Samstag, 19. August 2017

Deutscher Buchpreis 2017 - Longlist





Seit dem 15. August ist sie nun bekannt - die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017: 20 Titel. Da lohnt es sich doch sicher, mal einen Blick zu riskieren:




Das Floß der MedusaSchau mich an, wenn ich mit dir rede!Das Jahr der FrauenRomeo oder Julia
KraftDie HauptstadtSchlafende SonneFlugschnee
Nach OnkaloDie KieferninselnPhantomeSchreckliche Gewalten
Außer sichPeter HoltzDas Singen der SirenenWiener Straße
KatieEvangelioWalter Nowak bleibt liegen



Eigentlich sollte es mich nicht überraschen, dass ich keinen einzigen Titel davon kenne oder bisher auch nur davon gehört habe. Doch halt, zu 'Katie' von Christine Wunnicke habe ich vor einiger Zeit einmal eine lobende Rezension gelesen. Aber sonst? Natürlich erscheinen manche Titel erst noch, da kann man sie auch noch gar nicht kennen. Aber selbst einige der Verlage sind für mich vollkommen neu. 

Die Unkenntnis hält mich jedoch nicht davon ab, neugierig zu bleiben. Und so bleibe ich dem Vorhaben treu, das ich bereits seit ein paar Jahren pflege, und werde einige der genannten Titel lesen. Vorgenommen habe ich mir bisher: 



Was macht das Glück einer Familie aus? Wenn es - neben vielen Komponenten wie Gesundheit, sicherem Einkommen und dergleichen - gemeinsame Erinnerungen sind, die Zusammenhalt ermöglichen, so denkt Lucy an einem Dezembertag in Berlin an keine glückliche Familie. Ihr Bruder Simon ist verschwunden. Das Nachsinnen über ihn führt sie zu einem früheren Wintertag ins Haus der Großeltern in Hamburg, an dem etwas geschah, das den Kindern verschwiegen wurde. Dieses Schweigen prägte nicht nur die weitere Zukunft, sondern reicht auch in die Generation der Großeltern und Urgroßeltern zurück, welche sich in vielfältig Ungesagtes verstrickten. Von Deutschland über Österreich, Italien und Osteuropa wird das Netz gespannt, das die Figuren mit ihren Lebensgeschichten knüpfen, verlieren, wieder aufnehmen - ein Ringen um die Wahrheiten, die in der Vergangenheit liegen, und das Annehmen der Herausforderungen, welche die Gegenwart bereithält. Schnee und Stein sind in diesem Roman die Materialien, an denen Lucy und ihre Familie scheitern oder wachsen, an denen sie dem Bedrohlichen eine Form abzuringen, dem Zerstörerischen ein „Trotz allem” entgegenzusetzen versuchen.

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Eines Nachts verwandelt sich Hilma Honik in einen Werwolf und tötet ihren Mann. Von nun an sind ihre beiden Kinder auf sich selbst gestellt: immer in der Angst, die Bestialität liege in der Familie und könne auch von ihnen Besitz ergreifen. Während sich Iselin dafür entscheidet, in ihrer Heimatstadt Bergen mit ihren Mitbewohnerinnen die Terrorzelle "Mädchen im System" zu gründen, bereist Edvard die Ränder der Sowjetunion auf seinem Weg nach Afghanistan. Es beginnt eine fantastische Sinnsuche durch das 20. Jahrhundert und die Unwägbarkeiten menschlichen Verhaltens. In seinem zweiten Roman zeichnet Jakob Nolte einen schwarzen Regenbogen des Horrors über die Welt und erweist sich dabei als detailverliebter Nihilist und Meister des Wahnwitzes.

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Vev ist ein Scheidungskind, ihre Familie ist größer, als sie es schon einmal war. Da ist die Mutter, Sonja, die auch mithilfe von Drogen nicht recht über die Scheidung hinwegkommt, und da ist ihr Neuer, den alle nur The Dude nennen, einer, der die Dinge in die Hand nimmt und aufräumt in Sonjas Leben. Und da ist Milan, Vevs Vater, der zu Natalie und ihren beiden Töchtern zieht, aber auch in seiner neuen Familie nicht den richtigen Platz findet. Sie alle gehören irgendwie zusammen, weil sie nicht voneinander loskommen. Und Vev? Und die anderen Kinder? Die Kinder lernen schnell, wie das Spiel läuft, und spielen es bald besser als die Erwachsenen. Es sind skandalös alltägliche Verhältnisse, die Monika Helfer in den Blick nimmt. Sie geht nahe heran an die Menschen, die darin leben, die mit sich und den anderen zurechtzukommen versuchen. Ihr Blick ist entlarvend, aber auch voller Empathie, schonungslos, aber immer im Dienst der Aufrichtigkeit. Und was aus größerer Entfernung wie eine Familie aussieht, ist bei näherer Betrachtung eben oft nicht mehr als ein fein austariertes System von Eigeninteressen.

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Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London auch um 1870 herum genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt ­kollektiv die Sinne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen ­Séancen mit dem Jenseits zu ­parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche – streng verschnürt im Schrank bringt sie die ­aufregendste aller Erscheinungen zutage: ­Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes Weiß gewandet, früher Piratentochter, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung. Oder …? Ein Fall für Sir William Crookes, der Florence (und Katie) nach den Regeln der damaligen Kunst unter die Lupe nimmt – nur um am Ende erschöpft zu konstatieren, dass die Wissenschaft im Grunde auch nur ein Spuk ist. Eine herrlich übersinnliche Geschichte, und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich.

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Für mich schon ein recht ambitioniertes Vorhaben. Und wie ich mich kenne, wird keiner der gewählten Titel letztlich den Deutschen Buchpreis erhalten. Aber vielleicht erlebe ich ja auch eine Überraschung - wer weiß. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Bücher und freue mich schon auf die Lektüre!    

Freitag, 18. August 2017

Vogel, Jürgen: Bittersüße Wahrheiten...


Cassius, der Sohn von Philippe und Silvia, will die bislang geltende Tatsache nicht hinnehmen, dass keinerlei Verwandtschaft zwischen seinem verstorbenen Vater und dessen Doppelgänger David besteht. Recherchen, die der junge Mann auf eigene Faust betreibt, lassen ihn glauben, dass sogar die Möglichkeit besteht, dass David und Philippe Zwillingsbrüder sein könnten. Kurz entschlossen besucht er David in Köln und konfrontiert ihn mit seinen Vermutungen. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Suche nach neuen Wahrheiten.

(Klappentext Tedition Verlag)
 
  • Taschenbuch: 116 Seiten
  • Verlag: tredition; Auflage: 1 (19. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3743916398
  • ISBN-13: 978-3743916395
  • Reihe: David Adolphy Bd. 3












EIN RUNDER ABSCHLUSS...



Seit David Adolphy von seiner Doppelgängerschaft mit dem verstorbenen Philippe erfahren hat, lässt ihn das Rätsel darum nicht mehr los. Doch auch die Familie Philippes kreist um die Frage, was es damit nur auf sich haben mag. Cassius, der Sohn des Verstorbenen, steht schließlich unangemeldet vor Davids Haustür in Köln. Überrascht bittet David ihn herein und erfährt dann, dass Cassius auf eigene Faust Nachforschungen betrieben hat, die nur einen Schluss zulassen: David und Philippe waren Zwillinge. Doch kann das sein? Gemeinsam machen sich David und Cassius auf den Weg, endlich die Wahrheit zu erfahren...

Auch der letzte Teil der Trilogie ist wieder ausgesprochen kurz gehalten, doch im Vergleich zu Band 2 empfand ich es diesmal als nicht ganz so störend. Es war ein Vergnügen, David und den anderen inzwischen bekannten Charakteren wiederzubegegnen und endlich der Auflösung des Geheimnisses entgegenzufiebern. Dabei lässt sich die Erzählung zu Beginn noch viel Zeit, die gemeinsamen Tage von David und Cassius zu schildern - ihre Ausflüge, ihre gemeinsamen Essen, ihre Gespräche - ohne dass das Rätsel um die Doppelgänger einen großen Raum einnimmt. Doch ab dem Punkt, als sie eine bestimmte Information erhalten, nimmt die Geschichte plötzlich an Fahrt auf und erhält eine ganz andere Dynamik. Auf unangenehme Fragen erfolgen überraschende Antworten - eine etwas schräge Geschichte, aber durchaus vorstellbar...

Den Schreibstil empfand ich wieder als sehr angenehm, manchmal noch etwas holperig verschachtelt, aber sehr bildhaft. Die über weite Strecken langsame Erzählweise sorgte für eine atmosphärische Dichte, die mir gut gefallen hat. Dabei fiel erneut die Sorgfalt ins Auge, mit der Jürgen Vogel seine Wörter gesetzt hat - inzwischen genieße ich dies durchaus.

Das Ende der Erzählung war mir persönlich ein wenig zu harmoniesüchtig, doch irgendwie passt das hier auch zu den Charakteren, die ich mittlerweile lieb gewonnen habe. Deshalb werte ich das nicht als Manko, wie ich es ansonsten sicher tun würde. Insgesamt jedenfalls bietet der dritte Teil der Trilogie einen runden Abschluss.

Alles in allem war es mir ein großes Vergnügen, der Trilogie und damit David Adolphy begegnet zu sein und ihn auf seinem Weg  zur bittersüßen Wahrheit begleitet zu haben. Ich könnte mir - nicht nur aufgrund der Kürze der einzelnen Bände - jedoch gut vorstellen, dass diese dreiteilige Geschichte auch in einem einzigen Roman versammelt würde. Das täte dem Fluss der Erzählung m.E. gut.


© Parden



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Die Teile der Trilogie um David Adolphy sind:
  1. Der andere Ich
  2. Erinnerungen an Philippe
  3. Bittersüße Wahrheiten










"Jürgen Vogel" - Autor bei Tredition.deDer tredition Verlag schreibt über den Autor:

Jürgen Vogel, geboren 1967 in Merzig, wuchs unter anderem in Spanien, Australien und Südostasien auf. Als aufmerksamer und sensibler Beobachter sammelte er im Laufe der Jahre zahlreiche Geschichten und Erfahrungen, die er heute mit seinen Lesern teilen möchte. Seit den 90er-Jahren lebt und arbeitet der Autor im Rheinland.

übernommen vom tredition Verlag

Mittwoch, 16. August 2017

Eine halbe Million Besuche - WOW !!!


So sah gerade die Zahl aus, die die Menge unsere Seitenaufrufe dokumentiert. 500.000 Besuche bei Litterae Artesque - eine halbe Million! Dafür möchten wir erst einmal ein herzliches Dankeschön aussprechen! Wir freuen uns sehr, dass wir im Laufe der Zeit ein wenig an Bekanntheitsgrad dazu gewonnen haben. Und das, obwohl wir doch eher Beiträge abseits des Mainstreams bieten. Aber offensichtlich finden sich auch dafür interessierte Leser, was uns motiviert, auch nach über vier Jahren weiter durchzustarten...







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BlogPost Nr. 100 (und noch eine runde Zahl...)



Huch! Hat da einer ein Buch über uns geschrieben? Nein, nein. Wir haben zwar durchaus mal die Frage nach der menschlichen Vernunft gestellt, ja genau wie dieser Imanuel Kant, aber dessen kategorischer Imperativ spielt dann doch keine allzu große Rolle. Oder doch, oder eigentlich immer? 
Auf der Startseite findet man unsere Erklärung für den Namen dieses Blogs. Uwe gibt zu, diese Broschüre ist wahnsinnig schwer zu lesen, die Gelehrsamkeit von Eco gefällt ihm besser, und darum ist dieses Bild vermutlich der einzige Hinweis auf dieses "Büchlein zum Blog", welcher überhaupt nicht schwer zu lesen ist. Das könnt Ihr ruhig glauben.


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Sicherlich sind die meisten Betreiber von Blogs deutlich jünger als wir - aber wir bieten dafür hoffentlich auch ein interessantes Kontrastprogramm. Durch Berufstätigkeit und andere Verpflichtungen können hier nicht immer alle drei regelmäßig Beiträge verfassen, aber wenn Zeit dafür bleibt, entstehen in der Regel aufwändige und liebevoll gestaltete Posts. Jeder von uns dreien hat dabei eine andere Vorstellung der Gestaltung, aber gerade diese Vielfältigkeit macht uns u.a. aus. Dabei stellen wir in der Regel Buchbesprechungen vor, aber auch andere Interessen wie Fotografie, Kunst und Kultur, Lyrik und eigene Geschichten finden sich in unseren Posts. Buchvorstellungen und Fotos sind von jeher in unserem Blog eng miteinander verbunden.




Hier nur einige Beispiele unserer Beiträge:


Zum Beitrag...

Annes Besuch im Polare Maastricht - einer ganz besonderen Buchhandlung...


 
Rudis Zeichnung anlässlich einer sehr persönlichen Buchbesprechung zu 'Hanas Koffer'...


Uwe fragt hier so herrlich: Sind wir nicht alle ein bisschen bibliophil?


'Wer bist du?' fragt Rudi hier in seiner 1. Episode von 'Die wundersame Geschichte von Mama, vom Hasa und vom Kackerli'

 
'Tanz im Regen' - ein Gedicht von Anne


Natürlich könnten wir hier noch zahllose Buchbesprechungen und andere Beiträge anfügen, doch das würde den Rahmen eindeutig sprengen. ► Hier gibt es den Überblick über alle bislang von uns vorgestellten Bücher.

Bei aller Freude über die große Zahl der Besucher unseres Blogs haben wir jedoch noch einen kleinen Wunsch. Wir würden uns über mehr Kommentare zu unseren Beiträgen riesig freuen. Wir wissen und sehen, dass dies z.B. nach dem Teilen der Posts bei Facebook zahlreich geschieht, aber hier im Blog selbst wird meist noch wenig kommentiert. Wir wissen, auch das ist ein Zeitaufwand, aber wir freuen uns auch schon über eine kurze Mitteilung.

In diesem Sinne: Auf die hoffentlich nächsten 500.000 Besuche in unserem Blog! Bleibt die spannende Frage, ob nach der 999.999 tatsächlich die 1.000.000 erscheint oder aber sechs Nullen und alles wieder auf Anfang? Wir werden sehen...

Die drei von Litterae Artesque! ☺

Dienstag, 15. August 2017

McEwan, Ian: Der Zementgarten


Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert; die vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 – haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist.

(Klappentext Diogenes Verlag)

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag (2. Januar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Christian Enzensberger
  • ISBN-10: 3257206488
  • ISBN-13: 978-3257206487
  • Originaltitel: The Cement Garden











EINE LEICHE IM KELLER...




Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 - haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, daß etwas faul ist.

Bewusst stelle ich hier den Klappentext meiner Ausgabe noch einmal voran, denn bereits hier wird deutlich, weshalb ein Spitzname des Autors 'Ian McAbre' lautet - Ian, der Makabere. Ein Kindertraum? Aber sicher doch...

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters ist eher Erleichterung denn Trauer zu verspüren, denn der Despot hatte seine Familie gut im Griff. Doch bald darauf beginnt es der Mutter schlechter zu gehen, bis sie nur noch im Bett bleibt. Die vier Kinder scharen sich so oft es geht um sie, der Kleinste, Tom, klettert häufig genug zur Mutter ins Bett, die Aufgaben im Haushalt übernehmen die Älteren. Trotz langer Krankheitsphase trifft es die Kinder hart, als sie die Mutter eines Tages tot im Bett vorfinden. Jack, dem Vierzehjährigen, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, sowie seiner zwei Jahre älteren Schwester Julie ist klar, was passieren wird, wenn sie den Tod ihrer Mutter offen machen: die Geschwister werden auseinander gerissen.



"Als wir sie auf das Laken niederlegten, sah sie so gebrechlich und traurig aus in ihrem Nachthemd, vor unseren Füßen liegend wie ein Vogel mit einem gebrochenen Flügel, daß ich zum erstenmal über sie weinte und nicht über mich." (S. 92)


So beschließen sie gemeinsam, den Zement, den ihr Vater dazu verwenden wollte, den Garten zu planieren, dazu zu nutzen, ihrer Mutter ein Grab im Keller zu schaffen. Das Geheimnis, die Trauer, die Sprachlosigkeit - eine ungesunde und explosive Mischung, die nicht spurlos an den Kindern vorübergeht. Ein drückend heißer Sommer, Ferien, ein Wohngebiet, in dem kaum noch Häuser stehen und wo jeden Tag weitere Gebäude abgerissen werden, keine Freunde der Familie, niemand, der sich Sorgen macht - die vier Geschwister haben niemanden und bleiben sich selbst überlassen. Verwahrlosung, Isolierung, Einsamkeit, kein Raum für ein Miteinander - eine im Untergrund gärende Lage, die kein gutes Ende erwarten lässt...


"Als meine Mutter starb, lag unter meinen stärksten Regungen ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit, das ich mir kaum einzugestehen wagte." (S. 98)


Die Abgründe der Jugend - in seinem Debütroman seziert Ian McEwan eine hoffentlich unvorstellbare Situation. Die Isolierung bekommt schließlich durch einen Freund Julies einen Riss, wodurch das in Schieflage gebrachte Familiengefüge gefährlich ins Wanken gerät. Die Pubertät Jacks verschärft die Konstellation zusätzlich, und der Junge schwankt zwischen Apathie und Aggression, leidet zunehmend an Albträumen und ist letztlich ebenso hilflos wie seine Geschwister. Der kleine Tom verfällt in eine Regression, wird zum Kleinkind, und Julie übernimmt immer mehr die Mutterrolle, der 15jährige Jack schließlich auch die Vaterrolle. Doch beide sind wie mit allem anderen damit heillos überfordert.


"Außer, wenn ich in den Keller gehe, ist mir, als ob ich schlafe. Es gehen ganze Wochen vorbei, ohne daß ich es merke, und wenn du mich fragst, was vor drei Tagen war, weiß ich es nicht." (S. 199)


Meine Güte, was für ein verstörendes Buch! Traumartig erscheinen die Schilderungen des Geschehens, gefangen in klebrigheißen Sommmertagen, ein Ineinanderfließen der Zeit, überwuchert von einem süßlichen Verwesungsgeruch. Ian McEwan hat es geschafft, nicht nur glaubhaft darzustellen, dass es Jack - und vielleicht auch den anderen Kindern - so vorkam, als schliefen sie (wenn sie nicht gerade im Keller bei ihrer toten Mutter waren), sondern mich als Leser gleich ebenfalls Teil dieses Albtraums werden zu lassen. Dabei agiert McEwan gnadenlos und schreckt vor keinen Konsequenzen zurück, alles wird hier ausgelebt ohne eine Korrekturmöglichkeit von außen.

Das Ende schließlich ist das einzig mögliche in meinen Augen. Auch wenn es im Grunde offen ist - es schließen sich zahllose Fragen an, die Zukunft betreffend - ist hier gewissermaßen ein Schlusspunkt gesetzt. Eine Erlösung für den Leser, der von Anfang an hineingesogen wird in die Geschichte, ihr kaum entkommen kann. Düster und faszinierend, morbide und spannend, tabulos und unfassbar.

In jedem Fall ein Roman, der mich nachhaltig beeindrucken konnte.


© Parden





1993 wurde 'Der Zementgarten' verfilmt...







Der Diogenes Verlag schreibt über den Autor:

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für ›Amsterdam‹ den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman ›Abbitte‹ wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

übernommen vom Diogenes Verlag

Samstag, 12. August 2017

Martin, G.R.R.: Das Lied von Eis und Feuer - HB 1


GAME OF THRONES - DIE HERREN VON WINTERFELL


Die letzten Tage des Sommers sind gekommen. Eddard Stark, Herrscher im Norden des Reiches, weiß, dass der nächste Winter Jahrzehnte dauern wird. Als der engste Vertraute des Königs stirbt, folgt Eddard dem Ruf an den Königshof und wird dessen Nachfolger. Doch um den Schattenthron des schwachen Königs scharen sich Intriganten und feige Meuchler. Eddard sieht sich von mächtigen Feinden umzingelt, während seine vielköpfige Familie in alle Winde verstreut wird. Die Zukunft des Reiches steht auf dem Spiel... (Amazon)

Fünf Kinder haben Eddard Stark, Lord of Winterfell und seine Frau Catelyn: Robb, Sansa, Arya, Brandon und Rickon. Hinzu kommt sein Bastardsohn Jon Snow. Schon zu Beginn wird der Leser wie der "Fernsehgucker" darauf hingewiesen, dass Unheil naht, denn jenseits einer riesigen Mauer, die seit tausenden Jahren steht, braut sich etwas zusammen. Doch Unheil naht der Familie Stark auch aus Kings Landing (Königsmund). Robert Baratheon, Köing und seine Familie zeigen mit einem Raben ihre Ankunft in Winterfell an. Zu diesen eine ganze Reihe der Familie Lannister.
Robert will Eddard, seinen Jugendfreund als rechte HAND, als eine Art Premierminister.

Am Ende des Hörbuches befinden sich Eddard, Sansa und Arya in Königsmund und Jon auf der Mauer, als Beschützer des Nordens. Bran liegt gelähmt in seinem Bett. Herabgestoßen von einem Turm, den der Zehnjährige erkletterte. Seine Mutter mutmaßt nach einem Mordversuch an Bran, dass die Lannisters dahinter stecken. dies will Catelyn ihrem Mann erläutern und so geht auch sie nach Königsmund...


Familie Stark von Winterfell / Quelle

Parallel dazu entwickelt sich die Geschichte der Daenerys Targaryen, die mit einem Nomadenfürsten verheiratet wird, ihr Vater saß einst auf dem Eisernen Thron in Königsmund, er war der Irre König. Nicht minder irre scheint ihr Bruder Viserys zu sein. Zur Hochzeit mit Khal Drogo bekommt sie drei versteinerte Dracheneier geschenkt...

In diesem Fantasyreich sind die Jahreszeiten von immer unterschiedlicher Länge. Der Winter naht, ist der Wappenspruch der Starks; Feuer und Blut der der Targaryen. 

Daraus ensteht DAS LIED VON EIS UND FEUER.

* * *

Dieses riesige Paket kurz und bündig zu beschreiben, ist ganz sicher nicht einfach. 

  • Band 1: A Game of ThronesDie Herren von Winterfell und Das Erbe von Winterfell
  • Band 2: A Clash of KingsDer Thron der Sieben Königreiche und Die Saat des goldenen Löwen
  • Band 3: A Storm of SwordsSturm der Schwerter und Die Königin der Drachen
  • Band 4: A Feast for CrowsZeit der Krähen und Die dunkle Königin
  • Band 5: A Dance with DragonsDer Sohn des Greifen und Ein Tanz mit Drachen




Winterfell: Das ist die Familie, deren Schicksal sich durch die gesamte Geschichte zieht, mit ihr beginnt die Handlung wie schon die Büchertitel zeigen. Ihr Wappen ist der Schattenwolf. Eine tote Wölfin hat noch sechs Welpen geboren: Je eines für Robb, Bran, Rickon, Sansa, Arya und eines für Jon. Eines der Wolfskinder, der Schattenwolf Lady von Sansa, stirbt durch Lord Starks Hand, stellvertretend für Nymeria, das Wolfskind von Arya, Nymeria hat den Prinzen Joffrey Baratheon gebissen. Doch ist er von sich selbst eingenommene egozentrische Prinz wirklich der Sohn des Königs? Auch Bran, der gelähmt in Winterfell zurückblieb wir durch seinen Wolf gerettet, als ein Mordversuch geschieht. Was hat der Junge gesehen? Wer trachtet ihm nach dem Leben?


Szenenfoto / Quelle


Schon in wikipedia wird deutlich, dass die unterschiedlichsten Buchausgaben existieren; nun also hier das erste Hörbuch. Entschieden habe ich mich diesmal für das Hörbuch, weil dies ganz sicher preiswerter wird, als die Printausgabe, sieht man mal davon ab, dass Game of Thrones in nunmehr sieben Staffeln nicht eben billig war.



Szenenfoto

Das erste Hörbuch, der erste Teil des ersten Romans, Die Herren von Winterfell,  endet ziemlich genau wie die dritte Folge der ersten Staffel von Game of Thrones

1. Folge: Der Winter naht
2. Folge: Die Königsstraße
3. Folge Lord Schnee

Im Film beobachtet mit ernstem Gesicht Lord Stark seine Tochter Arya beim Üben des Schwertkampfes. Wird das Mädchen das Erbe von Winterfell? Warten wir es ab. Es wird dauern...



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Etwas mehr als neun Stunden liest Reinhard Kuhnert. Selbst die Dialoge im Film findet man im Buch oft wieder. Er moduliert die einzelnen Figuren sehr gut, was am meisten dann bei dem Zwerg Tyron Lannister, einer zu Beginn ziemlich zwielichtigen Figur auffällt. Ihm zuzuhören macht durchaus Spaß.

Die Kinder sind im Film alle etwas älter als im Buch, das liegt sicher daran, dass sie im Film "schneller" heiraten und ihre ehelichen "Pflichten" erfüllen müssen. Dies gilt auch für Daenerys (Dani). Die Cover der ersten vier (neuen) Hörbücher zeigen Eddard Stark, Lord von Winterfell, Wächter des Nordens auf dem eisernen Thron, den er vertritt, wenn der König abwesend ist. Seit Sean Bean einst den Boromir, Sohn des Truchsess von Gondor im Herrn der Ringe spielte, sieht man ihn gern in solchen Rollen. In einem ersten Beitrag habe ich von beiden Geschichten erzählt. 


Wikipedia-Artikel:
Das Hörbuch unter amazon und audible.de

Zum Hörbuch auf audible.de gibt es eine schön gestaltete Broschüre im pdf-Format mit interessanten Details zu den wichtigsten Häusern und vor allem deren Rolle in der Vergangenheit, denn dieses Mammut-Werk verursacht gelegentlich Verwirrungen. Jetzt erst, nach fast 70 knapp einstündigen Filmen und dem ersten Hörbuch blicke ich annähernd durch. Inwieweit die Filme weiterhelfen werden weiß ich nicht genau, Fans sagen, die Handlungen triften etwas auseinander. 


© KaratekaDD