Donnerstag, 27. April 2017

Ebert, Sabine: Schwert und Krone I

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Vier Fürsten, vier Markgrafen von Meißen, führen den berühmten Fürstenzug an der Stallhofmauer der Augustusstraße in Dresden an. Mit dreien, alle aus dem Haus Wettin, machte uns Sabine Ebert bereits vor zehn Jahren bekannt: Die sogenannte Hebammen-Saga erzählt von der Besiedlung des Erzgebirges und dem Silberbergbau sowie vom Zwist der deutschen Fürsten untereinander. Otto von Wettin, Markgraf von Meißen, sendete den ministerialen Ritter Christian aus, um aus Franken Siedler in den Schwarzen Wald zu holen. Sie gründen Christiansdorf, durch das einmal die Bundesstraße 173 führen wird, doch da ist aus dem Flecken längst Freiberg geworden. 




Otto & Albrecht von Wettin  **
Um 1168 findet man dort, wo das Waldhufendorf Christiansdorf entstand, silberhaltiges Bleierz: So kommt der Wettiner auf dem Burgberg zu Meißen zu dem Beinamen „Der Reiche“. Otto der Reiche, Albrecht der Stolze und Dietrich der Bedrängte, das sind die Fürsten, die das persönliche Geschick der Hebamme und Heilerin Marthe und ihres Ritters Christian von Christiansdorf auf verschiedenste und tragische Weise beeinflussen.

Nachdem Sabine Ebert die Saga nach dem fünften Band ab schloss, zwischendurch kam noch Blut und Silber dazu, welches einhundert Jahre später ebenfalls in Freiberg spielt, wechselte sie das Zeitalter. Sie begab sich mit zwei wunderbaren Romanen in die Zeit der sogenannten Befreiungskriege gegen Napoleon. Über 1813 – Kriegsfeuer hatte ich schon geschrieben.



Konrad von Wettin **
Doch in diesem Jahr, 2017, kehrt sie zu den Wurzeln zurück. In Schwert und Krone – Meister der Täuschung erzählt die in Aschersleben geborene freie Journalistin aus der Zeit, in der Konrad von Staufen sich zum deutschen König aufschwingt und sein Neffe Friedrich zum Barbarossa werden wird. Sie erzählt auch, wie Otto von Wettin die Nachfolge seines Vaters Konrad dem Großen antritt. Wenn Fürsten anfangen, Intrigen zu spinnen und immer neue Bündnisse eingehen, dann brauchen sie Spione. Die besten Spione des Mittelalters sind Meister der Täuschung. Es sind die Spielleute – unsere Hauptfigur ist Lukian. Er, Bastard des Erzbischofs von Trier, was er nicht weiß, hat eine Doppelrolle und geht in den Fürstenhäusern mit seiner Laute aus und ein. Vom Erzbischof von Trier, zu Konrad in Meißen, zur Kaiserinwitwe Richenza, zu König Konrad und zu Albrecht dem Bären...  Seine Frau wird die Stickerin Hanka und beiden wird ein Sohn namens Christian geboren. Na, klingelt´s? Richtig: Wir befinden uns hier in der Vorgeschichte der „Hebamme“. Auf der Buchmesse in Leipzig erzählt sie, dass die Geschichte der Eltern von Christian ein Dankeschön an die Fans, die ihr seit Jahren die Treue halten, bedeutet.

Frau Ebert erzählt von einem jahrelangen Krieg zwischen Welfen, Staufer, Askanier und Wettiner, oft gegen Heinrich den Löwen, ein Kampf, der auch noch das Schicksal Marthes und Christians beeinträchtigen wird. Wir erleben aber auch wie die junge Hedwig, Tochter von Albrecht dem Bären, dem Otto von Wettin verlobt wird, die Mutter von Albrecht, dessen „stolzes“ Regime unserer Marthe den Mann nehmen wird und sich so die Schicksale von Hanka und Marthe doch gleichen werden.





Letztlich aber, auch wenn uns die fiktiven Figuren an das Herz wachsen, hier wird Geschichte erzählt. Grausame, blutige, mittelalterliche Geschichte – die Geschichte der deutschen Fürstentümer, des römisch - deutschen Reiches. Auch ist dies die Zeit der Kreuzzüge, und nicht wenige Wege der fiktiven und realen Personen im Roman führen auch in das Heilige Land. Erzählt man eine solche Geschichte, dann umfasst diese gleich mehrere Jahrzehnte. Und so wird mit Schwert und Krone – der junge Falke der Romanzyklus fortgesetzt, den uns Sabine Ebert selbst in diesem Video vorstellt.




YouTube / Sabine Ebert über den Roman

Im bereits erwähnten Video erzählt sie voller Stolz davon, dass es zu sehr fruchtbarer Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, mit Historikern, gekommen ist und diese ihr bedeuteten, dass die Zusammenarbeit schon deshalb sehr spannend ist, weil sie so ihr Fachwissen an ein riesiges Publikum bekommen. So was nennt man wohl einen Ritterschlag.

Für Sabine Ebert gilt sicherlich ein Wort, welches Ken Follett im Zusammenhang mit seinem neuesten Roman aussprach:  Die Leser mögen interessante Hintergrunddetails, aber sie müssen stimmen, und ohne Geschichtsbücher wäre es unmöglich, das sicherzustellen“, fügt Ken Follett hinzu. „Hunderte von Historikern haben ihr ganzes Leben lang geschuftet, um es mir leichter zu machen, und ich erhebe mein Glas in Dankbarkeit für ihre Arbeit.“ (Webseite K. Follett)



YouTube / Buchmesse Leipzig


Sie schrieb eben nicht einfach eine „Lovestory oder ein Abenteuer vor historischer Kulisse“ (Webseite) – sie erzählt deutsche Geschichte. Von der kaiserlichen, der fürstlichen Spitze bis zu den Ärmsten der Armen reicht die Spanne der handelnden Personen. Es sind schon besondere Romane, die den Namen „historisch“ ganz sicherlich verdienen. In der Rezension zu 1813 - Kriegsfeuer habe ich der Autorin einmal vorgeworfen, dass sie den Bauernstand, der unter den herumziehenden Armeen besonders zu leiden hatte, vernachlässigt hätte, dies ist hier und in der Hebammen-Reihe nicht aufrecht zu erhalten.
Gelesen hat den Roman Gabi Blum und wenn sich einer, der (immer noch) meint, dass Hörbücher nicht so sein Fall sind, von dem Hörbuch nicht trennen kann, dann war es einsame Spitze.  Frau Blum hat es aber auch hervorragend gelesen. Na ja, so einsam nun wieder nicht, denn es ist nun das neunte Buch der Autorin, das zu lesen oder eben zu hören war.


YouTube / Gabi Blum über Schwert und Krone


Wer historische Roman wirklich mag, dies hier, liebe Freundinnen und Freunde von Litterae-Artesque, ist einer.


YouTube / Bucktrailer




DNB / Droemer Knaur / ISBN: 978-3-426-65412-5 / 592 S.
► Sabine Ebert bei Droemer Knaur
Webseite von Sabine Ebert
► Sabine Ebert in der Deutschen Nationalbibliothek



© KaratekaDD


Von Kora27 - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47416989
** von URDD





Kommentare:

  1. Am 28.04.2017 schrieb mir Frau Sabine Ebert folgende freundliche Zeilen:

    "Danke für die Kritik! Ich hoffe auf weitere interessierte Leser. Derzeit arbeite ich ganz intensiv an Band 2 dieser episch angelegten Serie, wo wir das Schicksal der - fast durchweg historisch belegten - Personen weiter verfolgen. Es geht wieder um ein wenig bekanntes, aber sehr spannendes Stück deutscher Geschichte. Teil 2 erscheint im November, der dritte im kommenden Jahr."

    Drei Bände. Das ist ja wieder ein riesiges Paket. Ob es schon mal eine Autorin, einen Autor gegeben hat, der weniger als hundert zusammenhängende Jahre Mittelalter in dann acht Romanen erzählt hat?

    Vielleicht werden Ihre Roman ja mal Pflichtlektüre an den deutschen Unis.

    Vielen Dank.

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    1. Stimmt, mein Bruder studiert Geschichte an der Uni und hat kaum was interessantes zu lesen, ich finde ihre Bücher echt fesselnd und man kann sie in ein paar Tage schnell und einfach verschlingen.
      LG
      Idan

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    2. Idan, ich habe aber auch ein paar sehr interessante Sachbücher im Regal.
      Aber solche hist. Romane bringen Geschichte sehr nahe.
      Viele Grüße
      Uwe

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  2. Das ist ja eine nette Reaktion der Autorin. Noch schöner wäre natürlich eine persönliche Antwort hier im Blog... ☺

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