Dienstag, 31. Oktober 2017

Jacobson / Colón: Das Leben von anne frank

Eine grafische Biografie.

Auf Spurensuche zu Hanas Koffer besuchte ich vor ungefähr anderthalb Jahren das Konzentrationslager Ravensbrück. Hanas Koffer ist nicht nur ein Buch über ein tschechisches jüdisches Mädchen, welches in Auschwitz ermordet wurde. Hanas Koffer ist auch eine Lesereise quer durch diese Republik, wir haben bereits viel darüber erzählt.


In Ravensbrück gibt es natürlich auch eine Menge Bücher. wissenschaftliche Bücher, Romane, Kinderbücher und auch "Bilderbücher". Sogenannte Graphic Novels. Auch von solchen wurde hier schon viel berichtet. Und so erstand ich neben Sofie Scholl auch dieses Buch hier, eine grafische Biografie des wohl bekanntesten Opfers des Vernichtungszuges der Nationalsozialisten gegen die Juden Europas: Anne Frank.


Gestehen sollte ich an dieser Stelle, dass ich ihre Tagebücher bis heute nicht gelesen habe. Gleichwohl kenne ich natürlich die Geschichte der Familie Frank aus diversen Dokumentationen und Filmen. Die Gelegenheit nutzte ich nun, die Gesamtausgabe sämtlicher Anne-Frank-Texte zu erwerben. Doch hier soll es erst einmal um diese grafische Biografie gehen.

Graphic Novels begleiten mich nun schon einige Jahre, dass diese inzwischen auch Geschichte lehren, war eine Erfahrung, die zuerst Erstaunen hervorrief. Mit der Zeit aber kam das Verständnis für ein weiteres gedrucktes Medium, welches vielleicht in Schulen eingesetzt werden kann und ähnlich wie Hanas Koffer Wirkung entfalten kann. Sid Jacobsen (* 1929) und Ernie Colón (*1931) schufen auf der Grundlage der Tagebücher hier nun kein Tagebuch, sie erzählen in Bildern die Geschichte der Familie Frank und ordnen sie in das jeweilige politische Zeitgeschehen ein. [1]

Sie beginnen mit der Hochzeit von Edith Holländer und Otto Heinrich Frank, den Eltern von Margot und Anne. 
"Habe ich dir schon mal was von unserer Familie erzählt? Ich glaube nicht, und deshalb werde ich sofort damit anfangen. Vater wurde in Frankfurt geboren, als Sohn steinreicher Eltern..." [2] So beginnt die grafische Biografie. Anne erzählt dies am 8. Mai 1944 ihrer Freundin Kitty, so heißt das Tagebuch.

Weiter wird vom Leben des Vaters, auch als Soldat im 1. Weltkrieg erzählt, bis Margot geboren wird. Die Autoren kennzeichnen diese Zeit durch einen Hinweis auf die Erstveröffentlichung von Hitlers "Mein Kampf" und wie die NSDAP im Jahr 1928 12 Sitze im Reichstag erlangte. Es ist das Jahr in dem Anne geboren wird.  Die Geschichte der Kinder, die gut behütet in Frankfurt am Main aufwachsen wird weiter erzählt, wobei die Erstarkung des Nationalsozialisten immer im Kontext steht, bzw. gezeichnet wird.

Nach dem Reichstagsbrand entschließen sich die Eltern, in die Niederlande umzuziehen. Die Mädchen werden erst einmal zu ihrer Oma nach Aachen gebracht. noch können sie reisen und so erlernt Margot in der Schweiz Schlittschuh laufen und Ski fahren.

Dann ziehen Sie nach Amsterdam und vorerst gehen die Mädchen ganz normal zur Schule, später müssen sie auf ein jüdisches Gymnasium, den bekannten gelben Stern tragen. Am 12. Juni 1942, an ihrem 13. Geburtstag erhält Anne ein Geschenk. Es ist ein Poesie-Album, das nun zum Tagebuch wird. "Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein." [3] 

Während Sie am 5. Juli noch von der Versetzungsfeier in der Schule schreibt, so finden wir im Tagebuch und auch in der grafischen Biografie die Worte vom 08. Juli 1042: "Liebe Kitty! Zwischen Sonntagmorgen und jetzt scheinen Jahre zu liegen. Es ist soviel geschehen, als hätte sich plötzlich die Welt umgedreht..." [4] Familie Frank ist mit weiteren Bewohnern in ihre letzte Zufluchtsstätte, ins Hinterhaus gezogen, nachdem Margot eine Art "Einberufungsbefehl" zum Arbeitseinsatz erhalten hat.

Hier beginnt Anne an imaginäre Freundinnen Briefe zu schreiben, denn dieses Versteck dürfen sie nicht mehr verlassen. So entstehen auch die Geschichten aus dem Hinterhaus. [5] sie erzählt vom Leben in dieser Gemeinschaft aber auch von ihrem ersten Lyzeumstag oder einer Biologiestunde.

12. August 1943
Eine Mathematikstunde
Beeindruckend steht er vor der Klasse, groß, alt mit einem umgeknickten Stehkragen, immer in einem grauen Anzug, einer Glatze, umgeben von einem Kranz grauer Haare. Spricht einen eigenartigen Dialekt, schimpft oft und lacht oft. Ist geduldig, wenn man sich Mühe gibt, zornig, wenn man faul ist...." Von ihm bekommt Anne einen Strafaufsatz wegen Schwätzens, in dem sie schreibt:
"Ich muss mich tatsächlich bemühen, mir das Schwätzen ein bisschen abzugewöhnen, aber ich fürchte, dass nicht viel daran zu ändern ist, da dieses Laster erblich ist. Meine Mutter schwätzt auch so gern..." [6]

Am 4. August 1944 werden sie entdeckt. Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik - Auschwitz - Bergen-Belsen in der Lüneburer Heide. Chanukka, Nikolaus und Weihnachten an einem Tag im Dezember 1944. Und dann kommt der Typhus...


Es hätte sich wohl kaum jemand für das Tagebuch der dreizehnjährigen Anne interessiert. Vielleicht wäre es nach ihrem Tod als Großmutter mit vielen Enkeln einmal weitergegeben, vielleicht auch gedruckt worden. Auch den Anne Frank Fonds in Basel gäbe es wohl nicht und niemand hätte eine "Anne Frank Gesamtausgabe" verlegen müssen. Es wäre schön, wenn es diese nicht geben müsste. Es gibt sie, weil die Mädchen kurz vor der Befreiung an schwerer Krankheit sterben müssen, es gibt sie, weil der Vater überlebt. Es wird unzählige Auflagen geben, Theaterstücke und mehrere Filme. Und eben auch Bilderbücher, Comics, Graphic Novels. Dank ihm. Und sie sind notwendig, auch wenn das 13 jährige Schulmädchen meinte, für ihr Geschreibsel würde sich keiner interessieren. Dass sie darin Unrecht hat, das ist die Tragik.

* * *

In letzter Zeit liest man immer mal wieder von Ermittlungen und Forschungen über die Festnahme der Familie Frank und der anderen Bewohner. Die Frage, die dabei im Raum steht heißt: War es wirklich Verrat oder war es Zufall? Ich weiß nicht, wer nun so unbedingtes Interesse daran hat, dies zu klären, es ändert nichts an dieser schrecklichen Zeit. Es bedeutet nur, dass Deportation, Vertreibung, Tod auf eine bestimmte Art plötzlich begannen. Die Ursachen sind bekannt: Menschenverachtende Ideologie und politischer Wille einer Gruppe von Menschen, die diese nicht ohne industrielle Geldgeber und Zustimmung von Millionen hätte umsetzen können.

* * *

Holocaust-Leugner gibt es heute noch. Es scheint zur Zeit, es werden mehr. Eigenartige Dinge geschehen und dein Name, Anne, erscheint auf Fußballtrikots. Davon schreibt ein Bloggerkollege, für den der Vorfall mit Anlass war, ein weiteres Bilderbuch zu besprechen. Selten beziehen wir Blogger uns auf andere unserer Zunft. In diesem Fall tue ich es wiederholt gern, denn die Idee ist nicht von mir. Mit Astrolibrium gegen das Vergessen. Warum nicht?



* * *



Filmtrailer 2016 

* * *
 


Die Gesamtausgabe ist ein beeindruckendes Buch. Schon das Lesen von Teilen der Tagebucheintragungen, der Erzählungen und der Briefe zeigen, dass dieses Mädchen auch ein großes Schreibtalent war. Dass sie geschrieben hätte, wäre das glückliche Leben in Frankfurt ohne den NS-Staat weiter gegangen, wissen wir von ihr selbst:

5. April 1944: "...werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden? Ich hoffe es, ich hoffe es so sehr! Mit Schreiben kann ich alles ausdrücken, meine Gedanken, meine Ideale, meine Phantasien." [7]

 Hätte sie überlebt, würden wir vielleicht anderes von ihr lesen, oder aber eben auch das Erleben von Deportation und Tod ringsum auf dem Leidensweg von Millionen.






  • Das Leben von anne frank - Eine grafische Biografie: DNB / Carlsen-Verlag / Hamburg 2010 / ISBN: 978-3-551-79185-6 / 159 S.
  • Anne Frank - Gesamtausgabe: Tagebücher, Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus, Erzählungen, Briefe, Fotos und Dokumente: DNB / Fischer Verlag / Frankfurt 2015 / ISBN: 978-3-596-90591-1 / 800 S. 



© KaratekaDD

Quellen:

[1] Sie folgen dabei der Übersetzung der Tagebücher durch Mirjam Pressler, wenn sie aus diesen Zitieren.
[2] vgl. Tagebuch, Edition Mirjam Pressler, in Anne Frank - Gesamtausgabe, Fischer Verlag 2015, Seite 226
[3] vgl. Ebenda, Seite 15
[4] vgl. Ebenda, Seite 28
[5] Ebenda ab Seite 265
[6] Ebenda, Seite 302
[7] Ebenda, Seite 200


Montag, 30. Oktober 2017

Goldammer, Frank: Tausend Teufel

Dresden 1947. 
Ein klirrend kalter Nachkriegswinter. 
Grausame Morde in einer besetzten Stadt.

Max Heller wird weiterhin gebraucht. Der Soldat des 1. Weltkrieges und danach Polizist, ist auch heute noch dabei: Bei der Volkspolizei. Im Jahr 1945 suchte er den Angstmann und verschaffte sich dabei Respekt bei denen, die in der sowjetischen Besatzungszone das Sagen hatten: den Chefs der Roten Armee und auch dem NKWD – (Народный комиссариат внутренних дел dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (aus dem wurde 1954 der KGB gebildet).

Im Jahr 1947 sind das General Medvedev und Oberst Ovtscharov.

Zwischen Hunger und Kälte, wartend auf Sohn Klaus, der aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft demnächst heimkehren soll, ermittelt Max zum Tod bisher zweier sowjetischer Offiziere. Eine Leiche findet man auf der Bautzener Straße, schnellstens abtransportiert durch die Rote Armee. Was die Soldaten nicht mit nehmen, ist ein Rucksack. In diesem findet die Polizei den Kopf eines Kriegsverbrechers.
Informationen wollen sie haben, diese Russen, rausrücken mit solchen wollen sie nicht. Nicht damit, was es mit der Kneipe eines gewissen Gutmann in der Neustadt auf sich hat, die fast abbrennt und dann die Leiche eines jungen Mädchens offenbart: Prostitution, geduldet von den Sowjets und nicht nur das...
Doch wiederum verschafft sich Max Respekt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Nicht von Ovtscharov und auch nicht vor Seidel, dem Staatsanwalt, der schon vor Mai 1945 aktiver Jurist war und nun in der Partei – einer anderen als damals. Ein Schritt, den Max nicht gehen will, so oft ihm auch dazu geraten wird.
Und dann trifft Max auf Fanny und deren Baby. Und die Kinder im „Camp“ in der Dresdner Heide. Kennt das Mädchen Gutmann und die sowjetischen Offiziere?

Wer greift da die Verwaltung oder Gutmanns Kneipe mit Waffen und Handgranaten an? Der Gedanke des sogenannten „Werwolfes“, einer noch von Reichsführer SS Himmler vor Ende des Krieges gebildete Untergrundorganisation, kommt öfter im Buch vor. Die Angriffe auf Einrichtungen der Verwaltung oder Gutmanns Kneipe, in der die Russen verkehren, lassen den Gedanken ja auch zu. Verschiedene Jugendliche, entwurzelt und dem Glauben an den Nationalsozialismus noch verhaftet, spiegeln den Gedanken wieder.
Dann begibt sich Heller in die Dresdner Heide, auf der Suche nach dieser Fanny.

Plötzlich steht so einer vor ihm: „Vor im stand ein großer Bursche von vielleicht sechszehn Jahren. Er hatte eine abgewetzte Wehrmachtsuniform an, die an Armen und Beinen mit Watte ausgestopft war. Er trug einen Helm der Wehrmacht und hatte sogar Stiefel von Heer. Auch er war mit einer deutschen Maschinenpistole bewaffnet. An seiner Unterlippe blühte ein kleines Ekzem und einer der unteren Schneidezähne fehlte ihm. Auf seiner Brust erkannte Heller mehrere Auszeichnungen. Ein Eisernes Kreuz und zwei russische Orden. An seinem Koppel hing ein schweres Messer, und auf seinem Rücken, stellte Heller mit Erstaunen fest, trug er einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen... ‚Die Hände tun oben blei´m!‘ ermahnte das bewaffnete Kind hinter ihm.“ ( Seite 198/199)



Frank Goldammer malt wieder Bilder mit Worten. War es im Angstmann die Schilderung der Feuernacht des 13. Februar 1945, deren Trauma sein Romanheld Max weiter mit sich herum schleppt, so ist es hier die schneidende Kälte, die den dauernden Hunger in einer weit zerstörten Stadt begleitet und dann die Beschreibung der verwahrlosten Kindern in der Heide. Dreijährige, Vierjährige, Zwölfjährige, 16jährige: zerlumpt, krank, frierend und bewaffnet. Doch zunächst steht er vor dieser Fanny mit dem Säugling:

„Fanny hob die Schultern, nahm den Säugling von der Brust und wollte ihn in einen schmutzigen alten Kinderwagen legen, der keine Räder mehr hatte.
»Nein, warte«, schaltete sich Heller ein. »Leg ihn dir an die Schulter, so, und dann klopfst du ihm sachte den Rücken, bis er ein Bäuerchen macht. Verstehst du mich? Bis er rülpst.« Er half ihr dabei und führte ihr vor, wie sie klopfen musste. Als der Säugling leise aufstieß, kicherte sie kindlich und die anderen Kinder kicherten mit.
»Wenn er kein Bäuerchen macht, bekommt er Bauchweh, oder er kann im Schlaf erbrechen und daran ersticken.«
Fanny sah ihn einen Augenblick nachdenklich an. Dann hellte sich ihr Gesicht auf. »Sie mein', wenn der kotzt.«
 (Seite 204)

In dieser Szene offenbart sich der Charakter des Volkspolizei-Oberkommissars und Vaters zweier Söhne. Ein Krieg als Soldat und die Tätigkeit als Polizist in den 12 Jahren des tausendjährigen Reiches haben ihm den Sinn für ein Leben für Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft nicht nehmen können.

„...Heller nickte zustimmend. Dann stand er auf und ging in Richtung der Behausungen Ein Pulk von Kindern folgte ihm. Die Kleinen sahen zu ihm auf, betrachteten ihn mit ängstlicher Neugier und einer gewissen Bewunderung. Wenn er sich hinhockte, um in die Zelte zu sehen, taten sie es ihm nach. Besonders die Kleinsten drängten sich an ihn und beobachteten jede seiner Bewegung. Ihr penetranter Gestank ließ ihm die Tränen in die Augen schießen. Wahrscheinlich hatten sie sich seit den letzten warmen Herbsttagen nicht mehr gewaschen, geschweige denn, dass sie aus ihrer Kleidung gekommen waren. Auf ihren Köpfen wimmelte es nur so von Läusen, manchmal liefen sie ihnen quer übers Gesicht. Alle Kinder hatten irgendeine Art von Hautausschlag und juckten und kratzten sich unablässig. Ein kleines Mädchen stand abseits und hielt einen kleinen Ast im Arm, der, mit etwas Stoff umwickelt, nun seine Puppe war.
Auch in den Zelten stank es erbärmlich. Schmutzige Decken und Kissen bedeckten den Boden, Konservendosen stapelten sich, alte Puppen und kaputte Spielzeugautos lagen neben allerlei Diebesgut, Draht, Batterien und Pappen. 
In alten Töpfen und anderen Behältern fand Heller Kastanien Eicheln und Bucheckern, in einer Holzkiste gefrorene oder getrocknete Eidechsen. In einem anderen Zelt lagen zwei Kinder völlig reglos und offensichtlich schwer krank unter ihren Decken. Heller tastete nach ihren Köpfen, sie waren glühend heiß. Ein Mädchen kühlte sie mit einem Lumpen, den sie mit kaltem Bachwasser tränkte. In dem aus dem Hang ausgegrabenen Unterstand, beinahe schon eine Höhle, entdeckte Heller Munitionskisten mit deutschen Karabinern, russischen Gewehren und auch Handgranaten deutscher und russischer Bauart. Vor den Unterkünften brannten mehrere kleine Feuer. An primitiven Gestellen hingen schwarze Töpfe. Heller nahm einen großen Löffel und rührte in einem herum. Es war anscheinend eine Suppe. Kleine Fetzen von weißem Fleisch und ein wenig Grün schwammen darin herum. Vorsichtig roch er daran. Das Essgeschirr bestand aus einzelnen Tellern, ein paar aufgesägten Stahlhelmen und alten Blechbüchsen. An einem schmalen Wasserlauf verrichteten die Kinder ihre Notdurft....“ (Seite 204 – 206)

Mit Fanny unterhält er sich darüber und sie berichtet über ihren Freund Jörg, der denkt, er sei der Vater des Säuglings sagen: »Der Jörg sagt, irgendwann tun die Deutschen wieder kämpfen und die Russen vertreiben. Er sagt, unsere Soldaten sind gar nicht besiegt. Die ruhen sich nur aus und tun neue Waffen bauen. Er sagt, unter der Erde, da baut der Adolf eine Geheimwaffe, die macht alle Russen mit einem Schlag tot. Er sagt, man muss sich immer wehren. Er sagt, wenn uns die Russen entdecken, schießen sie uns tot.« Seite 206 – 207)

Die Befürchtung ist nicht ungerechtfertigt, die Russen sind mit solchen Jugendlichen nicht zimperlich umgegangen, es gab Todesurteile, Gefängnis und viele wurden in sibirische Gefangenenlager verschleppt. Ovtscharov lässt später das Lager auch ausheben, nach der Suche nach Jugendlichen, die die Anschläge hätten verüben können. Heller kommt gerade noch rechtzeitig hinzu und legt sich wiederholt mit dem Oberst an.

Doch zunächst geht es erst einmal um das Mädchen mit dem Säugling ohne Namen:

»Fanny, hör mir bitte zu. Dein Junge ist krank. Er muss zu einem Arzt.«
»Der ist nicht krank. Der hat kein Fieber!«
Heller nahm Fanny beim Arm und schaute ihr fest in die Augen. »Sag, läuft es bei dir da unten aus, zwischen den Beinen?«
Fanny wandte sich mit angewidertem Blick von ihm weg.
»Läuft es, hast du Ausfluss da unten? Weiß und schleimig?«, hakte Heller nach.
»Manchmal vielleicht, ein bisschen. Aber das ist nicht schlimm, stimmt's?«
»Fanny, das nennt man Gonorrhoe. Tripper. Und dein Junge hat das in den Augen.« (Seite 209)



Abb 1: Dresden 1949


Max Heller kommt der Lösung des Falles immer näher. Er kämpft sich gleichsam durch die besonders in der Altstadt zerstörten Straßenzüge. Eines Abends quält er sich mit Karin, seiner Frau, die Bautzener Straße hinauf, sie haben eine Einladung erhalten ins Kulturhaus Bühlau. Ein Konzert. Hell erleuchtet strahlt das Haus, warm ist es und die Tische gedeckt als gebe es keinen Hunger, keine Marken. Dazwischen goldglänzende Uniformen und blank gewichste Stiefel. Redner lösen sich ab und dann das Konzert: Brahms. Ein Deutsches Requiem. Es spielt ein Arzt der Roten Armee, der Georgier Kasraschwili am Klavier, es singt ein Chor von Rotarmisten. Der Arzt ist der Dritte der „lebenden Russen“, der im Roman eine Rolle spielt und Max und Karin besuchten vor vielen Jahren mal ein Konzert seines berühmten Vaters. Es gibt harte Getränke und auch hier lassen Max die Ermittlungen nicht los, zumal der Georgier ebenfalls im Dunstkreis der Ermittlungen auftaucht.

Dass der Georgier dieses Stück auswählt, das Programm verändert, erscheint ein wenig seltsam, besonders wenn man in den Text hineinliest, hineinhört. Kaum vorstellbar, oder vielleicht gerade, dass diese gewaltige große Musik da im Kulturhaus Bühlau so einschlägt, aber für Karin und Max ist es irgendwie ein weiterer Neuanfang. So wie das Eintreffen von Klaus. Wieder ein Stück mehr Normalität. Das Requiem war bestimmt nicht die Musik, die sich die nun die Stadt an der Elbe Regierenden vorgestellt hatten. Mit Kasraschwili und Brahms zieht der Widerspruch der propagierten sozialistischen Gesellschaft am Leser vorbei: Der große Virtuose, der Vater, wurde ein Opfer der stalinschen Repressalien in der UdSSR.



Da Ende des Romans ist dann viel einfacher, als es sich der hier bloggende Leser vorgestellt hatte. Max und Karin und Klaus haben eine Zukunft. Doch wie sieht diese aus?

* * *

Frank Goldammer bleibt auch mit diesem Buch seiner Heimatstadt tief verbunden. Mir scheint, sein Stil ist tiefer, eindringlicher geworden. Plötzlich verlangsamt sich das Lesen, oder man blättert einfach mal zwei, drei Seiten zurück und liest noch einmal: langsamer, Wort für Wort. Dann erschließt sich das geschriebene „Bild“, breitet sich der Feuersturm im Zentrum Dresdens aus oder das Lager der verwahrlosten Kinder in bitterkalter Dresdner Heide.

Ist er nun ein Held, der Max Heller? Da spricht zwei Jahre nach Ende des wohl schrecklichsten Krieges ein ehemaliger Häftling eines Konzentrationslagers und zeigt sich entsetzt über die Menschen, die die Gräueltaten „nicht glauben wollen und es für Propaganda hielten.“

"Heller musste an Staatsanwalt Speidel denken, der behauptete, nie ein richtiger Nazi gewesen zu sein. Aber was war ein richtiger Nazi? War man erst ein Nazi, wenn man Juden denunziert hatte? Wenn man Hitler gewählt hatte? Wenn man mit der Hakenkreuzfahne demonstrieren gegangen war? Wenn man eine SA- oder SS-Uniform getragen hatte oder Parteimitglied gewesen war? Oder war man schon ein Nazi, wenn man all das nur geduldet hatte? Jeder behauptete mittlerweile von sich, kein richtiger Nazi gewesen zu sein, aber alle hatten sie das System mitgetragen. Sie alle waren die Grundfeste gewesen, auf der das Deutsche Reich aufgebaut worden war. Heller nahm sich selbst nicht aus. Auch er hatte seinen Dienst verrichtet. Und jetzt?
Was dachten wohl die Leute über die Nürnberger Prozesse, die minutiös im Radio übertragen worden waren. Niemand schien sich dafür zu interessieren. Alle hatten sie andere Sorgen, kämpften ums Überleben, brauchten Wohnungen, Kleidung, Essen, Kohle. Jeder blickte lieber nach vorn, in eine bessere Zukunft, als zurück in die grausame Vergangenheit.
»Schlaf nicht!«, ermahnte Karin ihn leise und stupste ihn unauffällig an. Heller zuckte zusammen und nickte automatisch. Er versuchte, seine Gedanken zu verdrängen." 
(Seite 305)


Goldammer verlegt aktuellste Gedanken zurück in eine Zeit, wo sie viel mehr hingehörten, möchte man meinen. Doch dieser Zeitsprung ist es, der den Roman sehr, sehr aktuell macht. Als ich geboren wurde, erhob sich Dresden gerade aus der Asche. Semperoper und Schloss waren als Ruine deutliches Zeichen noch nicht zu weit zurückliegender Zeit, die Ruine der Frauenkirche das Wahrzeichen derselben. Nun, da alle drei wieder im Glanz erstanden sind, kommt es mir umso seltsamer vor, dass Max Hellers Gedanken wieder gedacht werden müssen, ob der Aussagen von Politikern einer neuen Partei, die stolz sein wollen auf die Heldentaten deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.

Tausend Teufel – die haben viele Menschen gesehen in der Zeit von 33 – 45 und Jahre danach. Die „Russen“ sind es für die Kinder in der Heide, die „Deutschen“ sind es für den sowjetischen Offizier. Heller tritt gegen Tausend Teufel an, hoffen wir, dass er weiter erfolgreich bleibe.

Max Heller ist einer, auf den man stolz sein könnte. Nach diesem Krieg und im Nachkriegselend aufrecht und ehrlich zu arbeiten, kein Hehl aus seiner Meinung zu machen, durchdachten Widerspruch auch auszusprechen und zu versuchen, die Menschen zu verstehen, Mitleid als aktives Handeln zu zeigen, nicht nur an sich denkend, sondern Fanny und dem Baby den Weg ins Leben zu zeigen:

„Was waren Sie? Nazi? Sind Sie Kommunist?
Ich bin Max Heller!"
Aus "Der Angstmann"






► DNB / DTV / München 2017 / ISBN: 987-3-423-26170-8 / 365 Seiten
► Frank Goldammer auf Litterae-Artesque
► Frank Goldammer im DTV

* Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms - Playlist YouTube

* Abb 1: Bundesarchiv, Bild 183-U0823-022 / CC-BY-SA 3.0, wikipedia

Sonntag, 29. Oktober 2017

Nesbø, Jo: Schneemann

Seit September bereits steht ein neues Buch im Regal. Dies ist Jo Nesbø und seine Hauptfigur, der bekannte Harry Hole. Im Jahr 1999 betrat Harry Hole erstmals die Literaturbühne, seither entstanden elf Romane um den trinkenden, eigenwilligen Kriminalkommissar.
Natürlich nichts Ungewöhnliches.

Der siebente Roman der Reihe ist 'Schneemann'. Der Spiegel schrieb im Jahr 2008 was vom „vielleicht besten Krimi des Jahres“ und im Jahr 2010, zur Buchgesichterzeit, begeisterte der Osloer Typ erstmals auch uns.

Der Schneemann ist ein Serienmörder, der es auf junge Mütter abgesehen hat, deren Ehen nicht ganz so laufen, wie sie laufen sollten. Sein Zeichen ist ein Schneemann, den er am Tatort zurücklässt, die Morde geschehen immer im Winter. Die neue Kollegin von Harry ist Katrine Bratt. Die Kinder der Mütter haben eine seltene Erbkrankheit – ist der Mörder vielleicht Arzt? Je tiefer die beiden Ermittler in die Geschichte eindringen desto mehr tritt der Mörder aus dem Schatten. Sowohl Katrine wie auch Harry stehen in Beziehung zum Schneemann. Und obwohl Harry mit seiner geliebten Rakel und deren Sohn Oleg nicht zusammenlebt, geraten auch diese in den Fokus des Mörders.

Bis zuletzt tappt der Leser im Dunkeln und rätselt hin und her, wer denn nun der Schneemann sein könnte. Spannend, aufreibend, brutal und blutig: Warum nur immer lesen wir solches Zeug?

Nun gab es den Schneemann im Kino. Beim Durchblättern des Buches wird deutlich, die Grundstory blieb natürlich enthalten, das Buch ist mal wieder viel dichter und enthält auch einige Handlungsstränge mehr. Die Rolle des korrupten Bullen in Bergen ist im Film etwas verworren und außerdem spielt plötzlich ein Industrieller, der sich um die Bewerbung Oslos für die Olympischen Winterspiele bemüht, eine Rolle. Etwas moderner ist die Polizei auch geworden, die Ermittler benutzen ein etwas sperriges Tablet für alle Arten von „Ermittlungsnotizen“, etwas, wovon wir hier noch weit entfernt zu sein scheinen. Nicht alles ist schlüssig, das Tablet führt außerdem zu einem weiteren brutalen Gewaltakt, da der noch unbekannte Täter den Zugang zu diesem braucht.




Abb 1: M. Fassbender
Abb 2: C. Gainsbourgh
Harry Hole Fans gehen bestimmt sofort ins Kino, jedoch könnten sie dieses enttäuscht wieder verlassen. Zumindest dann, wenn man vom Film die exakte Romanwiederabe verlangt, was sowieso meist nicht eintrifft. Ansonsten findet man "seinen" Harry durchaus wieder. Selbst hatte auch ich mir etwas mehr versprochen. Die Filmkritik ist vernichtend, eine Reihe hochkarätiger Schauspieler reißt die Mittelmäßigkeit des Thrillers nicht raus. Trotzdem könnte man sich Michael Fassbender (Harry Hole) und Charlotte Gainsbourgh (Rakel) als erneutes Filmpaar vorstellen, mit einem anderen Regisseur, der nicht (nach eigenen Angaben) versucht, dem Film norwegische Attribute wie Geschäftsnamen oder die Beschriftung auf Polizeiautos zu entziehen um den Film mehr „Internationalität“ zu verleihen (wikipedia). Ansonsten ist der Thriller „skandinavisch ruhig“, was der beabsichtigten Spannung nichts nimmt.







Gespannt dürfen wir sein, denn die Filmrechte für Der Sohn und die neue Reihe Blood on the Snow sind bereits verkauft.


Die Harry Hole Reihe (siehe wikipedia):

1997: Der Fledermausmann (norw.:Flaggermusmannen)
1998: Kakerlaken (norw.: Kakerlakkene)
2000: Rotkehlchen (notw.: Rødstrupe)
2002: Die Fährte )norw.: Sorgenfri)
2003: Das fünfte Zeichen (norw.: Marekors)
2005: Der Erlöser  (norw.: Frelseren)
2007: Schneemann (norw.: Snømannen)
2009: Leopard (norw.: Panserhjerte)
2011: Die Larve (norw.: Gjenferd)
2017: Durst (norw.: Tørst)

Jo Nesbø auf Litterae-Artesque:

Der Fledermausmann (AP)
Leopard (UR)
Die Larve (UR)
Koma (AP) Notiz (UR)
Der Sohn (AP) Notiz (UR)
Blood on Snow - Der Auftrag (UR)

Jo Nesbø in der wikipedia
DNB / Ullstein / Berlin 2009 / ISBN: 978-3-548-28123-0 / 499 S.

© KaratekaDD

Bilder:

  • Abb 1: wikipedia CC-BY-SA 4.0 File:Michael Fassbender by Gage Skidmore 2015.jpg Erstellt: 11. Juli 2015
  • Abb 2: wikipedia CC BY 2.0 File:Charlotte Gainsbourg (2010) 2.jpg Erstellt: 6. April 2011

Freitag, 27. Oktober 2017

Blogpost 106: TinSoldiers Bücherstapel (Nr. 01/2017)


Lieber Leser und "Follower" von Litterae-Artesque!

Auch das Jahr 2017 soll nicht vorüber gehen, ohne dass ich in meiner Rubrik "Bücherstapel" mindestens einen Blogpost veröffentliche, in dem ich wieder einige Bücher vorstelle, die ich zwar selbst noch nicht besitze oder (aus Zeitgründen) noch nicht lesen konnte, die ich aber trotzdem hier vorstellen möchte, weil ich sie für lesenswert halte.
Vielleicht kann ich Euch so die eine oder andere Anregung für hochwertige und genussvolle Lektüre geben, die Euch, vielleicht bei einer guten Tasse Tee, die kommenden langen Herbst- und Winterabende versüßen könnte!



Sachbuch



Andrea Wulf :
Alexander von Humboldt
und die Erfindung der Natur
Ausgabe der Büchergilde
Gutenberg
Ein tolles, ein vielversprechendes Buch über den weltbekannten Naturforscher und Wissenschaftsautor Alexander von Humboldt.
Nicht einfach "nur" eine Biografie, beschreibt dieses Buch das Lebenswerk und das vielfältige Wirken dieses genialen Naturwissenschaftlers, der die Großen seiner Zeit beeindruckte und beeinflusste:
Thomas Jefferson war sein Freund, Charles Darwin und Simon Bolivar ließen sich von ihm inspirieren.


Nach ihm wurden der Humboldtstrom, das Mare Humboldtianum auf dem Mond, zahlreiche Tiergattungen, z.B. der Humboldt-Pinguin, Gletscher, Berge u.a. mehr benannt und jeder von uns kennt die Humboldt-Universität in Berlin, deren Gründer (gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm) er war.

Alexander von Humboldt war der Erste, der den vom Menschen gemachten Klimawandel beschrieb und vor seinen Folgen warnte!

Ein Buch über den größten deutschen Naturwissenschaftler seiner Zeit, der wie kein anderer unsere Weltsicht bis in die Gegenwart beeinflusst hat.
Meine Meinung: Allein deswegen schon lesenswert!


Originalausgabe:
München : C. Bertelsmann Verlag
Erscheinungsdatum: 2016
ISBN: 978-3-641-19550-2
DNB


Ian Kershaw: Höllensturz
Europa 1914 - 1949
Ausgabe der Büchergilde
Gutenberg
Ian Kershaw ist einer der bedeutendsten Historiker der Gegenwart. Mit seinem Buch Höllensturz - Europa 1914 - 1949 hat er einen vielbeachteten Bestseller geschrieben.
In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts stand Europa zweimal an der Schwelle der Selbstzerstörung:

"In diesem Glanzstück der modernen Geschichtsschreibung durchbrechen immer wieder individuelle Erfahrungen und Erlebnisse Einzelner die Schilderungen der großen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Kershaw, einer der bedeutendsten Historiker der Gegenwart, schildert eindrucksvoll, wie es zum Ersten Weltkrieg kam. Und wie unter den Vorzeichen des Kalten Krieges die Weichen Europas neu gestellt wurden". 
(Büchergilde Gutenberg)

Dieses Buch empfehle ich allen, die sich mit neuerer Geschichte auseinandersetzen wollen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, warum die Vergangenheit nicht einfach "nur" Geschichte ist, die uns gar nichts mehr anginge:


Die Vergangenheit betrifft uns alle, wenn wir nämlich die Gegenwart verstehen wollen.
Die Vergangenheit ist die Ursache, weshalb die Gegenwart so ist, wie sie ist!

Und ganz nebenbei machen wir die Erfahrung, dass solche Bücher nicht trocken sondern ungemein spannend sein können.
Klare Empfehlung von mir (ich besitze es schon und es liegt in meinem SuB ganz obenauf!)


Originalausgabe:
München : Deutsche Verlags-Anstalt
Erscheinungsdatum: 2016
ISBN: 978-3-641-18872-6
DNB

Belletristik
Kalteiche
ist ein Kriminalroman, der von einem 
echten Polizisten geschrieben wurde

Kalteiche
Kriminalroman von Ulrich Hefner

Originalausgabe erschienen 2017 bei Leda.
Folge 7 der Martin-Trevisan-Serie.



Der Autor ist Polizeibeamter und kennt also die Materie, von der er als Krimi-Autor schreibt.
Ich erwarte hier also keine Staatsanwälte, die der Kripo arrogant in den Ermittlungen rumpfuschen oder den herrischen Befehl "Abführen", vom Herrn Kriminalhauptkommissar an die Kollegen in Uniform gerichtet. 
Die inhaltliche Kurzangabe zu diesem Roman hat mich sofort neugierig gemacht, denn ich mag Kriminalromane, die im Norden Deutschlands oder Europas spielen.
Dieser handelt von einer grausamen Mordserie, die mit dem Massaker an einer ganzen Familie in Wilhelmshaven beginnt. Die Ermittlungen führen schließlich nach Norderney.  
Hauptkommissar Trevisan übernimmt hier seinen siebenten Fall. 
Hier also einmal eine erfrischende Alternative zum sonst üblichen Krimi- und Thriller-Allerlei und mit Handlungsorten, die man aus dem Urlaub kennt; ich liebe das!



Ulrich K. Hefner, Jahrgang 1961, ist Polizeibeamter, Journalist und Krimiautor. Ulrich Hefner ist Mitglied bei den Polizei-Poeten, beim Syndikat, in der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren und beim Deutschen Presse Verband. Wikipedia





Kalteiche
Kriminalroman
Broschur, 336 Seiten
erschienen 2017 im Verlag Leda
ISBN: 978-3-86412-203-3
Preis: EUR 11.00
auch als e-book erhältlich
DNB




Meine nächste Buchvorstellung ist nun mal wieder etwas ganz anderes!


Tyll
heißt der neue Roman von Daniel Kehlmann, der uns ein großes Leseerlebnis verspricht. Kehlmann, der uns u.a. als Autor des Buches "Die Vermessung der Welt" noch in guter Erinnerung ist, gestaltet seinen Tyll in Anlehnung an die sagenhafte Figur des Till Eulenspiegel, der angeblich als umherstreifender Schalk im 14. Jahrhundert lebte.
Der "Tyll Ulenspiegel" des David Kehlmann ist nun nicht unbedingt ein geborener Schalk, aber umständehalber ebenfalls gezwungen, während des dreißigjährigen Krieges zu aus dem Elternhaus zu fliehen, um religiöser Verfolgung zu entgehen. So gerät er in die Wirren des 30-jährigen Krieges. Dies erinnert uns nun wiederum sehr stark an den

"Tyll Ulenspiegel – Vagant, Schausteller und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn in einem kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origenes, dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat, dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben, und nicht zuletzt dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher, dessen größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben"
(Amazon).

Diese kurze Inhaltsangabe aus dem 480 Seiten umfassenden opulenten Werkes ist aber nur eine kurze Zusammenfassung der Geschichte.
Das Buch ist mehr, viel mehr:
Historischer Roman, teils grausame Schilderung der Verrücktheit dieses epischen europaweiten Krieges, den wir den 30-jährigen Krieg nennen, und der seinen Anfang mit einer Provinzposse nahm: Dem Prager Fenstersturz.
Um so erstaunlicher, dass es Kehlmann gelingt, seinen Roman noch mit einer guten Prise Humor zu würzen (man denke nur an den in der obigen kurzen Zusammenfassung erwähnten "melancholischen Henker", den "sprechenden Esel" und an den Arzt, der den "absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben"!

Meiner Meinung nach eine der besten Neuerscheinungen des Jahres.
Ich werde mir das Buch auf alle Fälle kaufen.
Eine klare Empfehlung also von mir!

Daniel Kehlmann
Tyll 
fester Einband
erschienen bei Rowohlt
Erscheinungstermin: Oktober 2017
978-3-498-03567-9 
EUR 22.95

(auch als Hörbuch, z.B.
bei Amazon, erhältlich)



Kinderbuch


Manolito
Text und Illustrationen von
Friedrich Hechelmann.

Ein fantastischer Märchenroman

Manolito, der "Winzling mit einer Elfenseele" öffnet dem Wissenschaftler  Knuth Rabenhorst die Augen über die vom Menschen gemachten Katastrophen, vor denen die Tiere auf den Nachbarkontinent Aronia geflohen sind. Manolito macht sich auf die abenteuerliche Reise nach Aronia, um den Tieren zu helfen.
Mit von der Partie sind:
Fledermaus Philomena, Hedwig die Maus, die Krähe Kasimir und die Hummelkönigin Klara.

Ein modernes Märchen über den Zustand unserer Welt, wunderschön illustriert.


Manolito : ein fantastischer Märchen-Roman / Friedrich Hechelmann

Ab 10 Jahren
19.5 x 23.0 cm, gebunden mit SU, 176 Seiten mit
10 schwarz-weiß-Abbildungen und 30 farbigen Abbildungen
Erscheinungsdatum: 2017
erschienen im Knesebeck-Verlag, München
ISBN 978-3-95728-060-2
Preis: 29,95 Euro



Samstag, 21. Oktober 2017

Aus meinem Zeichenblo(g)ck: Portraitzeichnung eines Models... von der Lust und dem Frust beim Zeichnen

Beim Malen und Zeichnen... 

macht man als Amateur immer wieder die gleiche Erfahrung (wie in vielen anderen Bereichen des Lebens auch):

Man versucht immer wieder, ein wirklich 100 - prozentig optimales Ergebnis zu erzielen, nur um dann (oft etwas frustriert) festzustellen, dass es wieder einmal "nur" gelang, sich dem Ideal lediglich anzunähern.
Immer ist es das nächste Bild, das optimal werden soll - und dann macht man wieder Fehler, wenn auch vielleicht andere, als beim letzten Mal.

Als Autodidakt stößt man irgendwann sowieso an seine Grenzen, wenn man sich nicht professionelle Hilfe holt: 
Also habe ich mir kürzlich spontan überlegt, einmal an einem Kurs für´s Portraitzeichnen an der Volkshochschule teilzunehmen:


VHS Workshop zum Thema Portraitzeichnen:
Jeder Teilnehmer hat seine individuelle Technik


Ausarbeitung einer Portraitzeichnung....



...in diesem Fall mit Pastellkreiden




Hier entsteht eine Portraitzeichnung nach einer Fotovorlage mit 
Graphit (Bleistift) auf Papier.
Sorgfältiges und genaues Arbeiten ist hier notwendig!


Nun treffen sich in den nächsten Wochen einige Hobbykünstler immer Freitags zum Workshop, wie man das heute auf "Neudeutsch" nennt.
In der Gruppe zeichnen wir hier unter behutsamer fachkundiger Anleitung, um unsere zeichnerischen Fähigkeiten zu verbessern. Sowohl das Niveau als auch die individuellen Ansätze sind dabei offensichtlich unterschiedlich. Die Freude am Hobby Zeichnen aber ist offenkundig allen gemein!

Ich habe sehr schnell festgestellt, dass es sich lohnt, den anderen Kursteilnehmern zwischendurch über die Schultern zu schauen um zu sehen, wie sie sich einer zeichnerischen Aufgabe nähern und wie sie bestimmte Dinge umsetzen.
Jeder macht es offenbar anders. Anders halt, aber nicht unbedingt besser oder schlechter als man selbst.

Die erste Lektion, die ich hier lernte, war  für mich eine etwas frustrierende Erfahrung:
Es ist etwas völlig anderes, ein lebendes Modell zu portraitieren, als von einer Fotovorlage!
Ich bin es gewohnt, nach Fotovorlagen zu zeichnen und mir dafür verhältnismäßig viel Zeit zu nehmen. 
Eine Person in 10 - 20 Minuten nach dem Leben zu zeichnen, ist (jedenfalls für mich) eine andere Hausnummer!

Die nächste Aufgabe kam mir deshalb besser gelegen: 
Wir zeichneten nach Fotovorlagen.
Ich wählte für mich ein sog. "high Key" Foto aus einem Modemagazin, weil ich das Gesicht des Models interessant finde. Erste Entwürfe fertigte ich noch im Kurs, die eigentliche Zeichnung entstand dann weitgehend zu Hause:

Vorlage und zeichnerische Umsetzung

Bleistift und Kohle auf Papier waren wieder die Zeichenmedien meiner Wahl.
Das halb fertige Ergebnis präsentierte ich dann in der nächsten Sitzung.
Auch hier wieder eine völlig neue Erfahrung:
Die Urteile aus der Runde über mein "Werk" deckten die gesamte Bandbreite menschlicher Begeisterung ab! :-)
Der Kommentar:
"Ui, die schaut aber aus, als wäre sie ziemlich angepisst"!
deckte das eine Ende der Skala ab, ein ausführliches "Wow!" das andere.

Die Frisur macht viel aus.
Man beachte das Ohr: Dieses menschliche
Körperteil originalgetreu zu zeichnen
ist nicht so leicht, wie es aussehen mag!

Dazwischen aber fanden sich zahlreiche Hinweise auf kleine Fehler in meiner Zeichnung, die mir helfen werden, mich zu verbessern.
Hier nun das fertige Ergebnis meiner Bemühungen. Meine eigene Erwartung konnte ich mal wieder nicht erfüllen.
Aber ich bin dem Ziel ein Stückchen näher gekommen!

Das fertige Bild
Graphit und Kohle auf Papier
50x70 cm
Copyright: TinSoldier (Rudolf Fröhlich)




Freitag, 20. Oktober 2017

Salzmann, Sasha Marianna: Außer sich


Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.

Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch.

(Klappentext Suhrkamp Verlag)


  • Gebundene Ausgabe: 366 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (11. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518427628
  • ISBN-13: 978-3518427620











SCHERBENLEBEN...




 Ich habe diesen Roman, der mit fünf weiteren Büchern auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, nun vor einigen Tagen beendet und ganz gegen meine Gewohnheit nicht sofort eine Rezension verfasst. Der Klappentext lässt nicht einmal ansatzweise erahnen, worum es in diesem Buch überhaupt geht. Gerade das aber lässt sich hier auch schlecht auf den Punkt bringen.

Eine autobiografische Fiktion sei ihr Roman, verrät
Sasha Marianna Salzmann zu ihrem Debüt. Es geht hier um vieles, wobei die Suche Alis nach ihrem Zwillingsbruder Anton tatsächlich den kleinsten Raum einnimmt. Es geht um Geschwisterliebe, Geschlechterumwandlung als radikale Selbstbestimmung, um sowjetische Familiengeschichten, Migration in jeder Hinsicht.


"Die ganze Zeit hat sie so Zeug vor sich hin gesprochen, sie hätte uns nicht hierherbringen sollen, alles selbstverschuldet, das habe sie jetzt davon. Dann sagte sie, Migration tötet, es klang wie eine Warnung auf einer Zigarettenschachtel: Migration fügt Ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu." (S. 297)


Die Autorin selbst ist in Moskau aufgewachsen, mit zehn Jahren dann mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen als jüdischer Kontingentflüchting. Auch hat
Sasha Marianna Salzmann länger in Istanbul gelebt, wo mit Hilfe eines Stipendiums dieser Roman entstand. Die Eckdaten ihrer Biografie spiegeln sich in dem Hauptcharakter Ali. Insofern war beim Lesen stets die Frage präsent, wie viel von der Autorin sonst noch in Ali und ihre Geschichte eingeflossen ist. Istanbul beispielsweise nennt Sasha Marianna Salzmann selbst einen 'Sehnsuchtsort', "...weil ich in Istanbul in mir war, nicht außer mir, das passiert mir sehr selten."


"Sie war sich nicht sicher, wem sie schon welche Geschichte erzählt hatte, sie war sich ihrer eigenen Geschichte nicht mehr sicher, was sie eigentlich tat in einer Stadt außerhalb der Zeit, suchte sie wirklich ihren Bruder oder wollte sie einfach nur verschwinden. Sie zitterte." (S. 123)

Ali wirkt wie getrieben. Sie ist auf der Suche. Doch weniger tatsächlich nach ihrem Zwillingsbruder, wie der Leser bald bemerkt. Vielmehr nach - ja, nach was? Vielleicht am ehesten nach sich selbst, nach ihrem Platz in der Welt, nach ihren Wurzeln. Ali ist immerzu unterwegs, nirgends wirklich zu Hause, nichts steht fest, selbst und gerade das Ich scheint zu bröckeln. Istanbul ist schließlich die Stadt, in der Ali erstmals einen Ort erfährt, der sich annähernd wie Zuhause anfühlt. Aber auch dort treibt eine innere Unruhe sie immer weiter, an immer neue Orte.


"Ich bin nicht wie du, ich bin kein Tier, das vor sich hin grast und alles hinnimmt, wie es kommt. Ich will nichts von diesem Leben, in dem es alles gibt, aber niemand etwas will. Ich will nichts von diesem Schnickschnack, den ihr für die Erfüllung eures Lebens haltet, weil ihr sonst nichts habt, woran ihr glauben könnt." (S. 118)


Doch Ali sucht nicht nur im Hier und Jetzt. Sie sammelt auch Bruchstücke der Vergangenheit auf. Ausführlich schildert die Autorin hier die Geschichten der vorherigen Generationen, die alle die Themen Migration, Verlust von Lebensträumen, Zugehörigkeit, Alkohol, Gewalt und grenzenlose innere Einsamkeit vereinen. Aufbrüche, Umzüge, Zerwürfnisse zwischen Moskau, Berlin und Istanbul, Haltlosigkeit und Bodenlosigkeit prägen die Biografien, brüchige Wurzeln. Ali betrachtet diese Scherben, kann sie jedoch nicht zu einem Ganzen fügen, aus dem losen Flickenteppich der Erinnerungen entsteht keine Wahrheit.


"Sie sprach in mehreren Sprachen gleichzeitig, mischte sie je nach Farbe und Geschmack der Erinnerung zu Sätzen zusammen, die etwas anderes erzählten als ihren Inhalt, es klang, als wäre ihre Sprache ein amorphes Gemisch aus all dem, was sie war und was niemals nur in einer Version der Geschichte, in einer Sprache Platz gefunden hätte." (S. 258)


Die Gestaltung des Romans entspricht der Getriebenheit Alis. Hier wird alles andere als linear erzählt, und jeder Figur lässt die Autorin dieselbe Sorgfalt zukommen, so dass Alis Suche oftmals aus dem Fokus gerät. Der Ausgestaltung der Szenen ist die Nähe Salzmanns zum Theater anzumerken; sie sind geprägt durch eine dramaturgische Kraft sowie durch einen ungeheuren Reichtum der Bilder. Eine kraftvolle Sprache, getragen von Bildern und Dialogen, zieht sich durch den Roman.


"Mustafa schaute sie an. Er hatte sehr müde Augen, eine sehr müde Haut, sie bildete tränenförmige Ausstülpungen, die langsam von den Wangenknochen nach unten zogen, in Zeitlupe tropfte seine Haut von seinem Gesicht. Große, runde Sogpupillen, die ohne jeden Ausdruck auf Ali ruhten." (S . 32)


All dies zählt durchaus zu den positiven Seiten des Buches, und es ist für mich nachvollziehbar, dass dieser Debüt-Roman auf der Shorlist des Deutschen Buchpreises gelandet ist. Der Roman beschäftigt den Leser auch über die eigentliche Lektüre hinaus, was ich ebenfalls zu den Stärken zählen würde. Aber - und hier kommt ein großes Aber - da ist noch der Punkt, wie es mir persönlich beim Lesen erging.
Für mich war diese Lektüre ein großer, persönlicher Kampf. Seite um Seite musste ich diesem Roman abringen, nach ein paar Abschnitten hatte ich dann wieder genug und legte das Buch wieder weg. Selten habe ich mich einmal so schwer getan mit einem Roman. Das lag zum einen an den sperrigen Charakteren, die einfach keine Nähe zuließen, zum anderen aber eben auch an der Sprunghaftigkeit der Erzählung, an dem Nicht-Linearen, der Düsternis, der sich durchziehenden Melancholie. Ich hatte immer das Gefühl, Menschen beim Vor-Sich-Hin-Vegetieren zuzuschauen - hinter jeder Kulisse kam Abfall, Niederträchtigkeit und Einsamkeit zum Vorschein.


"Ich hätte ihn nicht geheiratet, wenn ich nicht schwanger geworden wäre. Ich hätte ihn verlassen gleich nach dem ersten Streit, gleich nach dem ersten Schlag, als ich sein aufgedunsenes, rotes Gesicht zum ersten Mal sah. Versteh mich nicht falsch, ich bereue es nicht, das heißt, ich bereue es nicht, euch gekriegt zu haben, aber Kinder muss man schnell kriegen, bevor man Zeit hat, sich kennenzulernen und dann enttäuscht zu sein, sonst würde niemand Kinder kriegen... (S. 258)


Auch wenn zu spüren ist, mit wieviel Engagement und Herzblut die Autorin ihr Erstlingswerk geschrieben hat, wie viel Persönliches auch wohl dort eingeflossen ist, kann ich  in der Summe einfach nicht mehr Sterne vergeben, was mir sehr leid tut. Aber neben der Faszination hinsichtlich der Gestaltung des Romans, seiner Bildhaftigkeit und der existentiellen Fragen, die hier gestellt werden, gibt es eben das persönliche Gefühl eines Zuviels und einer phasenweise Unerträglichkeit. Niemand bedauert das mehr als ich.

Dennoch fand ich es spannend, diesen Roman im Rahmen einer Leserunde zu lesen und dabei zu erkennen, wie unterschiedlich er aufgenommen wurde. In jedem Fall war die Lektüre eine bereichernde Erfahrung.

© Parden 


















Der Suhrkamp Verlag schreibt über die Autorin:

Sasha Marianna Salzmann studierte Literatur/Theater/Medien an der Universität Hildesheim sowie Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. Sie ist Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin und war Mitbegründerin des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext. Seit der Spielzeit 2013/2014 ist sie Hausautorin am Maxim Gorki Theater Berlin und war dort bis 2015 Künstlerische Leiterin des Studio Я. Ihre Theaterstücke werden international aufgeführt und sind mehrfach ausgezeichnet. Außer sich ist ihr Debütroman.

übernommen vom Suhrkamp Verlag