Sonntag, 29. Januar 2017

Sabisch / Lünstedt: Sophie Scholl

Am 14. Januar des Jahres 2017 meinte eine AFD Kreisgruppe, sie könnte einen Ausspruch aus dem ersten Flugblatt der Weißen Rose politisch für ihr Zwecke benutzen und legte ihn der Sophie Scholl in den Mund.

Dies ist der Anlass, ein Buch zu besprechen, welches im Zuge von literarischen Aktionen gegen das Vergessen den Weg zu mir fand. Auf der Suche nach Hannas Koffer fand ich in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Ravensbrück neben anderen Büchern die Graphic Novel von Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt über Sophia Magdalena Scholl, geboren 1921 und unter dem Fallbeil ermordet am 22. Februar 1943.


Wiederholt stellt sich die Frage, ob eine solche Geschichte in dieser Form erzählt werden kann. Es gibt unzählige Bücher und Dokumente über die Weiße Rose. Auch wurde deren Geschichte mehrfach verfilmt. Und nun also wieder einmal eine Graphic Novel, eine Bildergeschichte.




* * *

Die Geschichte beginnt 1937. In Ulm lernt Sophie den Offizier Fritz Hartnagel kennen. Es dauert nicht lange und sie stellt ihn ihrer Familie vor. Die junge Frau verlor inzwischen die Begeisterung für die Jungmädel beim Bund deutscher Mädchen und auch ihrer Brüder haben mit der HJ nicht mehr viel am Hut. Im Jahr 1939 muss Fritz in den Krieg ziehen, der Briefwechsel, der nun beginnt, wird viele Jahre später der Biografie der jungen Widerstandskämpferin viele Impulse geben.

Dieser Briefwechsel lässt beide reifen, den älteren Oberleutnant und die angehende Studentin. Dieser Briefwechsel nimmt auch in dieser Geschichte einen breiten Raum ein. Sophie sieht den Soldatenberuf sehr kritisch während Fritz noch versucht, darin eine Lebensaufgabe zu sehen.

„Mein lieber Fritz, für Dich geht jetzt jedenfalls so recht das Geschäft los. Aber ich habe Euer Geschäft nicht gern. Und ich hoffe, dass ihr so recht bald damit fertig seid“

"Liebe Sophie! Endlich kann ich dir ein Lebenszeichen schicken. Ich sitze im Schwarzwald und bin Adjutant bi einer Nachrichtenabteilung. Wir warten nun stündlich, dass es auch hier zum Knallen kommt. Wenn wir es auch nicht wollen, so freuen wir uns natürlich insgeheim darauf, unsere Kriegsschulkenntnisse und Friedenstheorien in die Praxis umzusetzen.

"Lieber Fritz, ich kann es nicht begreifen, dass nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für das Vaterland."

"Liebe Sophie, du bringst mich in einen großen Konflikt, wenn du mich nach dem Sinn des ganzen Blutvergießens fragst. Vor zwei Jahren hätte ich dir vielleicht eine Antwort darauf geben können. Ich glaubte ausgereift und mir über all diese Dinge im Klaren zu sein. Aber heute komme ich mir vor wie ein ganz kleiner Junge, der am Anfang seiner Entwicklung steht. Daran bist zum großen Teil du schuld."

"Mein lieber Fritz, der Hoffnung, dass der Krieg bald beendet ist, geben wir uns nicht hin. Obwohl man hier der kindlichen Meinung ist, Deutschland würde England durch Blockade zum Ende zwingen. Wir werden ja alles noch sehen." (Seite 13)

Diese Briefe stammen wohl aus dem Jahre 1939. Der Krieg hat gerade erst begonnen und dieses junge Mädchen schreibt diese Zeilen, achtzehn Jahre alt, während das „Volk“ dem Führer zujubelt und der Vergeltung für die  „Schmach von Versailles.“

Der Weg des Krieges führt Hartnagel bis Stalingrad


1942 / 1943: Nachdem Sophie Scholl im Arbeitsdienst war und anschließend ein Praktikum für die Ausbildung als Kindergärtnerin absolvierte, wird sie an der Universität München immatrikuliert. Die Biologie- und Philosophiestudentin muss in den Semesterferien in einer Munitionsfabrik arbeiten, der Bruder und die Freunde, Angehörige einer sogenannten Studentenkompanie, sie sind als Medizinstudenten auch Soldaten, müssen wieder an die Front. Die anderen Mitglieder der Weißen Rose, Schmorell, Scholl und Graf, hatten das Warschauer Ghetto gesehen hatten und Kenntnis von Massenerschießungen und Hinrichtungen.


Szenenfoto aus Die Weiße Rose


Im Januar 1943 sind sie wieder zurück und Sophie stößt endgültig und aktiv zur Widerstandsgruppe dazu. Zu diesem Zeitpunkt waren die Flugblätter eins bis vier bereits veröffentlicht, daher hatte Sophie Scholl von dem Text auf dem Plakat der AFD nur Kenntnis, weil sie es nun wohl gelesen hat. Erst ab Flugblatt fünf dürfte sie aktiv an der Erstellung, Vervielfältigung und Verbreitung beteiligt gewesen sein.


Doch zurück zum Buch. Zum 40. Jahrestag der Universität gibt es eine Festveranstaltung, in deren Folge eine kleine Studentenrevolte. Die festgenommenen Studenten werden wieder freigelassen. Am 18. Februar verteilten sie in der Universität das Flugblatt Nr. 6, infolge dessen werden sie verhaftet. Um ihren Bruder und den mitverhafteten Christoph Probst zu schützen, leugnet Sophie letztlich keinen der vorgehaltenen Tatbestände. Am 22. Februar 1943 dauert es zwischen Beginn des Prozesses vor dem Volksgerichtshof, angereist aus Berlin extra dessen Präsident Freisler und der Hinrichtung unter dem Fallbeil der drei Angeklagten Hans, Sophie und Christoph ungefähr SIEBEN (!) Stunden. Dass die Geschwister ihre Eltern noch einmal sehen können (siehe Film Die weiße Rose), erscheint angesichts dieser Prozessführung wie ein Hohn.






Fritz Hartnagel erhält Post im Lazarett an der Front: Die Eltern der Geschwister Scholl bitten ihn, als Stalingradkämpfer ein Gnadengesuch einzureichen, doch es ist schon lange zu spät. Fritz besucht die Eltern und erhält dann viele Briefe von Sophie.

Am 21. Juni 1943 erklärt Thomas Mann in der BBC:

„In diesem Sommer wurde die Welt aufs tiefste bewegt von den Vorgängen an der Münchener Universität, wovon die Nachricht durch Schweizer und schwedische Blätter, erst ungenau, dann mit immer ergreifenderen Einzelheiten, zu uns gedrungen ist. Wir wissen nun von Hans Scholl, dem Überlebenden von Stalingrad, und seiner Schwester, von Christoph Probst, dem Professor Huber und all den andern; von dem österlichen Aufstande der Studenten gegen die obszöne Ansprache eines Nazi-Bonzen im Auditorium Maximum, von ihrem Märtyrertod, von der Flugschrift, die sie verteilt haben und in der Worte stehen, die vieles gutmachen, was in gewissen unseligen Jahren an deutschen Universitäten gesündigt worden ist.“ [1]


Thomas Mann - BBC


* * * 

Die Briefe von Fritz Hartnagel und Sophie Scholl haben viel zur biografischen Arbeit über die junge Frau beigetragen. Von diesen Briefen weiß auch Elisabeth Hartnagel [2] , die später den einstigen Freund ihrer Schwester heiratete. Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 2001 ermunterte Fritz seine Frau, diese Briefe zu lesen. Sie tippte später eine Reihe davon für das Buch Damit wir uns nicht verlieren: Briefwechsel 1937–1943  [3]





EIN DEUTSCHES FLUGBLATT: Das Manifest der Münchner Studenten wird in Lübeck und Hamburg von Bombern mit abgeworfen: „Wir werdenden Krieg sowieso gewinnen. Aber wir sehen nicht ein, warum die Vernünftigen und Anständigen in Deutschland nicht zu Wort kommen sollen. Deswegen werfen die Flieger der RAF zugleich mit ihren Bomben jetzt dieses Flugblatt, für das sechs junge Deutsche gestorben sind, und das die Gestapo natürlich sofort konfisziert hat, in Millionen Exemplaren über Deutschland ab.“ [4]


Es ist die Tragik des Krieges, dass durch die mit diesen Flugblättern abgeworfenen Bomben tausende Menschen der Zivilbevölkerung umkamen. Darunter waren sicher auch Menschen, die ähnlich wie die Geschwister Scholl dachten.

„Goethe spricht von den Deutschen als einem tragischen Volke, gleich dem der Juden und Griechen, aber heute hat es eher den Anschein, als sei es eine seichte, willenlose Herde von Mitläufern, denen das Mark aus dem Innersten gesogen und die nun ihres Kerns beraubt, bereit sind, sich in den Untergang hetzen zu lassen. Es scheint so -- aber es ist nicht so; vielmehr hat man in langsamer, trügerischer, systematischer Vergewaltigung jeden einzelnen in ein geistiges Gefängnis gesteckt, und erst als er darin gefesselt lag, wurde er sich des Verhängnisses bewußt. Wenige nur erkannten das drohende Verderben, und der Lohn für ihr heroisches Mahnen war der Tod. Über das Schicksal dieser Menschen wird noch zu reden sein.“  [5] (Aus dem Flugblatt Nr. 1)


Elisabeth Hartnagel meinte, es wäre ihrer Schwester sicher nicht recht gewesen, zur „Ikone zu werden“. Die Weiße Rose hätte es ohne Hans Scholl und Alexander Schmorell (und der anderen) nicht gegeben. Beide hätten die ersten vier Flugblätter verfasst, „Ohne Sophie schon.“ [6]

Der Historiker Golo Mann schrieb 1958 über die „Weiße Rose“: „Sie fochten gegen das Riesenfeuer mit bloßen Händen, mit ihrem Glauben, ihrem armseligen Vervielfältigungsapparat gegen die Allgewalt des Staates. Gut konnte das nicht ausgehen, und ihre Zeit war kurz. Hätte es aber im deutschen Widerstand nur sie gegeben, die Geschwister Scholl und ihre Freunde, so hätten sie alleine genügt, um etwas von der Ehre des Menschen zu retten, welcher die deutsche Sprache spricht.“[7]

* * * 




Der Abspann des Films von Michael Verhoeven aus dem Jahr 1982 beinhaltet eine Aussage die erschüttert:

Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs
  1. waren die Paragraphen, nach denen die Widerstandskämpfer wie die Weiße Rose verurteilt wurden, kein Bestandteil des NS-Terrorsystems, sondern geltendes Recht.
  2. haben Widerstandskämpfer wie die Weiße Rose objektiv gegen diese damals geltenden Gesetze verstoßen.
  3. war ein Richter des Volksgerichtshofs... den damals geltenden Gesetzen unterworfen.
  4. konnte Widerstandskämpfern wie die Weiße Rose dennoch strafrechtlich kein Vorwurf gemacht werden, wenn sie in der Absicht, ihrem Land zu helfen, gegen diese damals geltenden Gesetze verstoßen haben.
  5. kann aber‚ einem Richter, der damals einen Widerstandskämpfer in einem einwandfreien Verfahren für überführt erachtete, heute in strafrechtlicher Hinsicht kein Vorwurf gemacht werden, wenn er angesichts der damaligen Gesetze glaubte, ihn zum Tode verurteilen zu müssen.“ [8]


Wenn sie nicht bestraft werden konnten: Aber geltendes Recht?
Diese verqueren Gedanken der Justiz siebenunddreißig Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes wurden inzwischen revidiert. 
Endlich, im Jahre 1998 wurden durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile (NS-AufhG) die Urteile des Volksgerichtshofes und der Standgerichte aufgehoben. Im Jahr 2002 wurde dies auch für die Militärgerichte z.B. wegen derer Urteile gegen Deserteure angewendet. [9]

Damit komme ich zurück zum Anfang. Die AFD [10] legte dieses Zitat aus dem Flugblatt Nr 1. der Sophie Scholl in den Mund:


 „Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique »regieren« zu lassen.[11]




Unwürdig eines Kulturvolkes ist es, wenn eine Herrschaftsclique nach dreitägigen „Ermittlungen“ in einem knapp sechsstündigen Prozess die Angeklagten zum Tode verurteilt und das Urteil drei Stunden später vollstreckt. Ohne die Möglichkeit von Berufung oder Revision. Der Bundesgerichthof hat sich bis über die deutsche Wiedervereinigung hinaus schwergetan, diese Unrechtsurteile aufzuheben. Jedoch, er hat es getan und der Film von Michael Verhoeven war dazu vermutlich ein wichtiger Schritt auf dem Weg. Die von christlicher Erziehung geprägten Geschwister Scholl wussten ganz genau, was und wen sie mit Herrschaftsclique meinten. Mit dem Wahlplakat vergleicht eine Kreisgruppe einer deutschen Partei die heutige Bundesregierung mit dieser Herrschaftsclique. Nebensächlich dabei ist, dass sie auch noch behauptet, Sophia Magdalena Scholl wäre die Verfasserin. Wo steht diese AFD?

Wer seine Regierung nicht mehr will, der wähle sie ab. Vergleicht er diese mit einem verbrecherischem Regime, dann vergleicht er sinngemäß auch die Rechtssysteme. Das Rechtssystem der Herrschaftsclique, die die Angehörigen der Weißen Rose ablehnten, bestrafte sie dafür mit dem Tod. Welches Rechtssystem will die AFD?

Was zeigt uns dies? Nicht nur aus Gründen der Erinnerung und der Mahnung sind Bücher, Filme und  Dokumentationen notwendiger denn je, denn sie können aufklären. Dies gilt ganz sicherlich auch für diese Bildergeschichte.

Bernd Höcke, Landesvorsitzender der AFD in Thüringen hat am 17. Januar 2017 in seiner Rede in Dresden gesagt: Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Er meinte, dass die „deutsche Geschichte [auch dadurch] mies und lächerlich gemacht [würde]. [12] Er würde lieber auf die kulturellen und geistigen Errungenschaften und die damit verbundenen wirklich großen Persönlichkeiten deutscher Geschichte eingehen. So könnte man ihn verstehen. Die Rede wurde wurde viel diskutiert. Unter anderem hier.


Quelle: wikipedia
Ja, man könnte meinen, es sei ein Denkmal der Schande eines Volkes, welches zuließ, dass eine Clique sich zu Völkermord und Krieg verschwor, und dass diese Clique das Volk mit auf diesen Weg nahm und über große Teile dafür bejubelt wurde. Es sind zwölf Jahre einer Geschichte von Jahrhunderten. Über das Holocaust - Denkmal, zum Beispiel über die Größe, über die Gestaltung, kann man unterschiedlicher Meinung sein. Es gemahnt aber eben nicht einfach an die schlimmste Zeit unserer Geschichte im Sinne der Schande, es steht für die Ermordeten, Gequälten und letztlich nicht nur für Juden oder Sinti und Roma. Es steht auch für die, die in diesen zwölf Jahren aufrecht standen und sich wehrten. [13]

„Hier sehen wir das fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen, ein Verbrechen, dem sich kein ähnliches in der ganzen Menschengeschichte an die Seite stellen kann. Auch die Juden sind doch Menschen -- man mag sich zur Judenfrage stellen wie man will --, und an Menschen wurde solches verübt.“ [14] (Aus dem Flugblatt der Weißen Rose Nr 2)

Das Denkmal steht dafür am Ausgangspunkt des Verbrechens und ist Mahnung dafür, was Menschen den Menschen zufügen können. Auch heute noch in manchen Teilen dieser Welt.

Schauen wir also hinter die Kulissen derer, die heute meinen, wieder einmal die Wahrheit für sich gepachtet zu haben.

* * *

Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt haben eine Comic-Biografie vorgelegt, die sich dadurch auszeichnet, dass ihr Mittelpunkt nicht so sehr die Teilnahme an den Aktionen der Widerstandsgruppe Weiße Rose ist, die Autoren haben die Aufmerksamkeit viel mehr auf die junge Frau und ihren Freund in aller Widersprüchlichkeit der jungen Liebe gelegt. In einem Nachwort schreibt Dr. Hildegard Kronawitter unter Bezugnahme auf die Biografie von Barbara Beuys, dass es für Sophie Scholl „eine Sache der Moral und der Politik, des Denkens und des Handelns“ war, als sie in den Vernehmungen keine Ausflüchte suchte, genau wissend, was sie im schlimmsten Fall erwartete.


 Sie schreibt auch, dass die musische Begabung der jungen Frau und ihre sprachliche Eloquenz in ihren Briefen und Tagebüchern zum Ausdruck kommt. „Mit poetischen Worten rührt sie unser Herz und lässt uns ihre persönlichen Einsichten und Motive nachvollziehen. Sie gewinnt unsere Empathie, und über sie wenden wir uns alles Helden der Widerstandsgruppe Weiße Rose zu“ [15]
 

Dafür nun muss man wohl den Briefwechsel lesen, diese hier vorliegende Graphic Novel zeigt sicherlich nur Auszüge aus diesem. Im Sinne von Elisabeth Hartnagel, der Schwester von Sophie Scholl, wäre dieses Nachwort sicherlich nicht so ganz. Auch, oder eben auch weil es richtig ist, dass der Name Scholl an Plätzen, Straßen, Schulen zu finden ist.
Vielleicht auch interessiert sich die junge Leserin, der junge Leser für die Biografie nach der Lektüre der Bildergeschichte, welche die bisherige Literatur wirklich gut ergänzt.

DNB / Knesebeck / München 2015 / ISBN: 978-3-86873-807-0


© KaratekaDD



Quellen:

 1  Thomas Mann, Radiorede an Deutsche Hörer vom 27. Juni 1943, zitiert nach Thomas-Mann-Förderkreis München e.V. - https://de.wikiquote.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Rose
2 http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Die-letzte-Angehoerige-der-Scholl-Geschwister-id24155466.html
3 http://www.fischerverlage.de/buch/damit_wir_uns_nicht_verlieren/9783596179398
4 http://www.qsl.net/dl8gbk/weisserose/Ein_Deutsches_Flugblatt-Manifest_der_Muenchner_Studenten.htm
5 http://gutenberg.spiegel.de/buch/flugblatter-der-weissen-rose-4280/1
6 vergl. Text lfd. Note 2
7 http://www.stern.de/politik/geschichte/geschwister-scholl--es-lebe-die-freiheit--3077086.html
8 https://www.youtube.com/watch?v=6VSoIiRmiJc
9 https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_zur_Aufhebung_nationalsozialistischer_Unrechtsurteile_in_der_Strafrechtspflege
10 Inzwischen ist diese Darstellung von der Facebookseite der AFD Nürnber Süd / Schwabach wohl wieder entfernt wurden.
11 http://gutenberg.spiegel.de/buch/flugblatter-der-weissen-rose-4280/1
12 http://www.sueddeutsche.de/news/politik/parteien-die-hoecke-rede-von-dresden-in-wortlaut-auszuegen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170118-99-928143
13 Auch die Holocaust - Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem / Israel wurde angelegt im Gedenken an sechs Millionen ermordete Juden. Sie zeigt, wie es dazu kam. Sie klagt das deutsche Volk und vor allem die Nachkriegsgenerationen nicht an.
14 http://gutenberg.spiegel.de/buch/flugblatter-der-weissen-rose-4280/2
15 vgl. Sabisch / Lünstedt: Sophie Scholl, Knesebeck 2015, Nachwort.




Samstag, 28. Januar 2017

Keegan, Nicola: Schwimmen


Boo, Mena, Phil oder Pip – Philomena hat eine Menge Namen und keinen leichten Stand: Ins Haus eines Fledermausforschers hineingeboren zu werden ist das eine. Dort – und noch dazu in Kansas – inmitten einer exzentrischen Familie aufzuwachsen? Eine ganz andere Geschichte. Als das Schicksal gleich zweimal über diesen ungewöhnlichen Haushalt hereinbricht, gehen auch Philomena allmählich die Gründe aus, nicht völlig abzutauchen. Im 50-Meter-Becken des Schulschwimmbads findet sie eine neue Welt. Und sie beginnt eine bemerkenswerte Karriere, die sie zu olympischem Gold, aber auch in die Untiefen der Liebe führen wird.

(Klappentext rowohlt Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 1. Auflage (12. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Bernhard Robben
  • ISBN-10: 349803541X
  • ISBN-13: 978-3498035419
  • Originaltitel: Swimming















SCHWIMMEN - UND WAS SONST NOCH?



Philomena wird als zweite von vier Töchtern einer amerikanischen Familie aus Kansas geboren. Bereits als Baby ist das Wasser ihre Welt, nur dort findet sie zu sich selbst, kann sich erschöpfend verausgaben und ihre Energie gezielt bündeln. Als schwere Schicksalsschläge ihre Familie treffen, wird das Schwimmen für Philomena immer mehr zum Zentrum ihres Denkens und schließlich zu ihrem Lebensinhalt. Immer mehr Zeit und Energie setzt Pip, wie Philomena auch genannt wird, in diesen Sport, hartes Training zieht Erfolg nach sich, Anerkennung und Bewunderung - und schließlich etliche Goldmedaillen bei Olympischen Spielen.

Aber eigentlich ist dies kein Buch nur über das Schwimmen. Es geht um Philomena und ihr Leben, das mancherlei Überraschungen für sie bereit hält, und das durchaus nicht immer in positivem Sinne. Deutlich wird, welche Bedeutung das Schwimmen für sie hat: es bietet Halt im Leben, eine Welt, in der nichts anderes existiert als der Rhythmus der Bewegungen, in der Sorgen ausgeschaltet und von Erschöpfung überlagert werden, ein Abtauchen aus dem Leben, ein Übersetzen der Gefühle in gerichtete Energie - alles ist erträglich, solange es diese Welt gibt.

Doch was geschieht, wenn dieser Lebensinhalt von einem Tag auf den anderen nicht mehr existiert? Krise, Einsamkeit, Depression - ein Abtauchen ganz anderer Art, nichts was man sich für seine Lebensplanung wünscht. Wird es aus diesem schwarzen Loch noch eine Wende heraus geben?

Im ersten Drittel des Buches begeisterte mich v.a. der Sprachstil von Nicola Keegan. Sprachwitz, manchmal eine recht schnoddrige Ausdrucksweise, Neologismen, sprühende Lebendigkeit trotz der genannten Schicksalsschläge - die Seiten flogen nur so dahin. Danach wurde die Sprache zunehmend symbolbehafteter, v.a. im letzten Drittel mit vielen Bedeutungen zwischen den Zeilen, die sich mir nicht in jedem Fall erschlossen, düster und nicht immer leicht zu lesen...

Was jedoch festzuhalten bleibt: dieses Buch ist außergewöhnlich, wortgewaltig und gefühlsstark - ein Buch, das in jedem Fall in meiner Erinnerung haften bleiben wird.


© Parden













Der rowohlt Verlag schreibt über die Autorin:

Nicola Keegan wurde 1964 in Galway, Irland, geboren und wuchs in den Vereinigten Staaten auf. Sie studierte an der Sorbonne und an der University of Iowa. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Frankreich und Irland. «Schwimmen» ist ihr erster Roman.

übernommen vom rowohlt Verlag

Sonntag, 22. Januar 2017

Ingelman-Sundberg, Catharina: Wir fangen gerade erst an


Auch im Herbst des Lebens sollte noch Leben in der Bude sein, sagen sich Märtha, Snille, Kratze, Anna-Greta und Stina und schmieden einen Plan: Sie müssen ein Verbrechen begehen, damit sie raus aus diesem Heim und rein ins Gefängnis kommen, denn dort ist man bekanntlich viel besser dran. Gutes Essen, keine Sparmaßnahmen, geregelter Freigang. Doch Planung und Durchführung eines Verbrechens sind gar nicht so einfach – vor allem, wenn man es ehrlich meint. 

Catharina Ingelman-Sundberg erzählt eine kriminell lustige und herzerwärmende Geschichte über fünf Freunde, die ihrem Leben eine völlig neue Wendung geben und sich ihren Traum vom Glück erfüllen.


(Klappentext S. Fischer Verlage)


  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 5 (16. Mai 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Stefanie Werner
  • ISBN-10: 3651000605
  • ISBN-13: 978-3651000605

















DEM ALTENKRIMI FEHLT ES AN SCHWUNG...



Dem Leben im Alter sehen viele von uns mit gemischten Gefühlen entgegen - der Umzug in ein Altersheim erscheint für die meisten wenig verlockend. Die Erfahrungen, die die fünf Hauptcharaktere des Buches mit ihrem Wohnsitz machen, sind nun auch nicht dazu geeignet, die Bedenken hinsichtlich dieser Wohnform zu zerstreuen.

Dabei sind Märtha (79), Snille (78), Anna-Greta (81), Stina (77) und Kratze (84) noch recht rüstig für ihr Alter. Doch 'Sparen' heißt die Devise der neuen Geschäftsführung des Seniorenheims 'Diamant', und so gibt es immer mehr Einschränkungen, die die alten Leute über sich ergehen lassen müssen, und kaum noch Entscheidungen, die sie selber treffen dürfen. Was zu viel ist, ist zu viel - und so beginnt allmählich ein Plan zu reifen.

Eine TV-Dokumentation über die Situation in Schwedens Gefängnissen zeigt den Alten, dass es um die Versorgung der Verbrecher besser gestellt ist als um ihre eigene - und da muss Abhilfe geschaffen werden. Und so fliehen die fünf aus dem Altersheim und beginnen ihre Verbrecherkarriere mit dem Ziel, den Rest ihres Lebens letztlich gut versorgt hinter Gittern zu verbringen. Doch aller Anfang ist schwer, zumal hinter der Seniorengang mit ihren Rollatoren niemand etwas Gesetzwidriges vermutet - erst recht nicht die Polizei. Da ist viel Einfallsreichtum gefragt...

Leider hielt das Buch nicht ganz, was ich mir davon versprach. Erwartet hatte ich ein unterhaltsames Buch mit viel Seniorenpower, mit Charme und Witz, schwungvoll und bissig und mit dem Esprit der Geschichten eines Jonas Jonasson oder dem Wohlfühlcharakter der Romane eines Fredrik Backman. Doch dem Roman merkte man das Alter seiner Charaktere an: Unterhaltung mit Längen, teilweise eher lahme Dialoge, eine von zu vielen Zufällen geprägte Handlung und alles in allem eine zu bemüht und konstruiert wirkende Erzählung. Die Charaktere selbst sind recht klischeehaft gestrickt und wirken durch den fehlenden Hintergrund wenig greifbar.

Trotz meiner Enttäuschung fand ich die Idee hinter der Geschichte gut, wenn auch die Umsetzung mehr Potential gehabt hätte. Ebenfalls gefallen hat mir die durchgehend geäußerte Kritik am Umgang der Gesellschaft mit den Alten - an dieser Stelle würde ich mich der Seniorengang gerne anschließen.

Insgesamt eher Mittelmaß - da ist noch deutlich Luft nach oben. Ob Band zwei 'Jetzt kriegt jeder was ab' da eine Steigerung ist? Keine Ahnung. Noch nicht jedenfalls. Aber erst einmal reicht es mir mit den fünf Senioren...


© Parden











Die S. Fischer Verlage schreiben über die Autorin:

Catharina Ingelman-SundbergCatharina Ingelman-Sundberg studierte Geschichte und Marinearchäologie. Fünfzehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie damit, auf dem Meeresgrund nach Wikingerschiffen und Galeeren zu suchen. Danach studierte sie Journalismus und schrieb mehrere erfolgreiche historische Romane. Ihr erstes Buch mit der sympathischen Rentnergang »Wir fangen gerade erst an« wurde ein internationaler Verkaufserfolg und ist in 26 Ländern erschienen. Die Autorin lebt in Stockholm.

übernommen von den S. Fischer Verlagen

Samstag, 21. Januar 2017

Bradbury, Ray: Das Böse kommt auf leisen Sohlen



Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Will« Halloway und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.

(Klappentext Diogenes Verlag)

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 11., New edition (25. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Norbert Wölfl
  • ISBN-10: 3257208669
  • ISBN-13: 978-3257208665
  • Originaltitel: Something Wicked This Way Comes













VERLOCKUNGEN...




Eine Bermerkung schon einmal vorab: das Cover passt überhaupt nicht zu der Geschichte - keine Ahnung, was der Verlag sich dabei gedacht hat? Das Bild eines altertümlichen Karussells wäre hier beispielsweise deutlich angemessener gewesen...


"Eines Jahres begann Allerheiligen schon am 24. Oktober, drei Stunden nach Mitternacht. In diesem Jahr war James Nightshade (...) dreizehn Jahre, elf Monate und dreiundzwanzig Tage alt. William Halloway von nebenan war dreizehn Jahre, elf Monate und vierundzwanzig Tage alt. Beide streckten ihre Hände nach dem vierzehnten Geburtstag aus und spürten ihn fast schon leise zitternd zwischen ihren Fingern. Das war jene Woche im Oktober, in der sie über Nacht erwachsen wurden, in der das Jungsein ihnen entglitt..."


Obwohl die beiden Jungen fast auf den Tag genau gleich alt sind und beste Freunde noch dazu, sind sie von ihrer Wesensart her komplett verschieden. Jim ist der, der Angst hat, das Leben zu verpassen - immer vorneweg und ohne Furcht vor irgendetwas, doch mit viel Sehnsucht nach dem, was da noch kommen mag. Will dagegen ist der, der nachdenkt, der träumt, der innehält - doch er läuft mit Jim, um ihn nicht zu verlieren. Heimliche nächtliche Ausflüge sind an der Tagesordnung, der Weg durchs Fenster statt durch die Tür ist Ehrensache. Beide Jungen treiben aufs Erwachsenwerden zu, doch während Jim es kaum abwarten zu können scheint, tastet sich Will eher vorsichtig heran.

Als ein Blitzableiterverkäufer in die kleine Stadt kommt, erfasst eine erste dunkle Ahnung die Jungen. Und der unterschiedliche Charakter der beiden offenbart sich einmal mehr: während Will darauf besteht, den Blitzableiter am Haus zu befestigen, wagt Jim das Spiel mit dem Feuer und reißt ihn wieder ab. In derselben Nacht kommt unerwartet ein alter Zirkus in die Stadt. Die Jungen wachen bei dessen Ankunft auf und beobachten die dunklen Schatten, die den Zirkus aufzubauen scheinen. Doch tagsüber scheint alles normal...


"Ein Jucken spür' ich, ganz verstohlen,
Das Böse kommt auf leisen Sohlen." (Shakespeare)



Der Zirkus zieht die Menschen magisch an, mit seinen Karussells, seinen Attraktionen, seinen Monstrositäten. Doch Jim und Will spüren, dass hier das Böse Einzug hält. Unsichtbar für jeden, nur nicht für die empfindsamen, vibrierenden Seelen der Heranwachsenden. Aber werden sie sich der Gefahr erwehren können? Oder auch nur wollen? Denn die Verlockungen sind groß...

Bei Ray Bradbury kommt das Grauen nicht zähnefletschend und bluttriefend daher. Sondern mit Zuckerwatte, Musik und verlockenden Versprechungen. Ein subtiles Gefühl von Bedrohung, von Düsternis, aber auch von Melancholie, erfasste mich immer wieder beim Lesen. Vor allem zu Beginn die 'Ruhe vor dem Sturm', die 'bleierne Stille vor dem Gewitter' - die fand ich richtig gelungen. Hier wird allegorisch eine Geschichte erzählt über das Leben, über Trauer, über Freundschaft, über Träume, über die Verbundenheit von Vätern und Söhnen und natürlich über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der nicht hoffnungslos sein muss.


"Der Rest des Weges ging glatt, wunderbar, leicht, herrlich. Sie schwangen sich über das Fensterbrett und blieben dort eine Weile sitzen, gleich groß, gleich schwer, getönt von denselben Sternen. Sie umarmten sich mit dem Gefühl herrlicher Erschöpfung, lachten leise miteinander preßten einander die Hand auf den Mund, aus Angst, jemanden zu wecken – Gott, das Land, die Frau, die Mutter, die Hölle. Sie spürten die warem Quelle der Heiterkeit dort, blieben noch einen Augenblick so sitzen, die Augen hell und feucht vor Liebe.“


Und doch hatte ich trotz des überzeugenden Ansatzes einige Probleme mit der Lektüre. Zum einen fiel es mir schwer, mich an den doch altertümlich anmutenden Schreibstil zu gewöhnen (die Originalausgabe erschien bereits 1962 unter dem Titel 'Something Wicked This Way Comes', die deutsche Ausgabe erstmals im Jahr1969). Zum anderen gab es hier einige Schwachpunkte, die den Gruseleffekt für mich immer wieder verwischten oder unterbrachen:

Ein stellenweise inflationär anmutender Gebrauch von Bildern und Metaphern war gelegentlich anstrengend zu lesen und zwang die Gedanken beim Lesen immer wieder auf die mögliche hintergründige Bedeutung zwischen den Zeilen. Langatmige Passagen philosophischer Gedankengänge und Monologe wirkten auf mich teilweise zu raumfordernd und der Spannung abträglich. Manche Szenen wirkten (alb-)traumartig und surreal und verwirrten mich damit mehr als dass sie den Gruseleffekt verstärkten. Und auch wenn am Ende das Tempo noch einmal deutlich anzog, war mir die Auflösung letztlich zu einfach, zu 'platt'.


"Nein, ganz stimmte das auch nicht. Aus sich selbst heraus macht er ein Geräusch, er seufzt wie der Wind, der deine Gardinen bläht weiß wie der Atem des Schaums. Oder er macht ein Geräusch wie die Sterne, die sich in deinem Traum drehen. Vielleicht kündigt er sich auch an wie Mondaufgang und Monduntergang. Ja das ist am besten: Wie der Mond über die Tiefen des Alls segelt, so treibt ein Ballon dahin.“


Dennoch war mein erstes Buch von Ray Bradbury insgesamt eine interessante Lektüre - sein sicherlich bekanntestes Werk 'Fahrenheit 451' möchte ich auch unbedingt noch lesen. Als einer der bekanntesten und schöpferischsten Schriftsteller Amerikas hat Ray Bradbury viele seiner schreibenden Kollegen der nachfolgenden Generationen zwangsläufig beeinflusst und inspiriert. So offensichtlich auch Stephen King: Parallelen von 'Das Böse kommt auf leisen Sohlen' beispielsweise zu 'Es' lassen sich einfach nicht leugnen.

Ein Buch voller Symbolik und Allegorien, das nicht immer einfach zu lesen ist, das aber den Leser fordert, in die Abgründe hinter den Zeilen einzutauchen.


© Parden

















Ray BradburyDer Diogenes Verlag schreibt über den Autor:

Ray Bradbury, geboren 1920 in Waukegan (Illinois). Nach dem Highschool-Abschluss verkaufte er an einer Straßenecke die Zeitschrift ›Futura Fantasia‹. Die Namen unter den Beiträgen täuschten: Geschrieben hatte Bradbury fast alles selber. 1953 erschien ›Fahrenheit 451‹, sein erster und berühmtester Roman, den François Truffaut verfilmte. Das Spektrum des »Louis Armstrong der Science-Fiction« (Kingsley Amis) reicht aber weiter, über Kinderbücher und Gedichte bis zu Drehbüchern, wie jenes zu ›Moby Dick‹ von John Huston. Ray Bradbury starb 2012 in Los Angeles.

übernommen vom Diogenes Verlag

Sonntag, 15. Januar 2017

Peter Rosegger: Waldheimat


"Wie war ich so reich damals, als ich arm war!"  

Auf den Spuren Peter Rosegger`s

Peter Rosegger (1843 - 1918) um 1888
Bildquelle: Wikipedia


"i g a i k schul, kann eh lesn, un schreibn a !"

Dieser scherzhaft verkürzte Satz in steirischer Mundart, der sich mir erst auf den zweiten Blick erschloss, steht in großen Buchstaben mit weißer Kreide auf einer alten Schiefertafel geschrieben, welche in einem ehemaligen Klassenzimmer der Waldschule in Alpl bei Krieglach steht.
 
Foto: TinSoldier
Der Urheber dieser Zeile zählt heute zu den leider fast vergessenen Schriftstellern, und doch war er gegen Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts zumindest in Österreich der meistgelesene Autor seiner Zeit!
Die Rede ist von dem österreichischen Heimatschriftsteller
Peter Rosegger (*31. Juli 1843 in Alpl/Krieglach, + 26. Juni 1918 in Krieglach),
dessen Buch "Waldheimat" ich hier vorstellen möchte.





"Ich gehe auch in keine Schule, kann eh lesen, und schreiben auch !"

In diesen Worten steckt viel Wahrheit:
Rosegger hat als Kind nie eine Schule besucht! Der Sohn eines armen, des Lesens und Schreibens unkundigen Waldbauern, wurde
Peter Rosegger
Bildquelle: Internet
von seiner Mutter und, zusammen mit anderen Bauernkindern aus der Umgebung, zeitweilig von einem aus Staatsdiensten entlassenen Lehrer unterrichtet.  Man schätzt heute, dass seine Unterrichtszeit zusammengenommen maximal etwa 1 bis 2 Schuljahre betragen haben dürfte!

Doch langsam, immer der Reihe nach!
Zunächst möchte ich einmal über meine Begegnungen mit dem ehemaligen Waldbauernbuben berichten, und wie es überhaupt zu dieser Rezension gekommen ist - denn, ich gebe es zu:
Auch ich hatte Peter Rosegger im Laufe der Jahre fast schon vergessen, seitdem ich in den 1980´iger Jahren die Fernsehverfilmung der ergreifenden Abenteuer des Waldbauernbuben verfolgt hatte. In jener Zeit erwarb ich auch das Buch und las die Geschichten des Waldbauernbuben.
Rosegger´s Waldschule in Alpl, Marktgemeinde Krieglach
Foto: TinSoldier
Gut 30 Jahre später verbrachte ich zum Jahreswechsel einen Kurzurlaub in der Steiermark.
Nahe der beschaulichen Ortschaft Krieglach führt die Straße hinauf bis zu einem unscheinbaren Abzweig, der zur Waldschule führt. Bis dorthin kann man heutzutage fahren, den Rest des Weges hinauf zum Kluppeneggerhof, dem Geburtshaus des Schriftstellers, muss man wie zu Zeiten Roseggers auf Schusters Rappen bewältigen. Bevor ich mich aber auf den Weg mache, besuche ich das altehrwürdige Schulhaus, das heute ein Museum beherbergt.

Der Schriftsteller im Jahre 1900
Bildquelle: Wikipedia
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts besaß die Gemeinde Krieglach noch keine Schule und es gab auch noch keine allgemeine Schulpflicht. Rosegger, zu dieser Zeit bereits ein bekannter Schriftsteller, beschloss, seinem Heimatdorf eine Schule zu stiften und rief für diesen Zweck eine Spendenaktion ins Leben. Er selbst steuerte seinen Teil bei, indem der Erlöse aus Lesungen, für die er sich eigens auf Reisen begab, spendete. Im Jahre 1902 war der Bau vollendet und Rosegger übergab das Gebäude seinem Zweck.

Peter Rosegger verfügte am 31. Dezember 1901:
"Das Schulhaus ist Eigentum der Gemeinde Krieglach. Sollte in Alpl die Schule einmal überflüssig werden, so ist das Schulhaus in irgendeiner guten anderen Art dienstbar zu machen. Zugunsten der Alpler, oder wenn solche nicht mehr vorhanden sein sollten, zugunsten der ganzen Gemeinde Krieglach - aber stets nur für Lehrzwecke (ist) der Ertrag zu verwenden."

In der Schule wurden bis in die 1970´iger Jahre hinein unterrichtet. Zum Schluss gab es noch 2 Schüler, die aber bald in eine andere Schule wechseln mussten. Nach der Schließung wurde die Schule renoviert und beherbergt seit 1982 ein Museum. Besichtigen kann man u.a. ein original erhaltenes Klassenzimmer mit den originalen Schulbänken von 1902. Die Metallbeschläge an den Tischen, in welche die Tintenfässchen eingestellt wurden, tragen Gravuren, aus denen hervorgeht, dass die Möbel aus Berlin stammen:
Sie waren die Spende eines Berliner Industriellen.
Auch die "Rosegger-Stube", in welcher der Schriftsteller oft nächtigte, ist im Originalzustand erhalten.

Besonders berührend aber sind zahlreiche historische Fotos an den Wänden, die
verhärmte Kindergesichter aus jener Zeit zeigen. Man glaubt oft, in die verhärmten Gesichter kleiner Erwachsener zu blicken.
Die Fotos legen Zeugnis davon ab, dass diese Kinder in harten, entbehrungsreichen Zeiten aufwuchsen.


Peter Roseggers Jugend

Nach dem Besuch der Waldschule machte ich mich nachdenklich auf den Weg
Zeitgenössische Aufnahme des Kluppeneggerhofs
Bildquelle: Internet
hinauf zum Kluppeneggerhof.
Die Luft ist eiskalt, so dass mein Atem in der Luft zu kleinen Wölkchen kondensiert. Die Sonne steht bereits tief im Westen, als ich den steilen Waldweg, der sich in regelmäßigen Spitzkehren den Berg hinaufwindet, beschreite.
Die Luft trägt mir den Duft von Baumharz zu. Er stammt von den geschlagenen Baumstämmen, welche Holzrücker in den Spitzkehren am Wegrand ordentlich aufgestapelt haben.




Der "Kluppeneggerhof" ist jetzt, Anfang Januar, nicht für Besichtigungen geöffnet. Infolgedessen begegnet mir auch kaum eine Menschenseele auf meiner Wanderung:
Nur ein oder zweimal kommen mir andere Wanderer auf ihrem Weg ins Tal entgegen.
Im Wald herrscht tiefe Stille und nur der Schnee knirscht leise unter meinen Schritten. Eine gute halbe Stunde bin ich stramm bergan marschiert, als links von mir ein Bauerngehöft durch die Waldbäume hindurch sichtbar wird. Ich nehme die letzte Kehre des Weges, der mich auf die Bergkuppe führt.
Nun liegt der "Kluppeneggerhof", das Geburtshaus Roseggers mit Wohnhaus, Stallungen und Geräteschuppen, direkt an den Hang gebaut, einsam und schweigend unterhalb des Weges. 
Ich bin vollkommen allein hier. Niemand sonst ist da.
Der Schnee liegt hier oben gut knöchelhoch und es geht ein kalter Wind. Die Sonne berührt bereits nahezu die Berggipfeln zu, als ich
durch den Schnee den Hang langsam abwärts zum Hof gehe, wobei ich ein halb offenstehendes Holzgatter in der Umzäunung passiere.
Schließlich stehe ich am Eingang zum Wohnhaus und ein seltsames Gefühl beschleicht mich.
Es ist so, als wäre hier oben die Zeit stehen geblieben und fast erwartet man, dass sich in jedem Moment die verwitterte, aus massiven Bohlen grob gezimmerte Haustüre öffnet und der Waldbauernbub heraustritt, um sich auf den mehrstündigen Weg zu machen, "Christtagsfreude" zu holen.
Das Haus und die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude und Stallungen sind im steirischen Stil aus groben, dunklen Balken gezimmert. Die winzigen Fensterscheiben rundherum lassen nur wenig Licht ins Innere fallen. Das Dach ist gedeckt mit verwitterten Holzschindeln und an der talwärts gewandten Giebelseite gibt es einen hölzernen Balkon.

Durch die kleinen Fenster erhasche ich einen eingeschränkten Blick in die im Halbdunkel liegende "Große Stube". Man erkennt einen hölzernen Tisch mit grob gezimmerten Bänken, blank gescheuerte Holzdielen, ein Spinnrad und weiteres, spärliches Mobiliar. Es soll sich, so lese ich später im Internet, hierbei um das Originalmobiliar der ehemaligen Bergbauernfamilie Roßegger, handeln (Peter Roßegger änderte seinen Namen später in Rosegger, um Verwechslungen mit gleichnamigen Personen auszuschließen).
Ich gehe einmal rund um das Haus und versuche mir vorzustellen, wie das Leben um 1850 hier wohl gewesen ist. Die Stallungen neben dem Wohngebäude sind zugänglich, die Stalltüren unverschlossen. Drinnen stehen teilweise Futterraufen und ich versuche mir vorzustellen, wie die Roseggerkinder im Sommer bei ihren vier Ziegen in deren heugefüllten "Futterbarren" nächtigten und Peter, der Älteste unter ihnen, die Geschwister mit seinen Geschichten unterhielt.
Nachlesen kann man diese Episode in der Geschichte "Dreihundertvierundsechzig und eine Nacht".

Die Sonne nähert sich bereits dem Horizont, als ich mich nachdenklich auf den Rückweg mache. Gern hätte ich noch mehr Zeit hier oben verbracht. Und eines ist sicher: Ich komme wieder, aber dann im Sommer, wenn hier oben die Wiesenblumen blühen!


Die Verse Roseggers sind zeitlos

Das von mir vorgestellte Buch ist seinerzeit im Bertelsmann Buchclub erschienen, den es bekanntlich ja nicht mehr gibt, und so ist es heute allenfalls noch im Antiquariat erhältlich. Ich habe daher am Schluss dieses Beitrages zwei Hörbuchausgaben und ein gedrucktes Buch neueren Datum aufgeführt und mit entsprechenden Links versehen, über die man direkt zu den Produkten gelangt.
Die Geschichten aus Roseggers Waldheimat sind durchweg originell und anrührend. Sie schildern kleine Episoden aus Roseggers Kindheit und Jugend und lassen erahnen, wie beschwerlich und hart das Leben einer einfachen Bergbauernfamilie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewesen sein muss.
Die Geschichte "Als ich Christtagsfreude holen ging" ist eine der bekannteren aus dieser Sammlung, und ich lege sie den Lesern besonders an´s Herz.


Der Satz:

"Wie war ich so reich damals, als ich arm war!"  

charakterisiert Peter Rosegger als einen Mann, der zeitlebens, auch als er bereits wohlhabend war, von diesen Kindheitserinnerungen gezehrt hat, die ihn für das Leben geprägt haben.








 Als ich um Hasenöl geschickt wurde



Die Geschichten Peter Roseggers über sein Kindheit in der Waldheimat sind in vielen Ausgaben im Buchhandel und auch im Antiquariat erhältlich. Beispielhaft sind unten zwei Ausgaben aufgeführt:

https://www.amazon.de/S%C3%A4mtliche-Heimatgeschichten-Heimatgedichten-Peter-Rosegger-ebook/dp/B015T74VKS/ref=sr_1_17?ie=UTF8&qid=1484408147&sr=8-17&keywords=waldheimat+buch

Sämtliche Heimatgeschichten und Heimatgedichte                                            
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Hier geht´s zum Hörbuch von audible



Hinweis: Alle verwendeten Fotos sind gemeinfrei oder stammen vom Verfasser


Donnerstag, 12. Januar 2017

Anzengruber, Ludwig: Der Pfarrer von Kirchfeld







EIN ÖSTERREICHISCHES VOLKSSTÜCK...




'Volksstück mit Gesang in vier Akten' lautet die genauere Bezeichnung, und entstanden ist es um 1870. Kein modernes Stück also, und doch gehört es zu den bekannteren Werken des Österreichers Ludwig Anzengruber, das immerhin zweimal verfilmt wurde (1937 und 1955).

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Pfarrer Hell - sein Gegenspieler, der Graf von Finsterberg, tritt nur in der ersten und letzten Szene auf, spielt jedoch letztlich eine bedeutsame Rolle. Der feudal-klerikale Graf und der josephinisch freisinnige Pfarrer (der Josephinismus war eine wichtige Basis für die Katholische Aufklärung) stellen zwei Gegenpole dar, deren ganze Ausprägung allerdings erst am Ende des Stückes deutlich wird.

Pfarrer Hell ist in seiner kleinen Gemeinde sehr angesehen und geachtet. Die Wirtshausschlägereien haben nachgelassen, seit er nach Kirchfeld versetzt wurde, der Alkoholkonsum unter der Woche ebenso, und er selbst ist über jeden Zweifel erhaben. Als er von einem alten Kollegen gebeten wird, die junge Waise Anna in seinen Haushalt aufzunehmen und sie seiner Haushälterin Brigitte zur Seite zu stellen, ahnt er nicht, dass sich dadurch alles verändern wird: Pfarrer Hell verliebt sich in Anna, und auch wenn er sich sehr zusammenreißt, bleiben das Gerede und die Gerüchte nicht aus.

Die Bigotterie ist in diesem Volksstück ebenso Thema wie hier 'von gemischter Konfession, von gemischter Ehe und von einer aufdämmernden Notwendigkeit der Priesterehe die Rede ist'. Themen also, die wenigstens z.T. bis heute nicht ad acta gelegt worden sind, und bei denen man sich bildhaft vorstellen kann, für welche Aufregung sie in einem kleinen Bergdorf der damaligen Zeit sorgen konnten.

Die Sprache des Stückes war für mich gewöhnungsbedürftig - nicht allein aufgrund der Altertümlichkeit des Stils, sondern v.a. auch deshalb, weil das Volksstück tatsächlich im breitesten Dialekt geschrieben wurde. Da ich dialektfrei aufwuchs, fiel mir das reine Sprachverständnis schon nicht immer leicht, auch wenn der Sinn sich aus dem Zusammenhang ergeben mochte.


"Dös hab' ich auch 'glaubt - das hab' ich auch g'sagt, aber dö Letfeigen hab'n ja nit auf mich g'hört - und da hab' ich in sie 'neing'schrien - da sein dö grob word'n - ich net höflich - dö hau'n her - ich hau' z'ruck - und so hab' ich mein Teil kriegt."


Sehr gefallen haben mir dabei meist die eingefügten Lieder, deren Texte oftmals frech-frivol sind und die die oft eher düstere und melancholische Stimmung des Stückes selbst unerwartet auflockern. Die Liedertexte stammen zwar nicht aus der Feder Anzengrubers, doch da das Stück stets mit Gesang aufgeführt wurde, entschloss man sich schließlich, die Lieder im Buch auch mit abzudrucken.

Interessant fand ich auch im Anhang die zeitgenössische Theaterkritik eines Heinrich Laube aus dem Jahre 1870, der sich sowohl zum Stück selbst als auch zu der Art der Aufführung äußerte.

Die 159 Seiten meiner ererbten (und vergriffenen) Ausgabe des Textes waren letztlich rasch gelesen und zeigen, dass sich ein Blick in die Vergangenheit immer einmal lohnt.


© Parden












Anzengruber wurde am 29.11.1839 in Wien geboren, er stammte aus oberösterreichischem Bauerngeschlecht. Zuerst besuchte er die Realschule, er mußte sie aber wegen Geldmangels vorzeitig verlassen. Dann begann er eine Buchhandelslehre. Von 1860-1868 war Anzengruber Schauspieler bei verschiedenen Wandergruppen, mit denen er die Provinztheater bereiste. Sein Stück "Der Pfarrer von Kirchfeld" machte ihn berühmt. Später war Anzengruber Theaterdichter am "Theater an der Wien" und danach am Volkstheater. Er starb am 10.12.1889 in Wien.




Montag, 9. Januar 2017

Clarke, Lucy: Das Haus, das in den Wellen verschwand - Hörbuch


Lana und ihre beste Freundin Kitty wagen das große Abenteuer und verlassen ihre Heimat England, um auf Weltreise zu gehen. Unterwegs treffen sie auf eine Gruppe junger Backpacker, die mit ihrer Jacht von den Philippinen nach Neuseeland segelt. Schnell werden die beiden Mädchen Teil der Crew, und es beginnt eine aufregende Zeit vor der traumhaften Kulisse der Südsee. Als plötzlich ein Crewmitglied mitten auf dem Ozean spurlos verschwindet, merken die Freundinnen jedoch, dass an Bord nichts ist, wie es scheint. Nach und nach kommen die Gründe ans Licht, weshalb ihre Mitreisenden die Fahrt wirklich angetreten haben ...

Gekürzte Lesung

(Klappentext Audio Media Verlag)


  • Audio CD: 5 Seiten, 422 Minuten
  • Verlag: audio media verlag; Auflage: 1 (1. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Claudia Franz
  • Erzählerin: Ilena Gwisdalla
  • ISBN-10: 3956390679
  • ISBN-13: 978-3956390678













MITTEN IM OZEAN IN EINER MONDLOSEN NACHT...



Die Ereignisse werden aus der Sicht der jungen Malerin Lana geschildert. Dabei wechselt die zeitliche Ebene immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, wobei diese Verzahnung der Zeitebenen einen gelungenen Schachzug darstellt. Fragezeichen entstehen sowohl im 'Damals' als auch im 'Jetzt', denn zu Beginn der Erzählung ahnt der Hörer in keinster Weise, worum es hier eigentlich geht. Scheibchen für Scheibchen erfährt er mehr über die Hintergründe, und doch gibt es immer wieder überraschende Wendungen, die die Geschehnisse in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Im 'Damals' segelt Lana mit ihrer besten Freundin Kitty und einigen anderen jungen Männern und Frauen mit der Yacht 'The Blue' in der Südsee von Insel zu Insel, und sie genießt das Leben in vollen Zügen: Sonne, Meer und Freiheit, solange das Geld reicht. Entscheidungen an Bord werden demokratisch gefällt, anfallende Arbeiten werden gerecht aufgeteilt, und eigentlich herrschen hier paradiesische Zustände. Und doch fällt ein tiefer Schatten auf das Paradies, als eines Tages eines der Crewmitglieder spurlos verschwindet, mitten auf dem Ozean. Lana ist entsetzt über das Verschwinden, noch entsetzter allerdings über die Reaktion der übrigen Mitreisenden. Sie wollen das Fehlen des Crewmitglieds den Behörden gegenüber verschweigen. Was ist da wirklich geschehen - und wer hat da etwas zu verbergen? Das Misstrauen wächst, und Lana muss eine Entscheidung treffen...

Im 'Jetzt' befindet sich Lana in Neuseeland und wartet auf die Ankunft der Yacht 'The Blue', als sie im Radio die Nachricht hört, dass diese vor der Küste gesunken sein soll. Was ist geschehen? Und was ist mit der Besatzung? Ist Kitty noch am Leben - und was ist mit den anderen? Lana steht große Ängste aus und verfolgt die dramatische Suche nach den Vermissten. Dabei wird sie von ihren Erinnerungen an ihre eigene Reise mit der Segelyacht und den anderen Bordmitgliedern eingeholt, und zunehmend nähert sich so die Vergangenheit der Gegenwart an.

Einiges war etwas vorhersehbar, manche Passagen empfand ich auch als langatmig. Doch insgesamt ist dies ein Roman, wo die latente Spannung meistens präsent ist und die überraschenden Wendungen zwischendurch für neuen Schwung sorgen. Die Charaktere offenbaren sich hier nur in dem Maße, wie sie sich Lana gegenüber geöffnet haben - und da ist beileibe nicht alles so, wie es sich zu Beginn präsentiert. Selbst der Epilog hält noch eine Überraschung bereit, die mir fast noch die Tränen in die Augen trieb.

Interessant und passend vorgetragen wird das Hörbuch durch llena Gwisdalla. Die vorherrschende Stimmung unterstreicht die Sprecherin durch eine jeweils adäquate Betonung, und insgesamt habe ich dem Vortrag der 422 Minuten dauernden Lesung gerne gelauscht.


© Parden










https://www.piper.de/uploads/_processed_/csm_urheber-3190_7cea85da77.jpgDer Piper Verlag (dort erschien die Printausgabe des Buches) schreibt über die Autorin:

Lucy Clarke studierte Englische Literatur an der Universität von Cardiff, bevor sie sich ganz ihrer Karriere als Schriftstellerin widmete. Ihre Romane erobern auf der ganzen Welt die Bestsellerlisten. Sie ist passionierte Tagebuchschreiberin und mit einem professionellen Windsurfer verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat und die Liebe zum Meer teilt. Den Sommer verbringen sie an der Südküste Englands, den Winter in fernen, exotischen Ländern.

übernommen vom Piper Verlag