen waren für mich die Artikel, wo die Bilder so gar nicht zur Überschrift passen wollten, wie z.B. 'Viele Freunde getroffen' und darunter ein Bild von Menschen, die mit einer Armbrust schießen oder 'Pferdetourismus in Planung' und darüber ein Foto mit Schafen.

Tatsächlich habe ich bei der Lektüre des Buches oft geschmunzelt oder gelacht, und insgesamt ist dies eine sehr unterhaltsame Sammlung von Stilblüten im Blätterwald. Die ideale Klolektüre oder auch sonst gut geeignet für ein paar amüsante Seiten für zwischendurch...


© Parden









Die Verlagsgruppe Random House schreibt über die Autoren:

Ralf Heimann (geb. 1977) ist Journalist und Autor. Zuletzt erschien von ihm „Hier ist alles Banane - Erich Honeckers geheime Tagebücher“. Das Medium Magazin wählte ihn im Jahr 2015 in der Kategorie Unterhaltung unter die zehn Journalisten des Jahres. Unter anderem arbeitet er für das SZ-Magazin, den Stern und das Kindermagazin ZEIT LEO.

übernommen von der Verlagsgruppe Random House


Jörg Homering-Elsner (geb. 1967) ist Journalist und arbeitet als Lokalredakteur bei einer Tageszeitung im Münsterland. Seit Jahren sammelt er verunglückte und kuriose Nachrichten aus deutschsprachigen Zeitungen und veröffentlicht sie auf seinen Facebook-Seiten „Perlen des Lokaljournalismus“ und „Kurioses aus der Presseschau“. Bei der Wahl in Berlin zum „Blogger des Jahres“ wurde seine Perlen-Seite, die mittlerweile eine Viertelmillion Fans hat, zum „Besten Medien-Blog 2015“ gewählt.

übernommen von der Verlagsgruppe Random House


Mittwoch, 13. Dezember 2017

Baronsky, Eva: Herr Mozart feiert Weihnachten


Der Mann erinnert sich nur, als Wolfgang Amadé Mozart auf dem Sterbebett gelegen zu haben. Am nächsten Morgen ist er – 200 Jahre später, wie sich herausstellt – im modernen Wien aufgewacht. Zwar hat er begonnen, sich dort zurechtzufinden, aber er ist einsam. Heiligabend muss er sich am Stephansdom mit der Geige ein paar Cent erspielen. Als ihn ein kleines Mädchen für den Weihnachtsmann hält und mit nach Hause nimmt, wird er in ein neues verwirrendes Abenteuer verwickelt.

(Klappentext Aufbau Verlag)

  • Taschenbuch: 160 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (15. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746633788
  • ISBN-13: 978-3746633787









HERR MOZART UND DER ZAUBER DER WEIHNACHT...



Ungefähr ein Jahr ist es her, dass ich 'Herr Mozart wacht auf' gelesen habe - ein Buch wie eine Umarmung, so habe ich es seinerzeit empfunden. Sehr erfreut war ich daher, als ich sah, dass es nun offenbar erneut ein Abenteuer mit Herrn Mozart gab. Nun ist es auch schon wieder gelesen - und erneut konnte mich das in das falsche Jahrhundert versetzte Musikgenie bezaubern. Schmaler das Buch, auch weniger Tiefe die Erzählung - und doch, und doch...

Dieses Mal widmet sich die Autorin eher weniger den überlieferten Verschrobenheiten Mozarts, seinen spontanen Einfällen und der sprudelnden Atemlosigkeit seines genialen Geistes. Hier geht es eher darum, dem Geheimnis des Weihnachtsfestes auf die Spur zu kommen. Wie alles andere auch, hat sich der Charakter des heiligen Festes im Laufe der Jahrhundert enorm gewandelt, und auch hier kommt Mozart nicht mehr hinterher.


"Die Menschen, die über den Platz eilten, erschienen ihm wie immer schneller Gejagte, zu keinem Moment des Innehaltens und der Muße fähig. Und selbst jene, die scheinbar müßig zwischen den Buden standen und Becher mit Punsch in den Händen hielten, waren von einer Unruhe oder gar Erregung erfasst, aus der er nicht schlau wurde, die aber etwas mit dem Weihnachtsfest zu tun haben musste. Unaufhörlich wünschte man sich frohe Weihnachten oder ein frohes Fest, als müsse man sich stets aufs Neue des Festes vergewissern, ja, als liefe man gar Gefahr, es ansonsten zu vergessen. Dabei wurde er den Eindruck nicht los, dass all die Aufregung längst um ihrer selbst willen geschah: Alles lärmte, doch keiner schien mehr zu wissen, warum." (S. 37)


W.A. Mozart
Als die kleine Karoline ihn versehentlich für den Weihnachtsmann hält, nimmt der Heiligabend für Mozart einen unerwarteten Verlauf. Statt hungrig und einsam in der kleinen Wohnung seines Freundes zu sitzen, findet er sich plötzlich in einem Familienfest wieder. Natürlich kommt es auchdabei erneut zu allerlei Verwirrungen, weil einer des anderen Verhalten nicht so recht einordnen kann und es so zu zahlreichen Missverständnissen kommt, aber Mozart versteht es dann einfach, mit Hilfe seiner Musik die Unruhe in der Familie zu bändigen, sie aufeinander zuzuführen - und plötzlich auf das Wesentliche des Festes zu stoßen, an das er schon nicht mehr geglaubt hat.

Wieder hat Eva Baronsky eine wundervolle Mischung geschaffen aus amüsanten Szenen, charmanten Begegnungen, behutsamen Denkanstößen und berührenden Passagen - für mich an keiner Stelle überzogen, was mir sehr gut gefallen hat. Durch seinen Charme, seine Lebensklugheit, seinen Witz und nicht zuletzt durch die Musik gelingt es Mozart, dass das Weihnachtsfest für alle eine gelungenes wird - und verabschiedet sich, ganz Connaisseur, als es am schönsten ist.

Eine Begegnung mit dem Zeitreisenden Mozart, die mich einmal mehr mit einem Lächeln zurücklässt...

© Parden










Der Aufbau Verlag schreibt über die Autorin:

Eva Baronsky, 1968 geboren, lebt im Taunus. Für ihren überraschenden und sehr erfolgreichen Debütroman „Herr Mozart wacht auf“ (2009) erhielt sie den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe. Nach „Magnolienschlaf“ (2011) erschien 2015 ihr dritter Roman „Manchmal rot“.

übernommen vom Aufbau Verlag

Sonntag, 10. Dezember 2017

Bolton, Sharon: Dunkle Gebete


DC Lacey Flint ist eine junge Londoner Ermittlerin mit undurchsichtiger Vergangenheit und einem morbiden Interesse an Serienkillern. Mit einem echten Mord hatte sie bisher allerdings nie zu tun – bis eine blutende Frau an der Tür ihres Autos lehnt und in Laceys Armen stirbt. Lacey wird zunächst nur als Zeugin vernommen, doch als sich der Täter in einem blutigen Bekennerbrief unmissverständlich an sie wendet, gibt es kein Zweifel, dass Lacey in dem Fall eine ganz besondere Rolle spielt. Unversehens findet sie sich im Mittelpunkt einer Mordserie, die in irgendeinem Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit stehen muss. Doch wie findet man einen Killer, der sich einen nie gefassten Serienmörder zum Vorbild genommen hat?

(Klappentext Verlagsgruppe Random House)

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (17. Juni 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Marie-Luise Bezzenberger
  • ISBN-10: 3442479428
  • ISBN-13: 978-3442479429
  • Originaltitel: Now You See Me
  • Reihe: Lacey Flint (Band 1)










JACK THE RIPPER IS BACK...



Wow, was für ein Thriller. Hier stellt der im Grunde beeindruckende Umfang (immerhin 512 Seiten) kein Hindernis dar, sondern ein Vergnügen. Denn eigentlich will man hier immer nur eines, nämlich weiterlesen. Sharon Bolton präsentiert mit dem ersten Band um die Ermittlerin Lacey Flint gleich einen überaus spannenden Thriller, der von Geheimnissen und Überraschungen lebt und sich ganz nebenher mit dem Mythos von Jack the Ripper befasst. Denn die Morde, die hier begangen werden, ähneln auffallend exakt denjenigen, die seinerzeit der legendäre Serienkiller beging.

Erzählt wird hier aus der Ich-Perspektive von Lacey Flint, und der Leser bekommt früh den Eindruck, dass die Ermittlerin nicht mit offenen Karten spielt. Zu deutlich ist, dass sie einiges zu verbergen scheint, doch was das mit den aktuellen Fällen zu tun haben soll, ist keineswegs klar. Man bekommt auch kaum wirklich Gelegenheit, darüber nachzudenken, da sich die Ereignisse immer wieder überschlagen und der Druck auf die Polizei steigt. Bestialische Morde ohne ein erkennbares Motiv oder auch nur einen sichtbaren Zusammenhang zwischen den Opfern halten die Ermittler und den Leser in Atem.

Im Rahmen der Ermittlungen präsentiert Lacey Flint den Kollegen vieles zu den Hintergründen der brutalen Taten von Jack the Ripper, der nie gefasst werden konnte. Die junge Ermittlerin sich hat bereits in ihrer Jugend intensiv mit diesem Mythos befasst und im Grunde alles dazu gelesen, was dazu veröffentlicht wurde. Dementsprechend gilt sie unter ihren Kollegen rasch als Expertin der Fälle des legendären Serienmörders. Auch für mich als Leserin offenbarten sich hier zahlreiche unbekannte Details und manch eine überraschende Theorie. Dies fand ich neben dem eigentlichen Fall ungemein spannend und interessant.

Lacey selbst ist ein überaus vielschichtiger, undurchschaubarer Charakter. Einerseits stürzt sie sich regelmäßig ins Nachtleben, geht andererseits aber jedem privaten Treffen unter Kollegen aus dem Weg. Obschon sie recht lebenslustig wirkt, hat sie kaum Freunde und lässt niemanden näher an sich heran. Privat stylt sie sich auf, betont ihre Figur sowie ihr gutes Aussehen, im Dienst gibt sie sich eher wie eine graue Maus, und ihre Dienstkleidung ist mindestens eine Nummer zu groß gewählt. Ein zumindest zwiespältiger jedoch auch liebenswerter Charakter, und durch diese Gegensätzlichkeiten fällt es bis zum Schluss schwer, Lacey wirklich einzuschätzen.

Neben Lacey Flint ist noch DI Dana Tulloch von Bedeutung, die die Ermittlung leitet, und vor allem DI Mark Joesbury. Dieser erfahrene Ermittler reagiert als einziger skeptisch auf den Einsatz von Lacey, in deren Armen immerhin das erste Opfer starb. Joesbury teilt das Gefühl des Lesers, dass mit Lacey irgendetwas nicht stimmt, und tatsächlich zieht der Täter seine Kreise immer wieder auch um die junge Ermittlerin. Das Misstrauen Marks wird allerdings immer wieder aufgeweicht, zumal Lacey mehr als einmal in brenzlige Situationen gerät und sich dabei selten einmal schont. Dann zeigt sich Joesbury verständnisvoll und mitfühlend, und eine gewisse Anziehung zwischen den beiden ist immer wieder nahezu greifbar, auch wenn dieser Aspekt hier nicht dominiert.

Der Thriller ist von der ersten Seite an spannend und erweist sich als zunehmend komplex, so dass der Nervenkitzel garantiert ist. Dazu trägt der flüssige, bildhafte und fesselnde Schreibstil sicherlich bei, der zusammen mit einigen Cliffhangern dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Immer wieder gibt es unerwartete Wendungen, und bis zum Schluss ist garantiert, dass immer noch Überraschendes zutage tritt. Was mich ebenfalls für den Thriller eingenommen hat, ist die Tatsache, dass hier auch der Humor nicht zu kurz kommt. Immer wieder musste ich unvermittelt losprusten, bevor die Spannung mich wieder in Beschlag nahm. Alles in allem eine gelungene Mischung.

Langer Rede kurzer Sinn: dieser Thiller bietet alles, was ich von einem Buch dieses Genres erwarte. Einen intelligenten Plot, Spannung, interessante Charaktere, überraschende Wendungen, Wissenswertes und Humor. Glücklicherweise ist dies erst der erste Band der Reihe um Lacey Flint, und ganz sicher werde ich nach den weiteren Folgen Ausschau halten.

Für Fans dieses Genres einfach nur empfehlenswert!


© Parden







DIE LACEY-FLINT-REIHE BISHER

  • 1. Dunkle Gebete Lacey Flint 1
  • 2. Dead End Lacey Flint 2
  • 3. Ihr Blut so rein Lacey Flint 3
  • 4. Schwarze Strömung Lacey Flint 4










Die Verlagsgruppe Random House schreibt über die Autorin:

Sharon Bolton wurde im englischen Lancashire geboren, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. „Todesopfer“, ihr erster Roman, wurde von Lesern und Presse begeistert gefeiert und machte die Autorin über Nacht zum neuen Star unter den britischen Spannungsautorinnen. Ihrem ersten Triumph folgten mittlerweile acht weitere Thriller – darunter vier mit der grandiosen Ermittlerin Lacey Flint –, in denen Sharon Bolton ihr brillantes Können immer wieder unter Beweis stellte. Sie wurde bereits für zahlreiche Krimipreise nominiert und für "Schlangenhaus" mit dem Mary Higgins Clark Award ausgezeichnet sowie mit dem Dagger in the Library für ihr Gesamtwerk. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Oxford.

übernommen von der Verlagsgruppe Random House

Samstag, 9. Dezember 2017

Greene, Graham: Der dritte Mann


Wien 1945. Russen, Amerikaner, Franzosen und Briten haben die zerstörte Stadt besetzt. In den Trümmern blüht der Schwarzmarkt und Rollo Martins steht vor einem Rätsel: War sein Jugendfreund Harry Lime tatsächlich der gewissenlose Kopf einer Schieberbande?

Ein Spiel mit Licht und Schatten – Annika Siems setzt den Kampf um eine alte Freundschaft im Zeichen von Korruption und Verbrechen eindrucksvoll in Szene. In den sepiafarbenen Tuschezeichnungen der Hamburger Künstlerin werden bekannte Wahrzeichen und der Untergrund der österreichischen Hauptstadt zur Kulisse eines düsteren Versteckspiels. Fast hört man beim Betrachten der Seiten das charakteristische Zither-Thema aus dem Film.

Greene selbst betrachtete die Filmversion des britischen Regisseurs Carol Reed aus dem Jahr 1949 als Endfassung seiner Erzählung. Ob auf Leinwand oder als Roman: Der dritte Mann ist ein beispielloses Zeitdokument der Nachkriegsgeschichte. Noch viel stärker als das gleichnamige Drehbuch fasziniert der Roman durch schwarzen Humor und erzählerische Tiefe, die Annika Siems auf den Spuren von Hans Hillmann (Fliegenpapier) eindrucksvoll visualisiert.

(Klappentext Edition Büchergilde)

  • Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
  • Verlag: Edition Büchergilde; Auflage: 1 (16. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Nikolaus Stangl
  • Illustraionen: Annika Siems
  • ISBN-10: 3864060761
  • ISBN-13: 978-3864060762











EIN BEEINDRUCKENDES ZEITDOKUMENT DER NACHKRIEGSGESCHICHTE...





Den gleichnamigen Filmklassiker aus dem Jahr 1949 werden wohl viele kennen. In ursprünglicher Form und als Novelle aufbereitet wurde die dem Film zugrunde liegende Erzählung 1950 erstmals veröffentlicht. Greene selbst betrachtete die Filmversion des britischen Regisseurs Carol Reed aus dem Jahr 1949 als Endfassung seiner Erzählung.
                             
Die Erzählung spielt im Wien der Nachkriegzeit, unter der Regierung der vier Siegermächte. Trotz der Besetzung durch die Russen, die Amerikaner, die Franzosen und die Briten blüht in Wien der Schwarzmarkt. Unter diesen Gegenbenheiten trifft der wenig erfolgreiche Westernautor Rollo Martins in Österreichs Hauptstadt ein, ohne Geld in der Tasche und auf Einladung seines langjährigen Freundes Harry Lime, der von seinem derzeitigen Engpass erfahren hat und ihm einen Posten anbieten will.

Gleich nach seiner Ankunft erfährt Martins jedoch, dass sein Freund verstorben ist, und kommt gerade noch rechtzeitig zu dessen Beerdigung. Zunächst als Unfall deklariert, tauchen hinsichtlich des Todes von Harry Lime jedoch schon bald Widersprüche in den Zeugenaussagen auf, die Martins misstrauisch werden lassen. Ein Katz- und Mausspiel entspinnt sich alsbald, wobei niemals sicher scheint, wem zu trauen ist und wem nicht. Den Polizeigewalten der verschiedenen Nationen wird hier ebenso Rechnung getragen wie den Tätigkeiten im Untergrund, Freundschaft und Liebe werden ebenso thematisiert wie Korruption, Verrat und Menschlichkeit.

Auch wenn Greene die Erzählung im Grunde nur verfasst hat, um anschließend das Drehbuch schreiben zu können, konnte sie mich doch in vielerlei Hinsicht beeindrucken. So skizziert sie nahezu greifbar die düstere Atmosphäre der Nachkriegszeit, was in dieser ausgesprochen liebevoll gestalteten Ausgabe noch überaus eindrucksvoll unterstrichen wird durch die zahlreichen in Sepia gehaltenen Tuschezeichnungen der Hamburger Künstlerin Annika Siems. Ähnlich wie im Film findet sich in ihren Bildern ein gekonntes Spiel mit Licht und langen Schatten. Zeitweise fühlte ich mich an eine Graphic Novel erinnert, und auch wenn der Vergleich hinkt, nehmen die Illustrationen hier immerhin einen großen Raum ein und unterstreichen die düstere Atmosphäre der Erzählung ganz hervorragend! Hier bilden Text und Zeichnungen eine absolut stimmige Einheit.


Intensiver als im Film wird im Roman auf die Zusammenhänge der Ereignisse mit den spezifischen Bedingungen im Wien der Nachkriegszeit eingegangen, so dass sich mir diese eingängig erschlossen. Dadurch empfand ich diesen Roman nicht nur als eine spannende Erzählung sondern wenigstens genauso als grandioses Zeitdokument der Nachkriegsgeschichte. Während der Film sicher durch eine gelungene Regie und Kameraführung punkten kann, sowie durch seine Besetzung mit Orson Welles und das charakteristische musikalische Thema (das ich übrigens seit Tagen als Ohrwurm nicht mehr loswerde), besticht der Roman durch eine größere erzählerische Tiefe sowie zu meinem Erstaunen auch durch einen immer wieder geschickt pointierten schwarzen Humor. Roman und Film stimmen nicht in allen Punkten überein, und welche Version einem besser gefällt, ist sicher Geschmackssache. Insgesamt fand ich die Erzählung selbst versöhnlicher als den Film.

Tatsache ist: beides lohnt sich - der Film ebenso wie der Roman selbst. Und mit dieser prachtvollen Ausgabe der Editon Büchergilde holt man sich ein wahres Schmuckstück ins Regal. Wer hier alle für meine Verhältnisse ungewöhnlich häufig verwendeten Lobeshymnen zusammenzählt, der ahnt schon: von mir kann es hier nur die Höchstwertung geben...


© Parden









Die Edition Büchergilde schreibt über den Autor:

Graham Greene (1904–1991) zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Sein erster Roman, The Man Within, beschrieb bereits den Konflikt zwischen Gut und Böse, der im Zentrum von Greenes Werk steht. Für The Power and the Glory erhielt er den Hawthorne-Preis. Greene wurde mehrmals als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt.

übernommen von der Edition Büchergilde



Die Edition Büchergilde schreibt über die Illustratorin:

Annika Siems wurde 1984 in der Nähe von Hamburg geboren. Sie studierte Mode und Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg sowie an der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris. Seit ihrem Diplom arbeitet sie als freischaffende Künstlerin, ihre Arbeiten werden international ausgestellt.

übernommen von der Edition Büchergilde

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Schmidt, Jochen: Zuckersand


Karl, zwei Jahre alt, entdeckt die Welt und sein Vater möchte ihm dabei nicht im Wege stehen. Karls Expeditionen in die Gegenstandswelt von Wohnung und Straße, Spielplatz und Geschäften, die sein Vater liebevoll begleitet, lösen zahlreiche Erinnerungen und Betrachtungen über dessen eigene Kindheit und deren Gegenstandswelt aus. Der Vater will nicht nur Karls Kindheitsglück, sondern auch die Dinge seiner eigenen Kindheit retten und bewahren. Dies ist nicht der einzige Konflikt in seiner innigen Beziehung zu Karls Mutter Klara, die in der Denkmalschutzbehörde arbeitet, und aus dem Büro per SMS Anweisungen zu Karls Erziehung schickt. Und die Aussicht, endlich eine gemeinsame Wohnung zu beziehen, gefährdet zugleich die "Wunderkammer" voller bedeutungsvoller Gebrauchsgegenstände, die der Ich-Erzähler zu Hause hütet…

(Klappentext C.H. Beck Verlag)


  • Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (16. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340670509X
  • ISBN-13: 978-3406705090











VATER WERDEN IST NICHT SCHWER...



Richard betreut als Werbetexter für 'Die neue Hausfrau' seinen zweijährigen Sohn Karl zu Hause, während Karls Mutter Klara vollzeit berufstätig ist. Eine immer noch eher ungewöhnliche Rollenverteilung, die dem Vater jedoch Gelegenheit gibt, seinen Sohn intensiv zu beobachten, so dass ihm möglichst nichts von dessen Entwicklung entgeht. Um ganz sicher zu gehen, schreibt der Vater seine Beobachtungen täglich akribisch auf, schickt Klara gelegentlich auch eine SMS, um sie ebenfalls an allem teilhaben zu lassen.


"Karl probierte aus, ob sich das tropfende Wasser ohne Schirm besser anfühlte, er jauchzte begeistert, weil er naß wurde. Was passiert mit der Freude, die wir als Kind an so etwas haben? Wogegen tauschen wir sie ein, wenn wir groß werden? Oder bekommen wir gar nichts als Ersatz?"


Doch nicht nur die Beobachtungen Richards bringen dem Leser die Welt aus Kinderaugen nahe, sondern auch seine Reflexionen - nur zu oft gleiten des Vaters Gedanken zurück in das Erleben seiner eigenen Kindheit, so dass hier im Grunde zwei parallele Kindheiten präsentiert werden. Kleinigkeiten geraten hier in den Fokus, was Freunden von Spannunsgliteratur langweilig vorkommen mag. Doch genau dies geschieht im Erleben der Kinder: Kleinigkeiten gewinnen eine immense Bedeutung.

Der Schreibstil ist genau und scharf in seinen Schilderungen, passend zu den häufigen Rückblenden in die Vergangenheit auch in der alten Rechtschreibung gehalten, und doch gibt es auch immer wieder poetische Passagen:


"Ich hatte Sehnsucht nach Klara. Wenn einer von uns vom Sofa aufstand, um neues Eis aus der Küche zu holen, versuchten wir immer, unsere Verflechtung so behutsam wie möglich zu lösen, die Hand noch ein bißchen über den Körper des anderen gleiten zu lassen, so daß es sich anfühlte wie bei Eiskunstläufern, wenn sie für Momente auseinanderstreben, um dann mit Anlauf um so spetakulärer wieder zusammenzufinden und im Kreis zu wirbeln. Es mußte viel schwieriger sein, wenn noch ein kleines Kind dabei war, das nicht Schlittschuh laufen konnte."


Vierzehn lose zusammenhängende Kapitel werden begleitet von vierzehn von Line Hoven gezeichnete Vignetten, die, in schwarzweiß gehalten, den Text passend unterstreichen. Ein leiser Roman, der die Welt mit Kinderaugen sehen lässt und eigene Erinnerungen wachzurufen vermag. Mir hat er gefallen...


© Parden









Jochen Schmidt, geboren und aufgewachsen in einem christlich geprägten Elternhaus in Ost-Berlin, ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Seine Eltern sind beide Sprachwissenschaftler. Nach dem Abitur 1989 studiert Schmidt zunächst Informatik, dann Germanistik und Romanistik an der Humboldt-Universität in Berlin. Während seines Studiums arbeitet er als Französisch-Übersetzer und reist nach Valencia, Rom oder New York. Er schreibt Kolumnen für verschiedene Zeitungen, Reiseführer, Blogeinträge und Kurzprosa und ist 1999 Mitbegründer der Berliner Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“. Jochen Schmidt wird für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise ist er Träger des Kasseler Literaturpreises. Große Bekanntheit erlangt Schmidt, als er von Juli 2006 bis Januar 2007 jeden Tag 20 der 3900 Seiten von Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ liest und täglich einen Blogeintrag dazu verfasst. Diese Blogeinträge werden 2008 in Buchform herausgegeben und erhalten durchweg positive Kritiken. Jochen Schmidt lebt in Berlin und ist ein aktives Mitglied der Autonama, der deutschen Autorennationalmannschaft.

übernommen von Lovelybooks

Samstag, 2. Dezember 2017

BlogPost Nr. 110: Unsere Neuerwerbungen im November 2017


Der graue Monat November... Was liegt näher, als mit ein paar Neuzugängen frische Farbe in unsere Regale zu holen? Hier seht Ihr unsere neuen Schätze...





Anne Parden


Im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks erreichte mich - wie Uwe auch - endlich Band 4 der Reihe um John Finch. Da das vom Verlag versandte Exemplar nicht bei mir ankam, erreichte mich schließlich ein vom Autor signiertes Exemplar. Dafür herzlichen Dank!

Eine erhängte Mumie in einem verlassenen Haus, geheimnisvolle chinesische Schriftzeichen, drei erdrosselte Männer - der Berliner Kommissar Calis steht vor einem Rätsel. Eher zufällig gerät John Finch, ein alter Bekannter des Ermittlers, hinein in diese Gemengelage. Und befindet sich, ehe er sichs versieht, auf einer Jagd nach Geheimnissen zwischen Ost und West, die untrennbar miteinander verwoben sind und die in die dunkelsten Ecken der Vergangenheit führen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...


Ein Rezensionsexemplar der Edition Büchergilde erreichte mich über eine Leserunde bei Whatchareadin. Darüber freue ich mich ebenfalls sehr!

Wien 1945. Russen, Amerikaner, Franzosen und Briten haben die zerstörte Stadt besetzt. In den Trümmern blüht der Schwarzmarkt und Rollo Martins steht vor einem Rätsel: War sein Jugendfreund Harry Lime tatsächlich der gewissenlose Kopf einer Schieberbande? Ein Spiel mit Licht und Schatten – Annika Siems setzt den Kampf um eine alte Freundschaft im Zeichen von Korruption und Verbrechen eindrucksvoll in Szene. In den sepiafarbenen Tuschezeichnungen der Hamburger Künstlerin werden bekannte Wahrzeichen und der Untergrund der österreichischen Hauptstadt zur Kulisse eines düsteren Versteckspiels. Fast hört man beim Betrachten der Seiten das charakteristische Zither-Thema aus dem Film.


Band 5 der Reihe ist endlich erschienen - und netterweise darf ich hier wieder im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks mitlesen. Ich bin schon total gespannt auf das Buch!

Nach den dramatischen Ereignissen in Yonderwood hoffen Jemma, Jamie, Zack und ihre Freunde eigentlich bloß auf Ruhe, die Rückkehr in den Alltag und einen coolen Ausflug nach CyberLondon, der neuen Simulationswelt in der CyberWorld. Doch was als netter Abend in der CyberCity geplant war, wird schon bald zu einem tödlichen Wettlauf gegen die Zeit, denn Terroristen kapern die Stadt – und sie kennen kein Erbarmen…


Und ein Buch habe ich mir tatsächlich selbst gekauft. Band 3 der Reihe um das Buchland - ich muss schließlich wissen, wie die Geschichte ausgeht!

Das Buchland ist tot, das Antiquariat verlassen. Nach dem verheerenden Brand ist Beatrice ihre eigenen Wege gegangen und widmet sich ganz dem neuen Familienleben. Doch die Vergangenheit holt sie wieder ein, als ein geheimnisvoller Uhrmacher namens Nemo in die Nachbarschaft zieht. Gemeinsam mit ihm und der Homunkula Chaya muss sie sich ein letztes Mal in der unendlichen Bibliothek behaupten, auf einer Reise zwischen Realität und Phantasie.





KaratekaDD


11.11.2017. KaratekaDD war heute auf einer Buchlesung mit Musik. Davon word noch zu lesen sein. Jedenfalls war der Autor der hier schon bekannte Ralf Günther und wenn so ein Autor aus seinen Werken liest, dann legen da in der Nähe sicher auch einige Kaufexemplare. Und so kam KaratekaDD zu dem historischen Roman DIE THEATERGRÄFIN und, weil Weihnachten vor der Tür steht, zu JESUSMARIAUNDJOSEF, was einen Heidenspaß verspricht, denn er erzählt was vor 2000 Jahren wirklich los war.


Vor einigen Tagen war John Finch zum Vierten in der Post. Gerd Schilddorfer lässt bekannte Figuren nach dem Zerberus-Schlüssel suchen und dazu begibt sich ein deutsches Schiff 1940 in das Eismeer. Im Jahr 1970 trifft ein gewisser Schuhmann alias Alexander Schalck-Golodkowski auf unseren Piloten.  Das der wirklich mal so im Außendienst war? Ansonsten bleiben ein paar Leute auf der Strecke und die Jugend des alternden Piloten wird auch näher beleuchtet. Es riecht nach TRIADEN, die Briten Compton und Llewellyn spielen auch wieder mit und ein gewisser Rebus. Die Leserunde auf Lovelybooks ist auch voll im Gange.
Stürzen wir uns also ins Getümmel.



TinSoldier

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Freitag, 1. Dezember 2017

BlogPost Nr. 109: Zusammenfassung der Beiträge im November 2017


In der ersten Novemberhälfte war es auffallend still im Blog. Aus unterschiedlichen Gründen fehlte die Zeit und Konzentration für den Blog, aber in der zweiten Hälfte wurde es wieder lebendiger... Ein bisschen ist da also doch noch zusammen gekommen.




Wie gewohnt gab es zu Beginn des Monats wieder zwei BlogPosts - Nr.107 zeigte die Zusammenfassung unserer Beiträge im Vormonat, Nr. 108 präsentierte unsere Neuerwerbungen im Oktober.


Anne durfte im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks den neuesten Roman von Philippe Claudel lesen: DIE KOSTBARKEIT DES FLÜCHTIGEN LEBENS. Zugegeben, dieser Roman ist anders, als Anne es zunächst erwartet hatte. Nach dem Klappentext vermutete sie, etwas über die monatelange Begleitung Eugènes bis zu dessen Tod zu lesen, doch erweist sich dieser Tod hier nur als Stein des Anstoßes. Des Anstoßes zu einer tiefsinnigen Gedankenreise des bis zum Schluss namenlosen Erzählers - mit Einblicken in sein Leben, sein Schaffen, seine Gefühlswelt. Ähnlich wie Filmeinblendungen reihen sich auch hier einzelne Szenen aneinander, oft ohne einen direkten Bezug zueinander, aber aufgereiht wie Perlen auf einer kostbaren Kette doch ein großes Ganzes ergebend. Ein Buch der leisen Töne und der großen Gedanken - Tod und Leben, zwei Pole unseres Daseins, verpackt in einen wundervollen Roman...

Nach 'Letzter Mann im Turm' ist dies das zweite Hörbuch von Aravind Adiga, das Anne genossen hat. Wer schon immer etwas über das Leben in Indien abseits der Bollywood-Welt wissen wollte, der liegt mit diesem Debüt von genau richtig. DER WEISSE TIGER enttarnt sukzessive eine durch und durch korrupte Gesellschaft, die empörende Scheindemokratie Indiens, das zerrüttete Rechtssystem und die zynische Arroganz der Reichen, die ihr Vieh besser behandeln als ihre Dienerschaft. Es ist ein Buch, das die Augen öffnet. In jeder Hinsicht. Gekonnt gelesen von Jens Wawrczeck.

Mit DAS HAUS DES WINDES hat Anne eines ihrer Jahreshighlights gelesen. Dieser Roman ist ein großartig erzähltes, realistisches, hochspannendes Buch über den indianischen Alltag im Reservat, über Identität, Traditionen und überlieferte Mythen. Es ist auch eine Coming-of-Age-Erzählung, ein Krimi, sowie eine politische Anklageschrift über die immer noch vorhandene Rechtlosigkeit der Ureinwohner Nordamerikas: Indianernationen haben keinerlei Souveränität über Nichtindianer, die sich in ihren Reservaten aufhalten, und können sie im Falle eines Verbrechens nicht belangen. Eine gelungene Mischung, die Louise Erdrich hier präsentiert und zu einer deftig-traurig-komisch-packenden Geschichte verwebt.


Ab und zu darf es für Anne auch ein Sachbuch sein. INSIDE DUISBURG MARXLOH war für sie vor allem aus beruflicher Hinsicht interessant. Franz Voll hat intensiv recherchiert und sechs Monate lang mit vielen Menschen in und um Marxloh gesprochen. Eine interessante Lektüre, die manche Vorurteile bestätigt, aber auch die anderen Seiten des Stadtteils zeigt. Dies sollte für alle Politiker zur Pflichtlektüre werden...


Im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin las Anne auch diesen Roman von der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises. Die Erzählung will nicht gefallen, sie ist sperrig wie ihr Hauptcharakter, sie fordert.WALTER NOWAK BLEIBT LIEGEN von Julia Wolf ist ein Roman mit einem außergewöhnlichen Schreibstil und einer reinen Aneinanderreihung von Gedanken - und damit etwas Besonderes, Originelles. Sicher nichts für jedermann, aber Anne hat es wider Erwarten richtig gut gefallen.


ZWISCHEN LEBEN UND ICH ist ein schmaler Band mit Kurzgeschichten von Melanie Völker. Einzeln gelesen, können die Geschichten einen Ruhepol im hektischen Alltag darstellen, voller Farben, Bilder und Wärme, und nebenher noch einen kleinen Gedankenanstoß geben, um bei aller Hektik im Leben das Träumen nicht zu vergessen, um zu versuchen, alles im Gleichgewicht zu halten, um zu überprüfen, ob der eingeschlagene Weg noch der eigene ist. Anne hat diese kleine Sammlung gut gefallen!

Schauen wir mal weiter. Die RUNENZEIT-Saga hat der KaratekaDD nun abgeschlossen. Die Zeitreise in die Zeit, als Arminius die Legionen des Varus und später des Germanicus schlug: Etwas anders erzählt. Von Matk Bredemeyer.

Hier geht es zur RUNENZEIT-Seite und hier zur Besprechung von Band 5 und 6


Einen Jugend-Fantasy-Kurz-Roman hat Anne mit DIE UNGLAUBLICHE WAHRHEIT ÜBER PFÜTZEN von Katharina Prietzel gelesen. Ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte sicherlich gut getan, doch trotz kleiner Kritikpunkte fühlte Anne sich insgesamt gut unterhalten...


Mit DAS FLOSS DER MEDUSA hat Anne ein Buch von der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises gelesen. Mit seinen knapp 600 Seiten wird hier eine historisch verbriefte Geschichte von Verrat, Gewalt, Verzweiflung und Überlebenswillen erzählt. Doch dient das Trommelfeuer grässlicher, schockierender und monströser Szenen nicht allein der Erzählung der historischen Begebenheiten - Franzobel hat hier unter gekonnter Vermischung von Fakten und Fiktion vielmehr eine verstörende Allegorie auf die Menschennatur verfasst. Kein bequemes Buch, sondern ein Roman, der seinem Leser viel abverlangt. Anstrengend aber lesenswert!


Man kann einfach nicht immer nur anspruchsvolle Literatur lesen. Und so genoss Anne den kurzen Ausflug in die Welt der Frauenromane. Mit ZEIT DER APFELROSEN erwischte sie diesmal einen Kurzroman von Gabriella Engelmann. Bis auf das arg weichgespülte Ende eine überzeugende Vorstellung. Es müssen eben nicht immer die dicken Schinken sein - auch in der Kürze kann die Würze liegen...


Ein schräges Debüt hat Anne mit BRIEFE AN DIE GRÜNE FEE gelesen. Ein Briefroman von Salih Jamal, der Anne nicht wirklich überzeugen konnte. Vor allem die Arroganz und Überheblichkeit des Hauptcharakters sorgten beim Lesen für deutliche Verärgerung, und überhaupt war es schwer, hier einen wirklichen Zugang zu finden. Doch einige poetische Passagen trösteten über den ansonsten oft rauen und vulgären Schreibstil hinweg. Alles in allem ein ambitioniertes Debüt, das für Anne jedoch klar über das Ziel hinausschießt.